Kaufland: Versorgung im ländlichen Raum

Expansionsstrategien abseits der Ballungsräume

Erstellt von Dr. Angelus Bernreuther, Kaufland Dienstleistung GmbH & Co. KG

Neuer Kaufland-Markt in Arnsberg. Foto: Kaufland

Ist es ein Gegensatz für einen großflächigen Lebensmitteleinzelhändler als Frequenzbringer sowohl in Metropolen als auch im ländlichen Raum vertreten zu sein? Offensichtlich nicht, dieser scheinbare Gegensatz verdeutlicht vielmehr eine Flexibilität und Individualität bei der Immobilienentwicklung.

Wo liegen die Herausforderungen zwischen diesen beiden Gebieten? Funktioniert Großfläche als Frequenzbringer in Metropolen und im ländlichen Raum? Ja, denn ob Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern oder Köln: individuelle Standortkonzepte sind gefragt und Auswahl ist ein Muss – auch in punkto Filialtypen. Dadurch werden Immobilien-Lösungen realisiert, die sich den unterschiedlichsten örtlichen Anforderungen anpassen. Ob in der Vorstadt, in der Altstadt oder im Neubaugebiet, ob ein oder zwei Stockwerke, ob ebenerdige Parkmöglichkeiten vor der Filiale, auf dem Dach oder unter der Filiale. Ob reiner Markt oder Mischnutzung: Es gibt für jeden Standort eine passende Lösungen.

Letztendlich kommt es immer auf die Größe und Ausstrahlung der Stadt, die kommunalen Entwicklungsvorstellungen und letztlich die standortbezogenen Möglichkeiten an.

Kaufland beispielsweise prüft mit seinem Supermarktkonzept ab 2 500 qm Verkaufsfläche Orte ab 10 000 Einwohnern sowie einem Einzugsgebiet ab 25 000 Menschen. In diesen Standorten steckt noch viel Potenzial, vor allem in den starken Grund- und Mittelzentren. Die Mindest-Verkaufsfläche mag verhältnismäßig klein erscheinen, betreibt das Handelsunternehmen doch auch Märkte mit über 10 000 qm Verkaufsfläche. Aber genau darin liegt die Stärke – die Realisierung individueller Konzepte.

Um eine umfassende Nahversorgung sicherzustellen, liegt ein wichtiger Fokus auf der Sortimentsgestaltung. Mit einem Sortiment von rund 30 000 Artikeln ist das Unternehmen an vielen Standorten der Anbieter mit dem größten Angebot. Gerade abseits der Ballungsräume ist Kaufland der Vollversorger, für den die Kunden aus einem weiteren Einzugsgebiet kommen. Das Unternehmen bietet ein großes Sortiment an Lebensmitteln und alles für den täglichen Bedarf. Dabei liegt der Fokus auf den Frischeabteilungen. Nonfood-Sortimente werden standortspezifisch ergänzt. Großen Wert wird dabei auf Produkte regionaler Lieferanten gelegt.

Das Einkaufserlebnis spielt im Lebensmittelhandel eine zunehmende Rolle, auch im ländlichen Raum. Ein zeitgemäßes Ladenkonzept vereinfacht den Einkauf durch Übersichtlichkeit, niedrigere Regale sowie eine klare Orientierung. Frische und Qualität stehen dabei im Fokus. Das Thema Wohlfühlen und Offenheit spielt eine größere Rolle als früher für das Einkaufserlebnis beim regelmäßigen Versorgungseinkauf.

Zu einem gelungenen Einkaufserlebnis gehört heute auch eine attraktive Gastronomie sowie Dienstleistungen. Ein umfassendes Angebot heißt, dass der Kunde möglichst einen Anlaufpunkt für seine Einkäufe hat. Und gerne wieder kommt. Gerade im ländlichen Raum wird der Supermarkt hier zum sozialen Treffpunkt. Nahversorgung hat hier zunehmend auch eine kommunikative Funktion. Wesentlicher Bestandteil der Märkte ist daher auch das gastronomische Angebot, z.B. in der Vorkassenzone mit regionalen Partnern, vor allem im Bereich Bäckereien mit ihren Imbiss-Angeboten.

Dies wird sich in Zeiten des Online-Handels im Lebensmittehandel sogar noch verstärken. Lebensmittel haben derzeit einen verschwindend geringen Online-Anteil, und auch in Zukunft wird sich dies nicht wie in anderen Branchen z.B. bei Fashion grundlegend verändern. Welche Bedeutung hat also der Online-Handel im ländlichen Raum? Das Thema Lebensmittel und Nahversorgung wird sich hier auch zukünftig fast vollständig in stationären Geschäften abspielen. Und der Lebensmittelmarkt wird dadurch umso mehr zum Dreh- und Angelpunkt für Frequenz. Das sind gute Aussichten in dieser Hinsicht, gerade für den ländlichen Raum!