rv DÜSSELDORF. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb von 36 Filialstandorten der tegut… gute Lebensmittel GmbH & Co. KG mit Sitz in Fulda durch die Tante Enso Süd-West GmbH & Co. KG mit Sitz in Bremen freigegeben.
Hintergrund der Freigabe ist nach den Worten von Andreas Mundt (Foto), Präsident des Bundeskartellamts, dass „Tante Enso bislang über eine vergleichsweise geringe Marktstellung im Lebensmitteleinzelhandel verfügt und vor allem in ländlichen Regionen tätig“ ist, so dass es nicht zu einer Behinderung des Wettbewerbs kommt. In dünn besiedelten Regionen sind die großen Filialisten des Lebensmittelhandels meist nicht vertreten. Denn ein normaler Lebensmittelmarkt benötigt ein Einzugsgebiet mit mindestens 5 000 Haushalten, um rentabel zu sein. Dörfer mit 2 000 bis 3 000 Haushalten bieten diese kritische Masse nicht, müssen aber dennoch mit dem Lebensnotwendigen versorgt werden.
„Weder die Größe des Vorhabens noch die Marktstellung der Erwerberin gaben Anlass zu wettbewerblichen Bedenken“, begründet Mundt die Erlaubnis für die Tante Enso Süd-West GmbH & Co. KG, die 36 kleineren Märkte der Tegut… gute Lebensmittel GmbH & Co. KG zu übernehmen. Die Standorte befinden sich überwiegend in Hessen, Thüringen und Nordbayern: „Die Übernahme stärkt einen kleineren Wettbewerber in einem Markt, der von wenigen großen Unternehmensgruppen geprägt wird“, so der Präsident mit Blick auf die dominiere Marktstellung von Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) und Aldi. Zudem gibt es nur wenige Überschneidungen zwischen dem Tante-Enso-Netz und den Tegut-Standorten.
Die Tante-Enso-Gruppe betreibt knapp 90 überwiegend kleinflächige Lebensmittelmärkte im ländlichen Raum, wobei in einem hybriden Konzept an sieben Tagen rund um die Uhr eingekauft werden kann: Tagsüber ist während einer bestimmten Zeit Personal vor Ort, außerhalb dieser Zeiten können die Märkte autonom als Smart Stores genutzt werden. Für den Zugang gibt es eine Kundenkarte und für die Bezahlung SB-Kassen. 2025 lag der Umsatz der Gruppe bei 40 Mio. Euro. Mit den 36 Tegut-Märkten kommt nun noch ein Umsatz von 60 Mio. Euro (2025) hinzu. Am Gesamtumsatz der über 300 Tegut-Märkte, die derzeit von der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) verkauft werden, entspricht das einem Anteil von 5%.
Dass Tante Enso im ländlichen Raum wirtschaftlich arbeiten kann, liegt an ihrem Genossenschaftsmodell mit dem Namen my Enso Genossenschaft. Hier erwerben Bürger Teilhaber-Anteile im Wert von jeweils 100 Euro, auf die eine jährliche Rendite von 5% gezahlt wird. Um einen solchen Nahversorger in ländlichen Gemeinden einzurichten und zu betreiben ist eine bestimmte Zahl von Teilhabern erforderlich.
Wie das Bundeskartellamt weiter mitteilt, wird die Übernahme des Filialpakets mit etwa 200 Tegut-Märkten und weiteren Unternehmensteilen durch den Edeka-Verbund sowie von 40 Märkten durch die Rewe Group in laufenden Hauptprüfverfahren geprüft. Dabei würden die Auswirkungen auf die Absatzmärkte des Lebensmitteleinzelhandels und auf die Beschaffungsmärkte untersucht. Dafür würden auch Lieferanten verschiedener Produktgruppen befragt.



