Lebensmittelhandel

Supermärkte mit einem guten Lauf, Discounter könnten 2022 aufholen

Foto: Lidl

HIR DÜSSELDORF. Als systemrelevante Branche gehört der Lebensmittelhandel im deutschen Einzelhandel zu den wenigen Gewinnern der Corona-Pandemie. Nach einem guten Jahr 2020 folgte auch 2021 ein wachstumsstarkes Jahr. Die hohe Inflation könnte unter den Vertriebslinien aber zu Verschiebungen führen.

Nach den Daten des aktuellen Statistikkompendiums EHI Handelsdaten aktuell 2022 konnten im Corona-Jahr 2021 vor allem Supermärkte und große Supermärkte ihren Umsatz in Deutschland erneut steigern. So erzielte die Vertriebslinie ein Plus von 1,6% auf 58,8 Mrd. Euro, nach 57,9 Mrd. Euro 2020. Dabei hat sich die Verkaufsfläche vergrößert, bei insgesamt abnehmender Zahl von Märkten.

Dass Größe und damit ein umfassendes Sortiment bei den Kunden hoch im Kurs stand, zeigt der Blick auf die Kategorie große Supermärkte. Sie erzielten ein Umsatzplus von 6,8% auf 20,3 Mrd. Euro, nach 19 Mrd. Euro im Jahr zuvor. Umsatzverluste mussten hingegen SB-Warenhäuser mit -6,5% auf 18,6 Mrd. Euro hinnehmen. Ihre Zahl verminderte sich zwischen 2017 und 2021 von 836 auf 730.

Bei Discountern blieb der Umsatz laut EHI mit 79,5 Mrd. Euro stabil, genauso wie bei kleinen Lebensmittelgeschäften mit 4,8 Mrd. Euro. Deren Zahl sank seit 2017 von 8 650 auf 8 250. Bei den Discountern war die Zahl der Filialen gleichfalls rückläufig. Sie ging von 16 162 (2017) auf 15 910 zurück, wobei die Flächen und damit die Sortimente größer geworden sind. Im Wettbewerb mit den zuletzt so erfolgreichen Supermärkten suchte die Vertriebslinie damit den Anschluss zu halten.

Beim Blick in die nähere Zukunft erwartet Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung beim EHI, jedoch bedingt durch die hohe Inflation 2022 eine veränderte Entwicklung: „Es ist davon auszugehen, dass einige Verbraucherinnen und Verbraucher nun wohl vermehrt die Discounter ansteuern werden“. Denn die Preise für Lebensmittel werden weiter steigen, da der Lebensmittelhandel die Preiserhöhungen seiner Lieferanten noch nicht voll an die Verbraucher weitergegeben hat.

Wie das EHI weiter beobachtet hat, erreicht die Entwicklung, wonach sich die Zahl der kleinen Lebensmittelgeschäfte mit mehr als 400 qm in den vergangenen Jahren stetig verringert hat, nun langsam auch die Supermärkte. Ihre Anzahl sei von 10 895 auf 10 850 Märkte geschrumpft (-1,5%). Dagegen sei die Zahl der großen Supermärkte leicht auf 1 256 gestiegen. Dass sich die Zahl bei den SB-Warenhäusern mit mehr als 5 000 qm auf 730 reduziert hat, führt das EHI auf Sondereffekte zurück. Der Rückgang um 59 Märkte im Vergleich zum Jahr 2020 war u. a. mit Schließungen bzw. vorübergehenden Sanierungen von Real-Märkten zu erklären.