Ceconomy AG

Die zentralen Funktionen werden verschlankt

Foto: Media Saturn Holding

rv DÜSSELDORF. Knapp zwei Monate nach dem Amtsantritt präsentieren der neue Vorstandsvorsitzende der Ceconomy AG, Jörn Werner (58) und Finanzvorstand Karin Sonnenmoser (49) ihre Pläne, wie sie sich die Transformation von Europas führender Elektrofachmarktkette Ceconomy AG mit den Marken Media Markt und Saturn vorstellen und wie sie die Strukturen kostensparend straffen wollen.

Bevor der neue - verschlankte - Vorstand der Ceconomy AG mit Hauptsitz in Düsseldorf bei der künftigen Strategie für das Filialnetz, den Online-Verkauf und das Omnichannel-Konzept konkrete Details präsentieren kann, müssen nach den Worten von Vorstandschef Jörn Werner (Foto links) die Basisprozesse im Unternehmen funktionieren und das Kostenniveau stimmen. Erst Ende dieses Jahres können nach seinen Worten Informationen zur neuen strategischen Ausrichtung präsentiert werden. Zuvor sei es wichtig, die Komplexität des aus der Holdinggesellschaft Ceconomy AG und der Media Saturn Holding GmbH (MSH) mit Sitz in Ingolstadt bestehenden Unternehmens zu reduzieren, die Prozesse effizienter zu gestalten und die Strukturen zu zentralisieren.

Hintergrund dieser Straffung ist die besondere Struktur von Media Markt Saturn. Hier ist jeder Standort rechtlich selbstständig und die Filialleiter waren auch Teilhaber ihres Marktes. Ziel dieser sehr dezentralen Struktur war es, das unternehmerische Potenzial der Filialleiter im Interesse der Profitabilität zu mobilisieren. Da die Märkte damit aber unabhängig voneinander mit eigenständiger Sortimentsstruktur und Konzepten geführt wurden, erwies sich beispielsweise die Implementierung einer zentralen Online-Strategie als schwierig, weil die voraussetzt, dass der Markt die Produkte anbietet, die der Kunde im Internet bestellt hat und vor Ort abholen möchte. Insofern sind diese komplexen Strukturen und Prozesse mit nicht selten unklaren Zuständigkeiten für den Aufbau etwa einer Omnichannel-Strategie nicht förderlich. Von der heute notwendigen digitalen Transformation der Unternehmen ganz zu schweigen.

Deshalb hat der Ceconomy-Vorstand zusammen mit dem CEO der Media Markt Saturn Retail Group, Ferran Reverter Planet, in den vergangenen Monaten ein Effizienzprogramm aufgesetzt, um die Prozesse und Strukturen in der Organisation zu straffen, die Kosten zu senken und die Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Konkret sollen nach den Worten von CFO Karin Sonnenmoser (Foto) die jährlichen Sach- und Personalkosten um 110 bis 130 Mio. Euro reduziert werden. Der Personalstab in der Ceconomy-Hauptverwaltung wurde bereits von über 90 auf etwa 60 reduziert.

Für die Umsetzung des Programms veranschlagt der Vorstand im Geschäftsjahr 2018/19 etwa 150 Mio. bis 170 Mio. Euro. Dazu kommen laut Sonnenmoser buchhalterische Effekte von etwa 20 Mio. Euro. Die rund 34 Mio. Euro, die für die gravierenden Veränderungen im Ceconomy-Vorstand und auf der zweiten Führungsebene angefallen sind, betroffen waren 16 Personen, sind darin nicht enthalten.

Exakte Zahlen über den Personalabbau konnte Reverter noch nicht beziffern, da gerade erst mit den Gesprächen begonnen wurde. Nur so viel: Dass es sich um eine mittlere dreistellige Zahl handeln soll. Er geht davon aus, dass sich die Gespräche mit den Gewerkschaften noch über Monate hinziehen werden. Deshalb habe man für die Umsetzung des Programms 18 Monate veranschlagt.

Ein wesentlicher Teil des Effizienzsteigerungsprogramms ist laut Reverter die Reorganisation der Zentral- und Verwaltungseinheiten der Holdinggesellschaften von Ceconomy, von Media Markt Saturn sowie der deutschen Landesorganisation. In diesem Kontext werden bei Media Markt Saturn im Zuge der Zentralisierung Aufgaben von Märkten und Landesorganisationen in die Ingolstädter Holding, wo etwa 3 000 Personen arbeiten, verlagert und zusammengeführt. Die in der Tochtergesellschaft Redblue gebündelten Marketingaktivitäten werden strategisch neu ausgerichtet.

Reverter ist überzeugt, dass das Unternehmen mit dieser Reorganisation viel schneller, agiler und fokussierter arbeiten und seine Aktivitäten konsequent auf die zukunftsträchtigen Felder „Digitales Wachstum“, „Services & Solutions“ - für die vernetzten Produkte benötigen die Kunden technische Hilfe - sowie „Category & Supply Chain Management“ ausrichten kann. Denn laut Werner bewegt sich Ceconomy mit seinen jungen Kunden grundsätzlich in einem strategisch attraktiven Markt. Das Potenzial habe Media Saturn aber noch nicht voll ausgeschöpft.

Die positiven Auswirkungen des Einsparprogramms sollen sich laut Sonnenmoser erstmals im Geschäftsjahr 2020/21 zeigen: „Aufgrund der erheblichen Einsparungen gehen wir davon aus, dass sich die Aufwendungen für das Programm in weniger als eineinhalb Jahren vollständig amortisiert haben.“

Für das Geschäftsjahr 2018/19 erwartet der Vorstand beim Umsatz, der sich 2017/18 auf 21,418 Mrd. Euro summierte, ein leichtes Wachstum und beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das zuletzt bei 399 Mio. Euro gelegen hatte, einen Rückgang. Konkrete Schließungen von Filialen im Rahmen des Programms sind nach Reverters Worten - abgesehen von den üblichen Öffnungen und Schließungen im täglichen Geschäft - nicht geplant.

Im Zuge des Programms wird auch der Ceconomy-Vorstand verschlankt. Da Dieter Haag Molkenteller, bislang verantwortlich für Recht, Compliance und Risikomanagement, zum 31. Mai aus dem Gremium ausscheidet und dem Unternehmen dann als Berater zur Verfügung steht, setzt sich der Vorstand ab 1. Juni aus Jörn Werner (CEO) und Karin Sonnenmoser (CFO) zusammen. Verantwortlich für die Media Saturn Holding (MSH) ist Ferran Reverter Planet. Die früher praktizierte Führung von Ceconomy und MSH in Personalunion hat sich laut Werner dagegen nicht bewährt.