rv DÜSSELDORF. Auf globaler Ebene war beim Commercial Property Sentiment Index (CPSI), der die Stimmung auf den weltweiten Immobilienmärkten misst, im ersten Quartal 2026 wenig Veränderung festzustellen. Doch innerhalb der Weltregionen veränderte sich einiges, wie die jüngsten Zahlen des RICS Global Commercial Property Monitor (GCPM) zeigen. Das gilt für einen Großteil der europäischen Länder und hier insbesondere für Deutschland – auch wenn ein leichter Aufwärtstrend auf sehr niedrigem Niveau zu erkennen war.
Denn während sich der CPSI auf globaler Ebene im ersten Quartal 2026 nur leicht von -1 im vierten Quartal auf -2 verschlechterte, sank der Index in Europa von -7 zum Jahresende auf -8 im ersten Quartal schon deutlicher in den negativen Bereich. In Deutschland ist der Commercial Property Sentiment Index zwar deutlich um 7 Punkte gegenüber dem Vorquartal gestiegen, allerdings verharrte der Indexwert mit -21 immer noch sehr tief im negativen Bereich. Nur in Frankreich lag der Index mit -35 Punkten noch tiefer im Minus.
Optimistisch blickt die Immobilienbranche in Ländern wie Spanien, Portugal und Polen in die Zukunft. Von den 18 untersuchten europäischen Märkten bewegten sich zehn – darunter auch Österreich, Großbritannien und Italien – mehr oder weniger tief im negativen Bereich und in acht Ländern blickte die Branche optimistisch in die Zukunft. Die Befragung der Royal Institution ob Chartered Surveyers (RICS), an der weltweit 1 300 Fachleute teilgenommen haben, fand zwischen dem 18. März und dem 24. April 2026 statt, sodass in den Ergebnissen die negativen Folgen des Irankonflikts und der Sperrung der Straße von Hormus bereits voll abgebildet sind.
Wie Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President (SVP) der RICS weltweit, bei Vorlage der Ergebnisse feststellte, waren vor allem die erneute Verschlechterung der Kreditkonditionen und die wieder wachsenden Inflationssorgen ursächlich für den Abwärtstrend in Europa. Diese verschlechterten Kreditbedingungen könnten aus ihrer Sicht in den kommenden Quartalen auch auf einen schlechteren Ausblick bei der Investitionsbereitschaft in Deutschland und Europa hindeuten – auch wenn der Investment Sentiment Index (ISI), der die Stimmung der europäischen Investoren misst, im ersten Quartal – gegenüber dem Vorquartal – nur relativ leicht von -5 auf -8 gesunken ist. Doch ein Rückgang beim Gesamtwert der Kennzahl für Kreditbedingungen in Europa von +15 im vierten Quartal auf -24 in den ersten drei Monaten, ist aus Sicht der Expertin schon ein deutliches Warnsignal. Eine Verschlechterung der Kreditkonditionen wurde laut Studie in 28 der 30 untersuchten Märkten registriert. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sich die Mieterstimmung noch relativ stabil zeigte.
In diesem europäischen Umfeld hat sich der CPSI in Deutschland von -26 zum Ende des Jahres 2025 auf -21 zu Jahresbeginn 2026 verbessert. Die Stimmung der Mieter/Nutzer, gemessen im Occuppier Sentiment Index (OSI), erhöhte sich laut Jens Böhnlein (Foto rechts), Vorstandsvorsitzender der RICS Deutschland, von -28 auf -21 und die Stimmung der Investoren (ISI) von -24 auf -20.
Stimmung bleibt tief im negativen Bereich
Die Aufwärtsbewegung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung zu Jahresbeginn 2026 tief im negativen Bereich verharrt. Vor diesem Hintergrund blieb hierzulande auch die Investorennachfrage über alle Assetklassen hinweg mit einem Nettosaldo von -12% weiterhin deutlich im Minus – nach einem Wert von -11% im vierten Quartal. Und der Nettosaldo der Mieternachfrage über alle Assetklassen hinweg ging sogar weiter von -22% (Q4) auf -25% (Q1) zurück. Laut Böhnlein zeigen die aktuellen Ergebnisse für Deutschland, dass die Stimmung am Immobilienmarkt gedrückt bleibt, sowohl mit Blick auf den Nutzermarkt als auch auf den Investmentmarkt.
Die deutlich verschlechterte Stimmung bei den Kreditkonditionen, die verhaltenen Marktaussichten bei den Kapitalwerten und eine weiterhin schwache Investorennachfrage hierzulande, insbesondere bei Büroimmobilien, sorgen aus seiner Sicht dafür, dass das Marktumfeld hierzulande herausfordernd bleibt. Aktuell liegt der Nettosaldo bei den Kreditkonditionen bei -42%. Genauso wie Susanne Eickermann-Riepe auf europäischer Ebene bei den Erwartungen an die Kapitalwerte sowohl mit Blick auf das kommende Quartal als auch mit Blick auf die nächsten zwölf Monate eine moderate Abschwächung erwartet, registriert auch Böhnlein in Deutschland verhaltene Marktaussichten bei den Kapitalwerten.
Dieser Anpassungsprozess wird sich laut Eickermann-Riepe (Foto links) in Deutschland noch eine Weile hinziehen – zumal sich die Marktkorrekturen in Deutschland bislang langsamer vollzogen haben als in anderen Ländern. Zum ersten Mal seien hierzulande mehr Abschreibungen als Investitionen registriert worden, berichtet die Expertin: „Das zeigt für mich, dass dieser Prozess hier noch in vollem Gange ist.“
Im Rahmen dieser insgesamt gedrückten Stimmung sieht die Mehrheit der Befragten den deutschen Immobiliemarkt in einer Abschwungphase oder am Tiefpunkt des Zykluses. Die Preisbildung in Deutschland, das lange bei vielen Marktakteuren als „teuer“ oder „sehr teuer“ galt, wird laut Böhnlein inzwischen als angemessen eingeschätzt. So ist der Anteil der Befragten, der die Immobilienpreise als vergleichsweise „teuer“ oder „sehr teuer“ einschätzt, von 39% im vierten Quartal 2025 auf nunmehr 30% gesunken. Vor allem aber ist der Anteil der Befragten, der die Immobilienpreise als „angemessen“ bewertet, inzwischen deutlich von 44% zum Jahresende auf nunmehr 56% gestiegen. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass der Anteil der Befragten, der die Immobilien hierzulande als „günstig“ einschätzt, von 13% im vierten Quartal auf 12% gesunken ist.
Wie sich die Lage in Europa und in Deutschland im Jahresverlauf weiter entwickelt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie lange sich der Konflikt um die Straße von Hormus und die damit einhergehenden Behinderungen bei den Lieferketten noch hinziehen wird. Derzeit herrscht vor allem Unsicherheit.



