Der deutsche Bekleidungshandel hat das Jahr 2025 insgesamt nur mit einem schwachen Umsatzwachstum abgeschlossen. Eine noch schlechtere Bilanz musste der Schuheinzelhandel für das abgelaufene Geschäftsjahr ziehen. Beim Blick auf 2026 hoffen Deutschlands Bekleidungs- und Schuheinzelhändler zumindest auf eine Stabilisierung. Dabei sehen die Branchen aber auch die Politik in der Pflicht.
„Es war wieder kein gutes Jahr für unsere Branche“, konstatiert Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Textil, Schuhe, Lederwaren (BTE), mit Blick auf das nur moderate Umsatzwachstum im deutschen Bekleidungseinzelhandel von nominal knapp 1% auf 57,14 Mrd. Euro – nach 56,54 Mrd. Euro im Jahr 2024. Er spricht denn auch nur von einer homöopathischen Erhöhung. Und wie BTE‑Geschäftsführer Sönke Padberg bei Vorlage der vorläufigen Zahlen des BTE für 2025 mit Blick auf den Schuheinzelhandel ergänzt, weist die Branche seit 2023 eine Negativtendenz auf. Nachdem der Gesamtumsatz zwischen 2023 und 2024 schon von 11,71 Mrd. auf 11,66 Mrd. Euro nachgegeben hatte, gingen die Erlöse 2025 um weitere 1,5% auf 11,48 Mrd. Euro zurück.
Konkret verzeichnete gemäß der jüngsten Umfrage des BTE mehr als jeder dritte befragte Schuhhändler (37%) beim operativen Ergebnis einen Rückgang von über 5% und 30% verbuchten einen Rückgang in der Bandbreite von -1 bis -5%. Nur jeder Vierte (25%) erreichte mehr oder weniger den Vorjahreswert mit -1% bis +1%. Zu den Glücklichen mit bis zu 5% Wachstum bzw. mehr als 5% Wachstum beim operativen Ergebnis gehörten jeweils nur 4%.
Im Bekleidungseinzelhandel war der Anteil, der einen Ergebniseinbruch von mehr als 5% verzeichnete, mit 18% deutlich niedriger, allerdings verzeichnete auch hier fast jeder Dritte (32%) einen Rückgang von -1 bis -5%. Damit rutschte auch im Bekleidungseinzelhandel jeder Zweite im vergangenen Jahr in die roten Zahlen. Im Schuheinzelhandel war es mit 67% aber die deutliche Mehrheit. In etwa auf Vorjahresniveau lagen im Bekleidungshandel 17%. Und jeder Vierte (25%) konnte sein operatives Ergebnis um 1 bis 5% steigern, 8% sogar um mehr als 5%
Entsprechend blicken Deutschlands Schuheinzelhändler auch leicht pessimistischer auf 2026 als der Bekleidungseinzelhandel: Jeder Dritte (33%) rechnet auch in diesem Jahr mit einer mehr oder weniger starken Erosion seiner Umsätze, mehr als die Hälfte (51%) hofft darauf, mehr oder weniger den Vorjahreswert zu erreichen und mit einem kleinen Umsatzwachstum von 1 – 5% rechnen 16%. Im Unterschied dazu erwarten immerhin 26% der Bekleidungseinzelhändler ein leichtes Erlöswachstum und eine kleine Gruppe (3%) erhofft sich ein Wachstum von über 5%. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein großer Teil der Bekleidungshändler nicht euphorisch auf 2026 blickt und froh ist, wenn er den Vorjahresumsatz halten kann.
Ähnlich wie im gesamten deutschen Einzelhandel konnte im vergangenen Jahr der reine Online-Handel mit Schuhen etwas besser abschneiden als der stationäre Einzelhandel und seine Erlöse von 2,75 Mrd. auf 2,87 Mrd. Euro steigern. Die Erlöse im stationären Schuhhandel sanken dagegen von 6,70 Mrd. auf 6,45 Mrd. Euro – nachdem sie bereits zwischen 2023 und 2024 leicht zurück gegangen waren. Im Bekleidungshandel gelang es den stationären Einzelhändlern immerhin noch ein kleines Plus von nominal 0,3% auf 30,66 Mrd. Euro zu erzielen, die reinen Online-Shops legten hier aber von 15,67 Mrd. Euro auf 16,29 Mrd. Euro zu.
Der reine Online-Handel schnitt etwas besser ab
Nach den gravierenden Umsatzeinbrüchen in den Corona-Jahren, zahlreichen Insolvenzen und Filialschließungen ist es den verbliebenen Schuh- und Bekleidungshändlern auch im Vorjahr damit nicht gelungen, auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren. „Das Jahr 2025 hat unseren Branchen einen weiteren herben Rückschlag beschert“, stellt denn auch Mark Rauschen, Präsident des BTE und geschäftsführender Gesellschafter des Osnabrücker Modehauses L&T Lengermann & Trieschmann während der Pressekonferenz fest: „Wenn durchschnittlich deutlich mehr als die Hälfte aller Bekleidungs- und Schuhhändler operative Verluste machen, dann ist das ein wahres Horrorszenario“. Mit Blick auf diese dramatische Entwicklung in den für die Innenstädte so wichtigen Branchen ist es aus seiner Sicht notwendig, dass die noch bestehenden stationären Handels- und Versorgungsstrukturen nicht vollends wegbrechen. Insbesondere in deutschen Klein- und Mittelstädten ist die Lage nicht selten kritisch.
Die größten Sorgen bereitet den Branchen die Kaufzurückhaltung der Bundebürger, die neben den zahlreichen Krisen auch auf den Anstieg der Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. Bei stark gestiegenen Lebensmittelpreisen sowie Heiz- und Kraftstoffen bleibt zumindest einem Teil der Bevölkerung weniger Geld für Bekleidung übrig. Vor diesem Hintergrund fordert BTE-Präsident Rauschen von der Politik eine Stärkung des privaten Konsums, indem die Steuern auf Einkommen und Strom sowie die Sozialbeiträge gesenkt werden und der Anstieg der CO2-Steuer gebremst wird. Durch die Erhöhung der CO2-Abgabe sind Anfang des Jahres die Preise für Kraftstoffe gestiegen. Zudem wünscht sich der Verband, dass die Überstundenzuschläge steuerfrei gestellt werden.
„Was wir brauchen, ist ein Konsumschub, mit deutlichen Steuerentlastungen und weiteren Senkungen der Energiekosten für alle Menschen“, so Rauschen weiter: „Die Leute brauchen effektiv mehr Geld in ihren Portemonnaies, um es auch bei uns ohne große Sorgen und Überlegungen mit Freude ausgeben zu können.“ Denn da die Branchen vorwiegend von der Mittelschicht leben, ist aus seiner Sicht eine Entlastung und Stärkung gerade dieser sozialen Schicht notwendig.
Mit Blick auf die von den Schuh- und Bekleidungshändlern beklagten hohen Kostensteigerungen und der vor allem im Bekleidungshandel zunehmenden Bürokratie fordert der BTE-Präsident von der Politik auch hier eine Senkung der Körperschaftssteuer, der Stromsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge. Im Rahmen des Bürokratieabbaus sollten die Dokumentations- und Berichtspflichten etwa beim Lieferkettengesetz, der Ökodesign-Verordnung und der Textilstrategie reduziert werden.
Handlungsbedarf sieht der Verband auch bei dem immer wieder beklagten Attraktivitätsverlust der Innenstädte und fordert deshalb eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität, aber auch, dass die Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln sichergestellt wird und Bund sowie Länder die Kommunen finanziell in die Lage versetzen, ihre Aufgaben erfüllen zu können. Zudem wünscht sich der innerstädtische Einzelhandel, dass es leichter wird, verkaufsoffene Sonntage zu beantragen.
An die Branche selbst richtet der Verband den Appell, ihre Geschäftsprozesse zu optimieren, das Warenmanagement zu verbessern, für den Erlebniskauf mehr in Ladengestaltung, Events und Gastronomie zu investieren und sich durch kompetentes Personal und Beratung vom Online-Handel abzugrenzen. Auch die Zusammenarbeit von Handel und Industrie etwa bei den Ordermengen oder den Lieferzeitpunkten kann noch weiter verbessert werden.



