Tegut-Filialen

Tante Enso will über 30 Märkte

Tante Enso, kleine Läden für den ländlichen Raum. Foto: Tante Enso

rv DÜSSELDORF. Mit Edeka und Rewe stehen die beiden größten Interessenten fest, die derzeit mit der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) über den Erwerb der großen Tegut-Filialen sowie eines Logistikzentrums, einer Bäckerei und den Betreiber der Teo Smart Stores verhandeln. Es gibt aber auch noch gut 30 der insgesamt 350 Tegut-Standorte im ländlichen Raum, die nicht ins Filialnetz der Großen passen, die für die Menschen in der Region aber sehr wichtig sind.

Hier hat sich der Smart-Store-Betreiber ENSO eCommerce GmbH mit der Marke Tante Enso unter Führung des Ex-Tegut-Chefs Thomas Gutberlet als Interessent ins Spiel gebracht. Bei Enso handelt es sich um ein Genossenschaftsmodell mit dem Namen my Enso Genossenschaft, bei dem die Bürger Teilhaber-Anteile im Wert von je 100 Euro erwerben. Auf die Anteile wird eine jährliche Rendite von 5% gezahlt. Es ist eine bestimmte Zahl von Teilhabern nötig, um einen Laden in ländlichen Gemeinden einzurichten und betreiben zu können. Die Bewegung, die sich der Mission verschrieben hat, mit ihren kleinen Läden den ländlichen Raum mit Lebensmitteln zu versorgen, möchte etwa 36 kleinere Märkte übernehmen.

„Mit inzwischen knapp 90 Supermärkten bundesweit sind wir zu einer echten Bewegung geworden – einer Bewegung, die Nähe, Versorgungssicherheit, Gemeinschaft und moderne Technologie miteinander verbindet“, teilt das Unternehmen aus Bremen mit. Zum Kern des Tante Enso-Konzepts gehört auch eine 24/7 Karte, die es ermöglicht, rund um die Uhr – auch außerhalb der Geschäftszeiten, wenn kein Personal vor Ort ist – einzukaufen und an der Selfcheckout-Kasse zu bezahlen.

Welche Standorte aus dem Tegut-Netz übernommen werden sollen, möchte die Enso E-Commerce noch nicht sagen, solange die Prüfung des Bundeskartellamts läuft. Wenn die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde vorliegt, sollen die Märkte zunächst wie gewohnt weiterlaufen, bevor sie kontinuierlich auf das Tante-Enso-Konzept umgestellt werden. Dabei soll jeder Tegut-Standort von echter Bürgerbeteiligung profitieren. „Für eine vollständige Überführung in das Tante-Enso-Modell brauchen wir mindestens 35% der Menschen vor Ort in der my Enso-Genossenschaft“, teilt das Unternehmen mit: „Viele Orte haben bereits bewiesen, dass genossenschaftliches Engagement nicht nur die Versorgung rettet, sondern neue Chancen schafft.“

Auch den Tegut-Beschäftigten mit ihrer Erfahrung wird Sicherheit und Perspektive geboten, indem sie in den Lebensmittelmärkten bleiben und Teil der „Tante Enso-Familie“ werden. Dabei setzt Tante Enso darauf, dass sie ihre Kundschaft schon seit langem kennen. Wie Thomas Gutberlet versichert, will die Genossenschaft damit die Zukunft der betroffenen Märkte und ihrer Mitarbeiter, die seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein der Infrastruktur vor Ort sind, absichern.

Daneben will der Edeka-Verbund mit etwa 200 den größten Teil der Tegut-Filialen übernehmen, die Kölner Rewe Group möchte 40 übernehmen. Des Weiteren wird auch dem Discounter Aldi Nord Interesse an einigen Tegut-Standorten nachgesagt. Inzwischen hat das Bundeskartellamt die Übernahme der Tegut-Märkte durch Tante Enso freigegeben.