HIR DÜSSELDORF. Der regulatorische Druck aus der EU, etwas gegen die riesigen Abfallberge aus Altkleidern zu tun, wächst. Das Kölner Start-up CRCL hat jetzt mit Apatura ein kreislauffähiges Granulat aus Alttextilien entwickelt, um daraus Materialien für andere Branchen zu erzeugen – vom Abfall zum Rohstoff.
Altkleider werden schon seit Jahrzehnten gesammelt. Überall sind die Container zu sehen. Altkleider sind aber nur brauchbar, wenn sie noch getragen werden können oder aus reinen Materialien wie Baumwolle bestehen, damit daraus Dämm-Stoffe gemacht werden kann. Das Gros ist heute aber aus Mischfasern und damit bisher nicht mehr verwendbar, so dass sich riesige Müllberge auftürmen. Wie das Kölner Start-up-Unternehmen CRCL berichtet, werden weltweit jährlich 120 Mio. t Textilien weggeworfen – ein Trend, der durch Fast Fashion begünstigt wird.
Der Druck, etwas gegen diese Ressourcenverschwendung und die Umweltverschmutzung zu tun, steigt, seit der regulatorische Rahmen in Europa den Textil- und Bekleidungsmarkt zum Umdenken zwingt: Denn seit 2025 müssen Textilien in der EU getrennt erfasst werden und die Regeln zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien wurden verschärft. Und ab Juli 2026 gilt für große Unternehmen ein Verbot, unverkaufte Kleidung und Schuhe zu vernichten.
Wie Lars Conzendorf, verantwortlich für Business Development sowie Marketing & Sales bei CRCL, feststellt, ist Textilabfall damit kein Entsorgungsproblem mehr – sondern eine Rohstoff-Frage. Es geht darum, die Abfälle zu recyclen, was bislang gerade bei den Mischtextilien im bestehenden System nicht möglich war. Mit Blick auf die Tatsache, dass für Entsorger, Textilunternehmen und Modemarken ein wachsender Kosten- und Handlungsdruck entsteht, hat CRCL ein Verfahren entwickelt, bei dem der problematische Materialstrom „als Ausgangspunkt für eine neue Wertschöpfung“ – oder kurz als Rohstoff – verwendet wird.
Das Unternehmen verbindet Entsorgungsmarkt und Absatzmarkt in einem Modell. „Mit Apatura entsteht ein kreislauffähiges Granulat für eben solche neuen, industriellen Serienanwendungen“, teilt CRCL mit. Wie Lauritz Schmidt, verantwortlich für Entwicklung, Projektmanagement und Controlling bei CRCL mitteilt, konnte das Start-up beweisen, dass „selbst schwer verwertbare Mischfasern im Produktionsalltag industriell nutzbar gemacht werden können“. Es sei gelungen, die Verarbeitung im Spritzguss nachzuweisen, die Umsetzung auf einer industriellen Anlage zu erproben und es sei technisch möglich. Erste Pilotprojekte mit namhaften Firmen wie VITRA oder Hanit konnten demnach erfolgreich abgeschlossen werden.
Geeignet sind die Materialien, um daraus neue Bausteine für nachhaltigere Strategien für Branchen wie Möbel, Interior, Bau, Gardening oder den Automobilbereich zu machen. „Regulierung allein schafft noch keine Kreislaufwirtschaft“, betont Timur Oruz, verantwortlich für Business Growth und Public Relations bei CRCL: „Sie erzeugt aber den Druck, neue Lösungen schneller in den Markt zu bringen.“ Der Anspruch des Start-ups besteht nach seinen Worten darin, „aus diesem Druck eine konkrete Nachfrage zu machen – für die Modeindustrie, Entsorger, Marken und industrielle Anwender“. Relevant wird dies für Unternehmen, die nachweisen müssen, wie sie Ressourcen schonen, Recyclinganteile erhöhen und Produktkreisläufe schließen.



