Kaufkraft Europa

Der Weg zu einheitlichem Wohlstand ist noch weit

Rot=hohe Kaufkraft, blau=niedrige Kaufkraft

rv DÜSSELDORF. Die Kaufkraft der Europäer ist im Jahr 2019 wieder deutlich gewachsen. Laut GfK haben die Bürger für ihren Konsum und fürs Sparen in diesem Jahr insgesamt knapp 10 Billionen Euro zur Verfügung, nach 9,4 Billionen im Jahr zuvor. Damit ist die Pro-Kopf-Kaufkraft gegenüber dem Jahr 2018 um rund 3,5% von 14 492 auf 14 739 Euro gestiegen, wie es in der Studie „GfK Kaufkraft Europa“ heißt. Die Zahlen basieren auf der Analyse von 42 Ländern in Europa, darunter die 28 Länder der Europäischen Union.

Über die Lage der einzelnen europäischen Länder sagt der Durchschnittswert freilich wenig aus, wenn man bedenkt, dass die Kaufkraft, die das verfügbare Einkommen der Bürger ohne Steuern und Sozialabgaben inklusive der Transferleistungen umfasst, im reichsten Land Liechtenstein pro Kopf und Jahr bei 67 550 Euro liegt und beim Schlusslicht des Gesamt-Rankings von GfK, der Ukraine, bei 1 830 Euro  - gleichfalls pro Kopf und Jahr. Das sind nur 12,4% der europäischen Durchschnittskaufkraft.

Im EU-Land Rumänien, das sich auf Platz 32 der  Rangliste befindet, sind es im Landesdurchschnitt 5 881 Euro und in Bulgarien auf Rang 33 sind es  4 605 Euro. Das ist der letzte Platz unter den 28 EU-Ländern. Die beiden Balkan-Staaten Nord-Mazedonien und Albanien, die in die EU aufgenommen werden möchten, liegen mit 3 370 Euro und 3 314 Euro auf den Plätzen 37 und 38. Aber auch die wohlhabenderen Länder in Mitteleuropa wie Tschechien mit 9 959 Euro, Polen mit 7 589 Euro und Ungarn mit 7 416 Euro, was in etwa der Hälfte des europäischen Durchschnitts entspricht, sind vom europäischen Durchschnitt noch sehr weit entfernt. In der europäischen Rangliste sind das Platz 24, Platz 29 und Platz 30.

Innerhalb der Länder gibt es freilich erhebliche regionale Unterschiede: In Warschau liegt die Durchschnittskaufkraft mit 13 150 Euro pro Kopf gar nicht mal so weit vom europäischen Durchschnittswert entfernt. In Prag sind es mit 12 935 Euro etwas weniger, allerdings zeichnet sich die Tschechische Republik dadurch aus, dass die regionalen Unterschiede nicht so groß sind wie in vielen anderen Ländern. In der Provinz Benesov, die in der GfK-Liste der Top 10 der tschechischen Provinzen das Schlusslicht bildet, liegt die Pro-Kopf-Kaufkraft auch schon bei 10 154 Euro.

In der ungarischen Hauptstadt Budapest liegt die Kaufkraft bei durchschnittlich 9 230 Euro und im rumänischen Bukarest immerhin bei 10 452 Euro, was zeigt, dass sich die Hauptstadt noch sehr deutlich von den übrigen Regionen absetzt.

Eine Orientierung über die Lage in Europa - vor allem zwischen Ost und West - gibt die Tatsache, dass Spanien mit einer Durchschnittskaufkraft von 14 636 Euro dem europäischen Durschnitt am nächsten kommt. Das Land auf der iberischen Halbinsel befindet sich im europäischen Ranking auf Platz 17, den es auch im Vorjahr inne hatte. Der Abstand zu Platz 16 ist jedoch beachtlich. Mit durchschnittlich 17 799 Euro haben die Italiener pro Jahr gut 3 000 Euro mehr für Essen, Wohnen, Dienstleistungen, Energiekosten, private Altersvorsorge, Versicherungen, Urlaub, Mobilität oder auch Konsumwünsche zur Verfügung.

Dabei ist gerade in Italien der Unterschied zwischen dem wirtschaftsstarken Norden um Mailand mit 25 077 Euro pro Kopf und dem süditalienischen Crotone mit nur 9 983 Euro pro Kopf besonders groß. Beachtlich ist wiederum der Abstand zu Platz 15, den die Franzosen mit einer Durchschnittskaufkraft von 20 306 Euro inne haben. Nur gering ist der Abstand zu den Niederländern (20 416 Euro) auf Platz 14, die mit den Franzosen in diesem Jahr den Platz getauscht haben.

Deutschland befindet sich mit einem Durchschnittswert von 23 779 Euro unverändert auf dem achten Platz, vor den Finnen (22 626 Euro) und den Schweden mit 21 836 Euro) auf Platz 10. Besser gestellt sind die Österreicher mit 24 067 Euro auf Platz sieben, den sie bereits im Vorjahr belegten, und die Dänen mit 26 273 Euro auf Rang sechs. Die Gruppe der Spitzenreiter mit Norwegen (29 842 Euro) auf Platz fünf hinter den Isländern mit 32 988 Euro, den Luxemburgern mit 35 096 Euro, den Schweizern mit 42 067 Euro und den bereits oben erwähnten Liechtensteinern mit 67 550 Euro spielen europaweit in einer eigenen Liga.

Die Liechtensteiner haben immerhin das 4,5-fache des europäischen Durchschnitts zur Verfügung, bei den Schweizern ist es fast das Dreifache und bei den übrigen drei Ländern gut das Doppelte. Die Verteilung in Europa zeigt, dass der Weg zu dem für die Europäische Union und ihre Mitgliedsländer definierten Ziel, einheitliche Lebensverhältnisse zu schaffen, noch sehr weit ist und es zweifellos noch Jahre dauert, bis die Unterschiede langsam verschwinden.