Real-Verkauf: Viele Fragen bleiben noch offen

Als erster geht die Edeka in die Offensive

Erstellt von Ruth Vierbuchen

Foto: Real

Nachdem die Metro AG im vergangenen Mai exklusive Verkaufsverhandlungen mit einem von der Hamburger Redos Real Estate GmbH geführten Konsortium über die Abgabe der SB-Warenhausgesellschaft Real bekannt gegeben hat, zeichnen sich erste Details ab, wie der Deal am Ende aussehen könnte.

Lange war gerätselt worden, wie der Verkauf des SB-Warenhaus-Betreibers Real GmbH an die Hamburger Redos Real Estate denn nun konkret aussehen soll. Denn Redos ist zwar ein ausgemachter Spezialist für Handelsimmobilien, aber nicht für den Lebensmitteleinzelhandel. Und auch die Frage, wie Real mit einem Umsatz von 7,1 Mrd. Euro (2017/18) unter Ägide von Redos beim Einkauf die kritische Masse erreichen kann, um bei den Verkaufspreisen mit Größen wie Rewe, Edeka, der Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) oder Aldi mithalten zu können, blieb unbeantwortet, als der Metro-Chef Olaf Koch die Verkaufsverhandlungen bekannt gab.

Inzwischen ist klar, dass das im vergangenen Dezember zur Bilanz-Presse-Konferenz nochmals bekräftigte Ziel, Real nur als Ganzes verkaufen zu wollen und Teilangebote gar nicht erst zu berücksichtigen, so nicht eingehalten werden kann. Auch beim Zeitplan für den Verkaufsprozess, der auf vier bis sechs Monate veranschlagt worden war und später auf Mitte September festgelegt wurde, hinkt die Metro hinter her.

Nachdem das Bundeskartellamt am 28. Oktober mitgeteilt hat, dass die Edeka Zentrale & Co KG den Erwerb von 87 Real-Standorten angemeldet hat und die Wettbewerbsbehörde die Übernahme jetzt prüft, ist klar, dass das Real-SB-Warenhaus-Netz aus 277 Filialen aufgeteilt wird. Bereits im Sommer hatte Metro auf Anfrage mitgeteilt, dass in Ruhe darüber entschieden werde, welche Real-Standorte abgegeben werden sollten und dass die Gespräche mit interessierten Einzelhändlern sehr gut liefen. Zudem sollen offenbar auch einige Standorte geschlossen werden.

Neben Edeka wird dem Vernehmen nach mit Händlern wie dem SB-Warenhaus-Betreiber Globus, mit Rewe und Kaufland über die Abgabe von Filial-Paketen gesprochen. Am weitesten waren die Gespräche mit Edeka gediehen, weshalb der Verbund seine Übernahmepläne bereits beim Bundeskartellamt angemeldet hat. Wie die Metro mit Blick auf den Verkaufsprozess grundsätzlich mitteilte, ist ein Verkauf von Real an Redos am 10. Oktober 2019 vom Bundeskartellamt genehmigt worden.

Doch darüber hinaus laufen die Gespräche laut Metro weiter, da „ein größerer Teil der Real-Standorte an weitere Einzelhandelsunternehmen abgegeben werden“ soll. Da abgesehen von Globus alle Lebensmitteleinzelhändler auf dem hiesigen Markt bereits eine erhebliche Machtposition haben, müssen auch diese Übernahmen vom Kartellamt geprüft werden. Insofern dürfte sich der Verkaufsprozess noch Zeit hinziehen. Die Mitarbeiter wurden laut Metro nach Bekanntwerden der Übernahme-Pläne von Edeka am 29. Oktober per Brief des Vorstandsvorsitzenden Koch informiert.

Bleibt die Frage, was Redos mit ihrem Partner Morgan Stanley im Hintergrund aus dem Portfolio übernimmt? Als Experten für Handelsimmobilien sind die Hamburger zweifellos an Immobilien interessiert und zwar an den 65 Real-SB-Warenhäusern, die im Eigentum der Metro sind. Des Weiteren beteiligt sich Redos mit 75,1% am operativen Geschäft der Real GmbH. 24,9% der Anteile bleiben nach den Vereinbarungen für die nächsten drei Jahre im Eigentum von Metro, offenbar als Rückendeckung, um den reibungslosen Ablauf des operativen Geschäfts von Real sicher zu stellen.

Denn, wie zu hören ist, soll das operative Geschäft von Real weiter geführt werden, wahrscheinlich schon um den Betrieb der 65 Filialen, die Redos übernehmen dürfte, aufrecht zu erhalten. Eine Anpassung der Betriebsgesellschaft an die neuen Größenverhältnisse dürfte aber unvermeidlich sein. Wie die Real GmbH mit ihren heute 34 000 Mitarbeitern in Zukunft aussehen wird, ist demnach derzeit immer noch offen, da ihr nach der Abgabe des größten Teils des Filial-Netzes an andere Lebensmittelhändler die kritische Masse für wettbewerbsfähige Verkaufspreise fehlen wird. Über die weiteren Pläne für die Betriebsgesellschaft kann deshalb derzeit nur spekuliert werden.