Handelsimmobilien-Kongress

Viele Ideen für unterhaltsame Shops

Die Stores of the year 2024. Foto: Jörn Wolter/HIK

HIR BERLIN. Mit der ausdrücklichen Hoffnung, dass sich der Einzelhandel und die Asset-Klasse Handelsimmobilien im schwierigen Jahr 2024 als Stabilisatoren des deutschen Gewerbeimmobilienmarkts erweisen könnten, eröffnete HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth den Handelsimmobilien-Kongress in Berlin, der 2024 erstmals vom HDE, dem EHI Retail Institute, dem German Council of Shopping Places (GCSP) und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) gemeinsam ausgerichtet wurde.

Nachdem der stationäre Nonfood-Handel und mit ihm viele Innenstädte und Einkaufszentren nach dem Erstarken der Online-Konkurrenz jahrelang um eine Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle gerungen haben, was sich auch beim Transaktionsgeschehen bei Retail Assets zeigte, erwartete Stefan GenthHauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), in seiner Eröffnungsrede – trotz des krisenbedingt schwierigen Umfelds – eine Belebung des Handelsimmobilienmarktes. Genth zeigte sich überzeugt, dass das Segment die Talsohle inzwischen durchschritten hat und Hoffnung auf eine Belebung der Marktlage besteht.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche beim Investitionsvolumen zwar auch einen spürbaren Rückgang, der allerdings deutlich geringer ausfiel als im deutschen Gewerbeimmobilienmarkt insgesamt. Und im ersten Quartal dieses Jahres führten Handelsimmobilien mit einem Transaktionsvolumen von 1,7 Mrd. Euro (CBRE) und einem Plus von 15% gemessen am Vorjahreszeitraum den deutschen Immobilieninvestmentmarkt als dynamischstes Segment sogar an.

Darauf aufbauend erwartet der HDE im Laufe des Jahres eine Belebung des Handelsimmobilienmarktes. Zwar räumt Genth ein, dass „hohe Zinsen, hohe Baukosten und die gedämpfte Konsumstimmung für Unsicherheit bei Immobilieninvestoren gesorgt haben“, doch geht er davon aus, dass der Handelsimmobilienmarkt spürbaren Auftrieb erhalten kann, wenn sich hier die Ausgangslage verbessert. In dem Segment sieht er weiterhin großes Potenzial. Das beruht nicht zuletzt auf dem Segment Fachmarktimmobilien mit Schwerpunkt Lebensmittel, die von der Krise der vergangenen Jahre nichts gespürt haben. Zudem betont Genth, dass der Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstadt ein zentraler Impulsgeber für die weitere Entwicklung des Gewerbeimmobilienmarktes sein werde.

Schwerpunktmäßig befasste sich der Kongress mit Themen wie Handelsimmobilien – Asset Klasse wieder im Vorwärtsgang, den Selbstheilungskräften des Marktes bei der Frage, wie die Innenstadtakteure die Innenstädte retten können oder wie großflächige Handelsimmobilien umgenutzt werden können – frei nach dem Motto: Mixed-Use-Immobilien trifft Realität. Nachhaltigkeit und die Bedeutung des großflächigen Lebensmittelhandels fehlten naturgemäß auch nicht im Programm.

Wohin die Reise bei den Einzelhandelskonzepten gehen wird, zeigte die Preisverleihung zu den Stores of the Year (Foto: Jörn Wolter/HIK), bei der in sechs Kategorien Kreativität und Innovationskraft honoriert wurden.

So haben die Jury und der Handelsverband Deutschland das Breuninger Haus in der Sendlinger Straße in München als Sieger in der Kategorie Fashion gekürt. Das Haus vereint auf 12 500 qm Einkaufen und Gastronomie, indem die Kunden neben dem großen Markensortiment und dem hauseigenen Atelier für Änderungen, Reparaturen und Personalisierungen die Tages- und Cocktailbar Eduard’s by Breuninger zum Ausruhen finden.

Einkauf und Gastronomie auf einer Fläche

Das Akzenta am Phoenixsee in Dortmund siegte in der Kategorie Food, weil es seit seiner Eröffnung im Juni 2023 als Teil des Stadtquartiers im neuen Wohn- und Erholungsgebiet am Phoenixsee die Bewohner und Beschäftigte aus den umliegenden Büros mit seinen Gourmet-Frischetheken, dem Restaurant und der Vinothek überzeugt. Und Bettenrid in der Münchener Theatinerstraße punktete als Gewinner in der Kategorie Home/Living mit der Gestaltung seiner Verkaufsfläche im Stil einer Altbauwohnung und mit seiner kreativen sowie einladenden Einrichtung. Die nach der Firmengründerin Rosa Zaininger benannten Bar Rosa’s Lounge und die flexible Veranstaltungsfläche für bis zu 70 Personen runden das positive Bild am Point of Sale ab.

Der in einem ehemaligen Lichtspielhaus aus den 1920er Jahren eröffnete Flagship-Store von Apropos am Kurfürstendamm in Berlin überzeugte in der Kategorie Concept Store. So inszeniert das herausragende und elegante Raumkonzept in einem historischen Gebäude Mode, Beauty-Produkte und Design aus dem Luxussegment, indem es eine exklusive Atmosphäre schafft, die entschleunigen soll.

Und das Musikhaus Thomann in Burgebrach-Treppendorf bietet als Gewinner in der Kategorie Out of Line Musikern, Bühnentechnikern und Musikbegeisterten aller Altersgruppen Europas größte Auswahl an Musikinstrumenten. Wie der HDE betont, ist in dem inspirierenden Erlebnisgeschäft jedes Instrument individuell in Szene gesetzt und kann vor Ort unter anderem in schallgeschützten Räumen ausprobiert werden.

Last not Least konnte der neue Globetrotter RE:THINK Store in Bonn in der Kategorie Sonderpreis gewinnen, weil er bei der Neugestaltung des ehemaligen Elektronikgeschäfts im Interesse der Nachhaltigkeit die Wiederverwendung der vorhandenen Materialien an oberste Stelle gesetzt hat. Erreicht wurde eine Recyclingquote von rund 94%. Ziel dieses Konzepts ist es laut HDE, die Kunden durch „das Einkaufserlebnis selbst zu Botschaftern für Nachhaltigkeit werden zu lassen“.

Als „Stores of the Year“ zeichnet der HDE herausragende und innovative Händlerinnen und Händler aus, deren Ladenumbau oder -neugestaltung nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Die Sieger werden von einer Jury aus Expertinnen und Experten von Handelsunternehmen und Handelsinstitutionen gekürt.