Bundeskartellamt / Lebensmitteleinzelhandel

Rewe darf Lekkerland übernehmen

Lekkerland-Zentrale in Frechen. Foto: Lekkerland

rv DÜSSELDORF. Im Mai hatte die Kölner Rewe Group mitgeteilt, dass sie ihr Convenience-Geschäft für den Außer-Haus-Verzehr weiter ausbauen und deshalb die Lekkerland Gruppe komplett übernehmen will. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der Lekkerland AG & Co. KG durch die Rewe in diesem Oktober genehmigt. Grundlage der Entscheidung war die Stellung beider Unternehmen auf dem Großhandelsmarkt für Lebensmittel.

So konstatiert der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt (Foto: Bundeskartellamt), dass Rewe und Lekkerland im Großhandel mit Lebensmitteln gemeinsam nur auf Marktanteile von unter 10% kommen, die von der Wettbewerbsbehörde als unbedenklich eingestuft werden. „Betrachtet man verschiedene Kundengruppen, sind die Beteiligten in dem Segment der Belieferung von Tankstellen und sonstigen Convenience-Geschäften, insbesondere Kiosken, gemeinsam der mit Abstand stärkste Anbieter“, so der Präsident: „Allerdings beschränkt die starke Nachfragemacht der großen Mineralölgesellschaften die Handlungs- und Preissetzungsspielräume.“

Das Bundeskartellamt sieht auch für kleine und mittlere Tankstellenbetreiber noch hinreichende Ausweichmöglichkeiten etwa durch Spartenlieferanten für einzelne Produktgruppen. Dass die Behörde die Beschaffungsseite mit Blick auf die starke Marktstellung von Rewe als Nummer zwei auf dem deutschen Markt und die starke Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel sehr genau überprüft hat, war mit Blick auf frühere strittige Übernahmefälle zu erwarten. Zwar sei Rewe nach Edeka und neben der Schwarz-Gruppe gegenüber den Herstellern und Lieferanten einer der drei größten Abnehmer für den Lebensmitteleinzel- und Lebensmittelgroßhandel in Deutschland, doch sei der Zuwachs durch Lekkerland mit weniger als 0,5% „gering“.

Zum Hintergrund: Die Lekkerland-Gruppe mit Sitz in Frechen bei Köln ist als Großhändler für Tabakwaren, Lebensmittel und ein ausgewähltes Non-Food-Sortiment auf die Belieferung von Tankstellen und Kiosken spezialisiert. Ihr Umsatz betrug 2018 rund 3 Mrd. Euro in Deutschland und 5 Mrd. Euro in Europa. Die als Genossenschaft organisierte Rewe mit den Schwerpunkten Lebensmittelhandel und Touristik erzielte im Vorjahr in Deutschland einen Umsatz von 37 Mrd. Euro und in Europa von 52 Mrd. Euro. Nach einer Pilotphase beliefert Rewe seit 2016 Aral-Tankstellen.

 Wie die Wettbewerbsbehörde weiter mitteilt, wurde das „in die Zuständigkeit der Europäischen Kommission fallende Zusammenschlussvorhaben mit Blick auf die deutschen Märkte am 8. Juli 2019 auf Antrag der Beteiligten an das Bundeskartellamt verwiesen“. Eine entsprechende Teilverweisung sei mit Blick auf die österreichischen Märkte an die Bundeswettbewerbsbehörde verwiesen worden. Für andere Länder, das gelte vor allem für Spanien, Portugal und Benelux-Länder, habe die Kommission den Erwerb von Lekkerland durch Rewe schon am 7. August 2019 frei gegeben.

Im Rahmen der Untersuchung hat das Bundeskartellamt mehr als 120 Wettbewerber, Lieferanten und Kunden mittels Auskunftsbeschlüssen befragt und mit Marktteilnehmern und Verbänden zahlreiche Gespräche geführt, so dass aus Sicht der Behörde für alle interessierten Kreise „viel Raum für Stellungnahmen bestand“. Mit Blick auf die Marktmacht auf der Beschaffungsseite hat das Bundeskartellamt auch berücksichtigt, „dass Lekkerland als Großhändler darauf angewiesen ist, ein breites Sortiment anzubieten, aus dem die Kunden eine Auswahl treffen können. Diese Auswahl behalten sich die Tankstellenketten vor. Die Steuerungsmacht darüber, welche Produkte in den Regalen der Tankstellen platziert werden, liegt daher überwiegend bei den Mineralölgesellschaften“, teilt das Kartellamt mit.

Wie die Rewe-Gruppe bei Bekanntgabe der Übernahmepläne im Mai mitgeteilt hatte, will das Unternehmen sein Convenience-Angebot mit der spezialisierten Logistik und der umfassenden Großhandels- und Convenience-Expertise von Lekkerland kombinieren. Die Lekkerland AG & Co KG betreut rund 91 000 Verkaufspunkte in sieben europäischen Ländern inkl. Deutschland. Zu den Kunden zählen Tankstellenshops, Kioske, Convenience-Stores, Bäckereien, Lebensmitteleinzelhändler und Quick Service Restaurants. Konkret wollen die beiden Unternehmen innerhalb der Rewe Group den neuen strategischen Geschäftsbereich „Convenience“ gründen.

Rewe will seine Kompetenz in den Bereichen „Ware“ und „Category Management“ mit der logistischen Leistungsfähigkeit und vielfältigen Großhandels-Expertise von Lekkerland kombinieren. Interessant für die beiden Partner dürfte dabei das Konzept „Eine Bestellung. Eine Lieferung. Eine Rechnung.“ sein, das der Großhändler 2018 im Zuge seiner Strategie „Convenience 2020: Agenda for Success“ eingeführt hat. Hier geht es um eine innovative Multitemperatur-Logistik, die es möglich macht, dass die Kunden Produkte aus verschiedenen Temperaturbereichen mit nur einer Lieferung erhalten. Das erleichtert die Zustellung von Lebensmitteln.