Die Karstadt-Warenhäuser am Bergedorfer Markt und am Sachsentor waren über Jahrzehnte prägende Bestandteile der Innenstadt von Hamburg-Bergedorf. Als Frequenzbringer waren sie wichtige Anziehungspunkte für den lokalen Einzelhandel und trugen wesentlich zur Attraktivität des Stadtteilzentrums bei. Beide Häuser wurden kurz vor Weihnachten 2020 im Zuge der Corona-Verordnungen geschlossen und nie wieder geöffnet.
Neubebauung am Bergedorfer Markt: Vorangegangen waren viele Jahre, in denen die Zukunft von Karstadt- Bergedorf als kleinste Standorte des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns immer wieder in Frage gestellt wurde. Hoffnung machte im November 2022 zwischenzeitlich der Abriss des kleinen Hauses am Bergedorfer Markt. Auf dem rund 2 000 qm großen Grundstück sollte ein gemischt genutztes Quartier entstehen. Die Planungen von Henrik Becker Architekt + Basista Jansen Architekten in Hamburg sehen Einzelhandels- und Gastronomieflächen im Erdgeschoss sowie Wohnungen in den oberen Etagen vor. Im Rahmen eines hochbaulichen Werkstattverfahrens wurde ein Siegerentwurf ausgewählt, der die Grundlage für die weitere Entwicklung bilden sollte – eine wirtschaftlich tragfähige, ökologisch nachhaltige und architektonisch hochwertige Lösung.
Entwicklung des Standorts Sachsentor: Ähnliche Pläne gab es auch für das ehemalige Kaufhaus am Sachsentor, die zentrale Fußgängerzone Bergedorfs, das erhalten blieb und mehrere Jahre leer stand. Auch hier wurden Konzepte entwickelt, die Immobilie gemeinsam mit angrenzenden Flächen und dem Parkhaus an der Bergedorfer Schloßstraße in eine umfassende Innenstadtentwicklung einzubinden. Vorgesehen waren Wohnnutzungen, gewerbliche Flächen sowie eine städtebauliche Aufwertung des öffentlichen Raums. Tausende Bergedorfer strömten zu den öffentlichen Vorstellungen der Projekte. Der Standort hat eine besondere Bedeutung, da das Sachsentor in den vergangenen Jahren verstärkt von Leerständen betroffen war.
Doch passiert ist nichts, so dass Karstadt für viele zum Sinnbild des Niedergangs in der Bergedorfer Innenstadt geworden ist. Das große Haus dient schon seit Jahren als Übungsfläche für Polizei und Grenzschutz.
Nach sechs Jahren Stillstand gibt es nun neue Hoffnung für einen Neustart für die Entwicklung der beiden ehemaligen Karstadt-Immobilien. Die Stadt Hamburg hat von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und sowohl das noch stehende Haus im Sachsentor als auch die Baugrube des einstigen kleinen Karstadt am Bergedorfer Markt erworben. Beide Grundstücke haben eine Gesamtfläche von 4 200 qm.
Ein entsprechender Vertrag wurde am 28. Mai notariell beurkundet, teilten Bezirksversammlung und Finanzbehörde, zu der der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) gehört, mit. Durch den Ankauf sichert sich die Stadt nicht nur die Grundstücke, sondern auch bereits erarbeitete Planungen und Entwicklungskonzepte für einen Nutzungsmix aus Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistung. Dies schaffe die Grundlage für eine koordinierte und langfristige Aufwertung der Bergedorfer Innenstadt, wie Finanzsenator Andreas Dressel, SPD, betonte. Schritt für Schritt solle das Konzept in den nächsten Jahren umgesetzt werden.
Wie es konkret weitergeht, ob etwa die Stadt selbst als Bauherr auftreten oder nach Partnern suchen wird, ist noch offen. Die Bebauungsplanverfahren sind zwar weit fortgeschritten, dennoch warnte Rathauschefin Cornelia Schmidt-Hoffmann in der Bezirksversammlung vor zu großen Erwartungen: „Dass nun gleich die Bagger anrollen, ist eine unrealistische Vorstellung“, sagte sie gegenüber der Bergedorfer Zeitung. Politik, Gewerbetreibende und Bürger reagierten allesamt hocherfreut, dass die jahrelange Hängepartie beendet sein dürfte und sich neue Perspektiven für Wohnen, Einzelhandel, Dienstleistung und urbane Lebensqualität auftun.
Als Vorbild gilt Karstadt in Harburg: Hier wurde die Immobilie am Schlossmühlendamm 2023 von der öffentlichen Hand erworben. Der Platz davor war gerade erst aufgehübscht worden. Die Karstadt-Filiale mit fünf Etagen war für viele Harburger fast 100 Jahre lang Anlaufpunkt für die Deckung ihres täglichen Bedarfs und prägender Bestandteil der Innenstadt. Im Untergeschoss war früher die Lebensmittelabteilung und es gibt einen direkten Zugang zur S-Bahn. Auch hier soll ein lebendiges Quartier mit Kultur, Wohnen, Handel und Gastronomie entwickelt werden. Mit dem „Planet Harburg“ als Zwischennutzung, eine Art Hot Spot für Kreative, ob Ausstellungen, Veranstaltungen oder Pop-Up-Stores, ist ein erster Schritt gelungen, um neues Leben in das traditionsreiche Gebäude zu bringen.



