Kompetenzforum Vitail

Man darf nicht immer auf die Politik warten

Erstellt von Ruth Vierbuchen

von links: Zimmermann, Moderatorin Miriam Beul und Rehme. Foto Kratz Photographie

Das Thema Digitalisierung findet auch immer mehr Beachtung in den Mittel- und Kleinstädten, die mit Blick auf ihre Abhängigkeit vom Facheinzelhandel hier besonders aktiv sein müssen. Die Online-City Wuppertal und die Kooperation von Mönchengladbach mit Ebay sind zwei Beispiele. Nun kommt das Kompetenzforum „Vitail“, das in der schuldenfreien Stadt Langenfeld unter dem Begriff „Future City“ getestet wird, hinzu. Das Ziel: Erfolgreiche Zukunftsstrategien für Handel und Innenstädte zu konzipieren und zu testen.

Die 60 000-Einwohner-Stadt Langenfeld zwischen Düsseldorf und Köln hatte nach den Worten von City-Manager Jan Christoph Zimmermann bis in die 1990er-Jahre hinein keine ausgesprochene Einkaufslage. Lediglich eine Durchgangsstraße, an der sich Einzelhändler angesiedelt hatten. Dieses Defizit wurde mit Center-Entwicklungen mit 40 000 qm Einzelhandelsfläche behoben. Auch mit den Themen Event-Marketing sowie Gastronomie-Kultur hat sich die zielstrebige Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren befasst.

Nun geht es um den Online-Handel und die Frage, wohin die Reise gehen wird? Die Stadt wolle eine Abwärtsspirale durch ein Trading-down verhindern, so Zimmermann. Denn die 44 Mrd. Euro, die die Bundesbürger im vergangenen Jahr im Online-Handel ausgegeben haben und die wachsenden Ausgaben für Freizeitaktivitäten werden nach den Worten von Frank Rehme, Managing Partner der GMVTeam GmbH und heutiger Kooperationspartner der Stadt Langenfeld beim Projekt „Future City“, dem stationären Einzelhandel künftig fehlen.

Es werde verödete Regionen geben und man dürfe nicht immer auf die Politik warten, mahnt Rehme beim Fachmarkt-Immobilienkongress in Düsseldorf. Bei der Initiative geht es nun darum, für den inhabergeführten Einzelhandel die Hürden zum Online-Handel abzubauen. Denn meist fehlt den Fachhändlern das Geld und das Know-how für die Digitalsierung. Es geht um gangbare Lösungen für diese Klientel im digitalen Raum. Eine der Maßnahmen besteht darin, gemeinsam mit Google dafür zu sorgen, dass die Langenfelder Fachhändler bei der Suche nach einem Produkt mit ihrem Geschäft und der entsprechenden Wegbeschreibung im Internet gezeigt werden.

Ein weiteres Projekt der Langenfelder Future City ist nach den Worten von City-Manager Zimmermann seit Anfang September das bequeme, bargeldlose Parken mit Hilfe des eigens dafür eingeführten „Stadtschlüssels“. Konkret erhält der Kunde eine RFID-Karte mit Chip, mit der er in der Stadt bei den diversen Händlern - Edeka ist allein mit drei Märkten dabei - Punkte sammeln kann, die dann mit den Parkgebühren verrechnet werden. Insgesamt gibt es bislang 36 Händler, die mitmachen. Geplant ist, die Karte auch als Geschenkkarte auszubauen.

„Wir brauchen eine digitale Vernetzung dieser Services“, erläutert Zimmermann weiter. Die Stadt brauche dafür ein Betriebssystem. Für die Einzelhändler bestehe das größte Problem darin, so ergänzt Rehme auf Grund seiner Erfahrungen, zu verstehen, was Digitalisierung für sie bedeutet. In diesem Kontext haben das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) und die GMVTeam GmbH, die Initiator und Betreiber des Projektes „Future City Langenfeld“ ist, das Kompetenzforum Vitail geschaffen, „um erfolgreiche Zukunftsstrategien für Handel und Innenstädte zu konzipieren und zu erproben“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Die GMVTeam GmbH ist vor vier Jahren aus dem ehemaligen Innovationsteam der Metro AG hervorgegangen.

„Die Innenstädte brauchen neben einer strategischen Ausrichtung leicht umzusetzende Lösungen für den Handel, um den Anforderungen der Zukunft im analogen und digitalen Bereich zu begegnen“, weiß Rehme. „Dabei muss eine praxisnahe und erprobte Vorgehensweise im Vordergrund stehen“. Im ersten im Rahmen von Vitail gestarteten Projekt „Future City Langenfeld“, entsteht eine Modellstadt für die innovative Zukunft des Handels und des Erlebnisraums Innenstadt, das mittlerweile auch vom Land NRW unterstützt wird. So werde anhand der „Customer Journey“ vor Ort mit Partnern aus Industrie und Dienstleistung Lösungen für eine attraktive City erarbeitet.