Schuhmarkt Deutschland

Günstiger Ausblick für das Schuhjahr 2019

Die neue Schuh-Mode auf der Gallery Shoes. Foto: Igedo

rv DÜSSELDORF. Nach dem endlosen Sommer des Jahres 2018 kann der Handelsverband Schuhe (BDSE) zur Halbzeit Entwarnung geben: „Anders als im vergangenen Jahr, als das Frühjahrsgeschäft praktisch ausfiel, kann das Wetter in diesem Jahr bislang als saisongerecht bezeichnet werden“, konstatierte Verbandspräsidentin Brigitte Wischnewski bei der Pressekonferenz zur Gallery Shoes in Düsseldorf. Dass der Schuheinzelhandel im ersten Halbjahr ein kleines Umsatzplus verzeichnete, sei sicher auch auf den „jahreszeitlich angemessenen Witterungsverlauf“ zurück zu führen.

Unterm Strich erzielte der Schuhfachhandel im ersten Halbjahr 2019 nach den Zahlen des Handelsverbands Schuhe (BDSE) ein Umsatzplus von 2,5%. Da im vergangenen Jahr das Frühjahrsgeschäft ausgefallen war, weil die hochsommerlichen Temperaturen bereits im April einsetzten und im Grunde erst im Oktober wieder abflauten, sind die statistischen Vorgaben relativ niedrig. Bezieht man den Monat Juli, der im Vorjahr sehr heiß war, in die Berechnung mit ein, so liegt das Umsatzwachstum sogar bei 3,0%. Das gibt Zuversicht für das zweite Halbjahr 2019, denn bei moderateren Sommertemperaturen in diesem August ist laut Verband auch das Herbstgeschäft „ordentlich“ angelaufen. Sofern die Herbst- und Wintermonate „normal“ verlaufen, könnte die Branche das aufgelaufene Umsatzplus laut BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski bis zum Jahresende halten oder sogar noch ausbauen.

Blickt man auf die monatliche Entwicklung (siehe Grafik), dann war in den ersten sieben Monaten nur im April und im Mai ein Umsatzrückgang von 13 bzw. 3% zu verzeichnen. Nach einem guten Start im Januar (+5%) sticht vor allem der Februar mit einem Plus von 18% ins Auge und der März rundet das gute erste Quartal mit einem Wachstum von 9% ab. Im Juni und Juli verlief das Geschäft mit Sommerschuhen mit Wachstumsraten von 10% und 4% recht erfreulich.

„Damit gelang es, die Umsatzdelle aus dem Vorjahr wieder auszugleichen“, berichtet Wischnewsk. Dabei erreichten die stationären Schuhgeschäfte nach Berechnung des Verbands im ersten Halbjahr ein Umsatzvolumen von 3,5 Mrd. Euro. Rechnet man die übrigen Vertriebsformen wie Warenhäuser, (Online-)Versender und Modehandel, die gleichfalls Schuhe im Sortiment haben, mit ein, dann dürfte der Gesamtumsatz mit Schuhen laut BDSE-Präsidentin bei 5,6 Mrd. Euro gelegen haben. Entsprechend lagen die Erlöse dieses sonstiger Einzelhandels mit Schuhverkauf bei 2,1 Mrd. Euro.

Soweit die Durchschnittsbetrachtung nach der Normalisierung der Wetterbedingungen im bisherigen Jahresverlauf. Doch es gibt auch weitere Faktoren, die den Schuhverkauf ankurbeln. Laut Wischnewski schnitten Schuhhäuser, die zusätzlich zum stationären Angebot auch über das Internet verkaufen (Multichannel-Anbieter), besser ab als die Schuhfachhändler, die sich nur auf den analogen Verkauf konzentrieren. Diesen Trend des erfolgreichen Multichannel-Handels registriert auch der Handelsverband Deutschland (HDE).

Online-Umsätze sind nicht immer rentabel

Die BDSE-Präsidentin berichtet aber auch, dass viele der Multichannel-Händler aus der Schuhbranche feststellen müssten, dass die so erzielten Online-Umsätze nicht immer auch rentable Erlöse seien: „Der Wettbewerb im Netz ist intensiv, und hohe Retouren-Quoten nagen oftmals an den Roherträgen ihres digitalen Vertriebskanals.“

Die Reaktionen darauf fallen allerdings unterschiedlich aus. Während manche Schuhhändler sich aus dem eCommerce wieder zurückgezogen haben, nicht zuletzt, weil vielen oft die Kraft fehlt für „ein erfolgreiches zweigleisiges Geschäftsmodell mit eigenem Web-Shop“, bauen andere - meist größere - Schuhhändler diesen Vertriebsweg als wichtiges zweites Standbein aus: „Schuhfilialisten wie Deichmann und Görtz weisen denn auch nach wie vor zweistellige Wachstumsraten in ihrem Online-Vertriebskanal aus“, weiß Wischnewski.

Für kleinere Schuhgeschäfte bieten die vielen digitalen Marktplätze die wichtige Möglichkeit, sich im Internet zu präsentieren, da sich laut BDSE hier „die technische Anbindung und das Warenhandling in der Regel relativ komfortabel und ohne große Investitionen über Online-Plattformen organisieren lassen“. Mit Blick auf den vielfach registrierten Frequenzrückgang in vielen Innenstädten ist es für den stationären Handel wichtig, den Umsatzrückgang durch eine höhere Reichweite zu kompensieren.

Denn dass die Pure Player, also die reinen Online-Händler, die Versandhändler und die Multichannel-Anbieter immer noch überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen, zeigten auch die Verbandsschätzungen für das erste Halbjahr, wonach das Umsatzwachstum bei 5% lag. Damit gelinge es dem Online-Vertrieb immer noch, seine Marktposition im Wettbewerb inzwischen auf 22% auszubauen, auch wenn sich die Zuwachsraten abgeschwächt haben. Als Trost bleibt: Immerhin 78% der Schuhe werden noch im Geschäft vor Ort gekauft.

Dennoch berichten die Mitglieder laut BDSE über sinkende Frequenz in ihren Lagen. Der dadurch entstehende Druck auf das stationäre Geschäft sei in den meist langfristig abgeschlossenen Mietverträgen noch nicht berücksichtigt, gibt der Verband in Richtung Vermieter zu bedenken. Aus Wischnewskis Sicht liegt es auch im Interesse der Immobilieneigentümer, Nachverhandlungen über die vor Jahren abgeschlossenen Mietverträge zu führen, um die Innenstadtlagen insgesamt am Leben zu halten und schädlichen Leerstand zu vermeiden.

Das Ladennetz könnte sich künftig ausdünnen

Die Verlagerung eines Teils der Online-Umsätze ins Internet wird nach Einschätzung des Verbands sicherlich dazu führen, dass sich das bundesweite Ladennetz, das noch aus etwa 3 600 Schuhhandels-Unternehmen mit zusammen rund 10 000 Standorten bzw. Filialen besteht, weiter ausdünnt. Bis zum Jahr 2016 haben die großen Filialisten entstehende Lücken durch ihre Neueröffnungen geschlossen, doch seither registriert das Statistische Bundesamt eine rückläufige Entwicklung. Konkrete Zahlen nennt der Handelsverband Schuhe nicht.

In diesem Umfeld erzielten die deutschen Schuhhersteller nach den Worten von Carl-August Seibel, Vorsitzender des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie im ersten Halbjahr ein Umsatzwachstum von 2,8% auf 1,60 Mrd. Euro, gegenüber 1,56 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Treiber des Wachstums waren vor allem die Hersteller von Sport- und Arbeitsschuhen, während die Hersteller von klassischen Lederschuhen unter den „starken Veränderungen im Einzelhandel wie der rückläufigen Kundenfrequenz in den Innenstädten, Geschäftsaufgaben aus unterschiedlichsten Gründen von langjährigen Partnern im stationären Einzelhandel und der Zunahme von Fast Fashion“ leiden. Im zweiten Halbjahr erwarten die meisten Hersteller laut Verband eine ähnliche Entwicklung wie in den ersten sechs Monaten.