Bucheinzelhandel: Fusion Thalia und Mayersche

Bundeskartellamt genehmigt Zusammenschluss

Foto: Mayersche Buchhandlung

rv DÜSSELDORF. Das Bundeskartellamt in Bonn hat den geplanten Zusammenschluss der größten deutschen Buchhandelskette Thalia mit der Mayerschen Buchhandlung genehmigt. Gemeinsam betreiben die Unternehmen in Deutschland 288 Buchhandlungen. Im deutschsprachigen europäischen Raum sind es rund 350, das heißt etwa 300 von Thalia und 55 Mayersche-Standorte.mit den Schwerpunkten Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Obwohl durch den Zusammenschluss Europas größter familiengeführter Sortimentsbuchhändler entsteht, wie Thalia bei Bekanntgabe der Fusionspläne mit der Mayerschen mitgeteilt hatte, erhebt das Bundeskartellamt keine Einwände gegen das neue Schwergewicht. Nach den Worten von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, hat sich die Wettbewerbsbehörde das Vorhaben zwar genau angeschaut und festgestellt, dass es „vor allem in einzelnen regionalen Märkten in Nordrhein-Westfalen zu relativ hohen gemeinsamen Marktanteilen der Beteiligten beim stationären Verkauf von gedruckten Büchern“ kommt, doch bestünden weder aus Sicht des Endkunden noch der Verlage „durchschlagende wettbewerbliche Bedenken“.

Der Grund ist aus Sicht des Kartellamtspräsidenten zum einen die wachsende Konkurrenz durch den Online-Handel für die stationären Buchhandlungen. Zum andern stehen den Verbrauchern laut Mundt mit der Vielzahl von kleineren und mittleren Buchhändlern aus dem traditionellen Sortimentsbuchhandel gute Alternativen zur Verfügung. Außerdem seien die Unternehmen durch den Buchhandel in sonstigen Verkaufsstellen, wie Supermärkten, Tankstellen und Drogerie-Märkten sowie dem Direktvertrieb der Verlage ausgesetzt, heißt es weiter, die nicht Teil des betrachteten kartellrechtlichen Marktes seien.

Hinzu kommt die Besonderheit der gesetzlichen Buchpreisbindung im deutschen Büchermarkt. Diese bewirkt, dass der Wettbewerb im Bucheinzelhandel nicht über die Preise geht, wodurch in der Regel große Anbieter wegen des Mengenvorteils bevorzugt wären, „sondern bei der Angebotsqualität wie z.B. der Sortimentsauswahl, der Beratung sowie der Gestaltung der Geschäfte stattfindet, was auch Chancen für kleinere Händler bietet“, so Mundt. Deshalb müssen auch die Verlage und Buchgroßhändler keinen Zuwachs von Nachfragemacht fürchten. Die Behörde attestiert beiden Unternehmen, dass die gemeinsamen Beschaffungsanteile „auf einem unbedenklichen Niveau“ bleiben - auch wenn sie eine durchaus herausgehobene Marktstellung erlangen. Den Verlagen stünden aber noch genügend Absatzalternativen zur Verfügung.

Insgesamt untersuchte das Bundeskartellamt 85 regionale Buchhandelsmärkte genauer und weitere Märkte, die von der Fusion tangiert werden – wie beispielsweise den Handel mit E-Books und mit E-Book-Readern (Lesegeräte). „Die Ermittlungen haben gezeigt, dass die gemeinsamen Marktanteile der Beteiligten in einigen regionalen Märkten zwar hoch sind, dennoch aber durch den Zusammenschluss keine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs zu erwarten ist“, schreibt die Behörde.

Sorge vor Forderung nach besseren Konditionen

Da aber einige Verlage die Sorge haben, das fusionierte Unternehmen könnte mit Hilfe seiner Einkaufsmacht Konditionen-Verbesserungen einfordern, will das Bundeskartellamt „dies im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zum sogenannten Anzapfverbot beobachten“, wie die Behörde mitteilt.

Für Michael Busch, CEO und geschäftsführender Gesellschafter von Thalia, ist die Fusion aus unternehmerischer Sicht die konsequente Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen im Buchhandel, die zukunftsweisende Konzepte und Allianzen erforderten. „Denn wir sind erfolgreicher, wenn wir gemeinsam handeln“, so sein Credo: „Thalia und die Mayersche verschmelzen zu einem innovativen Buchhändler, der nicht nur für eine hohe Marktpräsenz steht, sondern auch für das im internationalen Vergleich erfolgreichste Omnichannel-Buchhandelsunternehmen“.

Im Zuge der Fusion wird Hartmut Falter, bisher Inhaber und Geschäftsführer der Mayerschen Buchhandlung aus Aachen zweiter geschäftsführender Gesellschafter bei Thalia. Und die Familie Falter verstärkt den Thalia-Gesellschafterkreis, der aus den Familien Herder, Kreke, Busch und Göritz besteht. Manuel Herder, Mehrheitsgesellschafter bei Thalia, sieht in der Fusion „ein Zeichen des Aufbruchs gegen die Marktmacht globaler Online-Händler und für die innerstädtische Lesekultur“.