Verkauf von Real

Auf das operative Geschäft wird es ankommen

Erstellt von Ruth Vierbuchen

Foto: Real GmbH

Nachdem die Metro AG Anfang Mai die exklusiven Vertragsverhandlungen mit einem Konsortium um den Hamburger Handelsimmobilien-Spezialisten Redos über den Verkauf von Real bekanntgegeben hat, sind viele Fragen über die künftige Struktur des Unternehmens noch offen. Wie Metro-Chef Olaf Koch bei der Telefonkonferenz mitteilte, werden Details über die Neuausrichtung in den weiteren Verhandlungen ausgearbeitet. Dass vieles noch so vage ist, dürfte daran liegen, dass Metro als börsennotiertes Unternehmen in einem frühen Stadium an die Öffentlichkeit gehen musste.

Viele der offenen Fragen ergeben sich aus der Tatsache, dass das Konsortium um den Hamburger Handelsimmobilien-Spezialisten Redos Real Estate GmbH, die Real GmbH mit ihren 279 Filialen gemäß Rahmenkonzept als Ganzes übernehmen, keine strategischen Investoren mit Expertise im Lebensmittelhandel sind, sondern institutionelle Investoren mit zweifellos viel Know-how im Immobilien-Geschäft.

Der potenzielle neue Eigentümer wird also auch das operative Handelsgeschäft weiterführen, was mit Blick auf den deutschen Lebensmitteleinzelhandel mit den großen Spielern Edeka, Rewe, Aldi und Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl), auf die etwa 85% der Marktanteile entfallen, eine echte Herausforderung ist. Zumal der deutsche Lebensmittelmarkt als einer der wettbewerbsintensivsten der Welt gilt.

Das dürfte erklären, wie der Handelsimmobilien Report bereits in seiner Ausgabe am 10. Mai berichtete, warum die Rahmenvereinbarungen vorsehen, dass die Metro - begrenzt auf drei Jahre - mit 24,9% am operativen Geschäft von Real beteiligt bleibt, womöglich als Rückdeckung für das Lebensmittelgeschäft.. Denn mit einem Umsatz von zuletzt 7,1 Mrd. Euro (2017/18) und 34 000 Beschäftigten ist Real auf dem hiesigen Lebensmittelmarkt ein Leichtgewicht, der beim Einkauf bislang zweifellos vom Verbund mit der Metro profitiert hat.

Wie bereits berichtet, haben frühere Metro-Chefs das Festhalten an dem SB-Warenhausbetreiber auch damit begründet, dass Real mit Blick auf das dadurch erreichte größere Einkaufsvolumen wichtig sei - und das galt sicher auch umgekehrt für Real. Um im preisaggressiven Wettbewerb auf dem hiesigen Markt mit mächtigen Wettbewerbern wie Edeka, Rewe, Kaufland, Aldi und Lidl bestehen zu können, braucht Real wettbewerbsfähige Einkaufspreise.

Metro will Beteiligung nach drei Jahren verkaufen

Da Vorstands-Chef Koch bei der Telefonkonferenz deutlich machte, dass Metro seine Beteiligung nach der vereinbarten Frist von drei Jahren verkaufen wird und das Unternehmen bewusst auf eine Minderheitsbeteiligung gesetzt habe, um sich so wenig wie möglich einzubinden, stellt sich die Frage, wie Real sein operatives Geschäft aufstellen wird? Eine Rolle könnte dabei das 2016 gegründete Joint-Venture RTG Retail Trade Group spielen. Konkret schloss Real diese Allianz mit kleineren deutschen Lebensmittelhändlern zu denen das norddeutsche Familienunternehmen Bartels-Langness, Bünting (Famila) gehört, das süddeutsche Familienunternehmen Georg Jos. Kaes (V-Märkte), der familiengeführte Verbrauchermarktbetreiber K+K Klaas & Kock aus Gronau sowie der Discounter Netto ApS, das ist Netto Nord mit Sitz in Stavenhagen, nicht zu verwechseln mit Netto von Edeka.

Dabei übernimmt RTG Leistungen im Einkauf, eCommerce, in der Logistik und der Verwaltung. Auf den Absatzmärkten agieren die Partner unabhängig voneinander. Nach Feststellung des Bundeskartellamts, das den Zusammenschluss vor zwei Jahren geprüft und genehmigt hatte, bringen es die Mitglieder in allen Warengruppen zusammen auf einen Marktanteil von weniger als 15%, was wettbewerbsrechtlich nach europäischem Kartellrecht als unbedenklich gilt. Ob die Allianz beim Einkauf aber die kritische Masse hat, um wettbewerbsfähige Preise zu bieten, wird sich zeigen müssen. Andererseits gibt es aber auch Familienunternehmen im Lebensmittelhandel, die mit guten Konzepten erfolgreich am Markt operieren.

Darüber, wie das operative Handelsgeschäft ausgestaltet werden soll, war bislang wenig zu erfahren. Auch das ist offenbar Teil der Konzepterarbeitung. Bislang beschränkt sich Metro auf die Aussage, dass „das Konzept des Käufers sowohl auf umfangreichen Investitionen als auch auf einer Anpassung des Filialnetzes basiert" und dass Details der Neuausrichtung in der Exklusivitätsphase zusammen mit der Real-Geschäftsführung ausgearbeitet werden. Die Phase soll nach den bisherigen Plänen im Sommer mit einem Vertragsabschluss enden. Klar wurde bei der Telefonkonferenz, dass auch mit Filialschließungen und/oder Standortabgaben zu rechnen ist.

Im Fall von Standortabgaben legt Redos laut Geschäftsführer Oliver Herrmann großen Wert darauf, dass der neue Betreiber die Mitarbeiter übernimmt. Darüber hinaus betonte er, dass Redos als unabhängiges Unternehmen über eine umfassende Restrukturierungs- und Immobilienkompetenz im großflächigen Einzelhandel verfügt und Real schon seit vielen Jahren kennt, nicht zuletzt als Vermieter an einigen Standorten: „Unsere Kompetenz wollen wir gemeinsam mit der Real-Geschäftsführung nutzen, um das Filialnetz erfolgreich neu auszurichten“, versichert Herrmann.

Mit Standortschließungen ist zu rechnen

Das dürfte sich vor allem auf die etwa 65 SB-Warenhäuser beziehen, die das Redos-Konsortium zusammen mit dem operativen Real-Geschäft übernehmen wird. Die Blaupause für die Neuausrichtung hat Real mit dem neuen Markthallen-Konzept, das nach Krefeld auch in Braunschweig (Foto) implementiert wurde, in der Schublade liegen. Und wie Metro-Chef Koch immer wieder betont, verzeichnen die bislang nach diesem Konzept umgerüsteten Märkte hohe Wachstumsraten.

Inwieweit sich diese Pläne auch auf die gut 200 Märkte bezieht, in denen der SB-Warenhaus-Betreiber Mieter ist, wird sich zeigen müssen. Zumal dies auch von den Vermietern und der Laufzeit der Mietverträge abhängen wird. Dass Vermieter bei auslaufenden Mietverträgen womöglich an andere Handelsunternehmen vermieten, kann kaum ausgeschlossen werden, sofern keine Option auf eine Vertragsverlängerung besteht. Dass Wettbewerber wie Kaufland, Edeka oder Rewe Interesse an einzelnen Standorten haben, dürfte auf der Hand liegen.

In punkto Revitalisierung verfügen viele Standorte im Filialnetz zweifellos über Wertsteigerungspotenzial, denn das Gros der Märkte gehören zu den SB-Warenhäusern der ersten Generation, also aus einer Zeit, als diese Selbstbedienungs-Warenhäuser auf der grünen Wiese - gemäß ihrem Namen - neben einem großen Lebensmittelangebot auch über ein noch umfangreicheres Nonfood-Angebot aus Heimwerker-Bedarf, Elektroartikel, Bekleidung und vielem mehr verfügten. Sie sind meist größer als die etwa 5 000 qm, die heute gebraucht werden. Die großen Flächen eröffnen aber die Möglichkeit, die Standorte zu Fachmarktzentren umzubauen, mit einem verkleinerten Real-Markt als Ankermieter und weiteren Mietern. So ist das Kurpfalz Center entstanden.

Insgesamt ist Real zusammengesetzt aus zahlreichen ehemals selbstständigen SB-Warenhaus-Betreibern, die die Metro Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er-Jahre zusammen gekauft hatte. Ziel war es, durch die Bündelung von Einkaufsvolumina Nachfragemacht und damit bessere Einkaufskonditionen zu erlangen. Doch die Zusammenführung von weit über zehn Unternehmen mit unterschiedlichen Konzepten und Kulturen erwies sich im Nachhinein als schwierige Aufgabe, die Metro bzw. deren Eigentümer offenbar nicht mehr weiter führen wollen.