Im Wettbewerb mit der Online-Konkurrenz geht der stationäre Einzelhandel immer wieder neue Wege – auch zusammen mit anderen Einzelhandels-Ketten, deren Sortiment erst auf den zweiten Blick kompatibel ist.
Einfach nur Waren verkaufen ist nicht mehr genug. Diese Erkenntnis begleitet den stationären Einzelhandel seit Händler wie die Buchhandels-Kette Thalia und Europas führende Elektrofachmarkt-Kette Media Markt Saturn Anfang des vorigen Jahrzehnts in die roten Zahlen rutschten, weil der US-Online-Händler Amazon und andere Pure Player mit ihrem Online-Vertrieb und günstigen Preisen der stationären Konkurrenz beachtliche Umsatzanteile abgejagt hatten.
In einer bemerkenswerten Aufholjagd ist es Media Markt Saturn in den Folgejahren gelungen, nicht nur einen gut funktionierenden Online-Vertrieb einschließlich Click & Collect aufzubauen und zur Online-Konkurrenz aufzuschließen, sondern auch seine stationären Märkte mit Konzepten wie etwa der Media Markt Tech Village im Lighthouse-Format in eine neue Ära zu führen.
Hier gibt es auf 15 000 qm ein innovatives Store-Design mit modernster Technik zum Entdecken und persönlich Ausprobieren sowie die neuesten Trends und Technologien vor Ort anzuschauen und die Möglichkeit, sich vom Experten-Team beraten zu lassen. Im realen Media Markt können die neuesten Smartphones, beeindruckende Heimkino-Systeme oder smarte Haushaltsgeräte angeschaut, angefasst und vielleicht auch ausprobiert werden. Konzepte wie My Media Markt bieten nach der Anmeldung Zugriff auf „großartige Angebote“ und „fantastische Vorteile“, wie es heißt, und in der Fundgrube gibt es besondere Schnäppchen.
Das sind einige der Angebote, die Media Markt beispielsweise in seiner Tech Village im Lighthouse Format in Hamburg an der Einkaufsmeile Mönckebergstraße bietet. Nach Berlin ist Hamburg in Deutschland der zweite Media Markt im Lighthouse-Format. In ganz Europa gibt es bislang elf, beispielsweise auch im niederländischen Rotterdam, geplant ist, die Zahl auf 20 zu erhöhen.
Auch die Buchhandelskette Thalia hatte nach dem Sturz in die Verlustzone den Mut, zunächst einen Online-Vertrieb aufzubauen und in den stationären Buchhandlungen neue Sortimente wie Spielwaren mit aufzunehmen, ein Café und eine Kinderwelt zum Spielen zu etablieren und eine Veranstaltungsfläche. In einem Social Media Cube, einem Glaswürfel mit modernster Video- und Tontechnik, können Content Creatoren und Influencer etwa in der neu gestalteten Thalia Mayersche Buchhandlung am Neumarkt in Köln Social Media Content erstellen.
Einen weiteren Schritt auf dem Weg zu mehr Einkaufserlebnis geht jetzt Media Markt Saturn im Rahmen seiner „Space-as-a-Service-Strategie“, um das Einkaufserlebnis vor Ort durch eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Sportartikelanbieter Decathlon zu erweitern. Ort der Premiere ist der umfangreich modernisierte Media Markt im PEP Einkaufszentrum in München-Neuperlach, der Ende März im neuen Design eröffnet wurde.
Hell ist die neue Verkaufsfläche, modern und übersichtlich mit optimierten Vorführmöglichkeiten, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das Novum ist die erste gemeinsame Store-in-Store-Fläche für Decathlon auf rund 1 000 qm. Mit diesem Ansatz will Media Markt Saturn die Fläche neu denken und seinen Partnern optimale Bedingungen bieten, damit sie ihre Produkte und Lösungen unkompliziert im stationären Handel präsentieren können – persönliche Beratung inklusive. Dabei würden die Partner auch Zugang zu einem der stärksten Handelsnetzwerke Deutschlands gewinnen, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.
Der stationäre Handel entwickelt sich stetig weiter
Für Carsten Geilert, Managing Director Sales und COO bei Media Markt Saturn Deutschland, zeigt diese Partnerschaft im PEP München, dass sich der stationäre Einzelhandel weiterentwickelt: „Starke Marken wie Decathlon und Media Markt Saturn arbeiten immer enger zusammen, um ein relevantes und inspirierendes Einkaufserlebnis zu schaffen.“
Auf einer bestehenden hochwertigen Fläche werde durch die Kombination von Sport und Elektronik ein echter Mehrwert für die Kunden geschaffen. Dabei ist Geilert überzeugt, dass die Customer Journey einfacher wird, „wenn Kundinnen und Kunden Lösungen rund um ihren aktiven Lebensstil an einem Ort entdecken können“.
Für beide Unternehmen mit ihrem klaren Omnichannel-Ansatz bieten die Partnerschaft und das Store-in-Store-Konzept eine ideale Plattform, um nah am Kunden zu sein. Sie wollen damit gemeinsam zeigen, was der moderne Handel kann und das klare Signal senden, dass der Handel auch fest zusammenhält.
Grundvoraussetzung dafür, dass diese Kooperation auch funktionieren kann, ist, dass der Sportartikelanbieter Decathlon und der Spezialist für Consumer Electronic Media Markt Saturn sich eine breite Zielgruppe, von Familien bis hin zu technikaffinen Sportlern, teilen, wie Stefan Kaiser, Director Development & Real Estate bei Decathlon Deutschland, erläutert. Für ihn sind Sport und Technik eine logische Verbindung. Die Sortimente würden sich ideal ergänzen. Denn während Media Markt Saturn für die neueste Technik steht, bringt Decathlon laut Kaiser „das Equipment für einen aktiven Lebensstil mit ein“. Die Kunden beider Unternehmen profitieren von kurzen Wegen, mehr Auswahl und damit schließlich auch von mehr Erlebnis.
Noch in diesem und im nächsten Jahr soll das Konzept bundesweit auf weitere Standorte in Deutschland ausgeweitet werden. Die Kooperation ist damit auch Teil der Expansionsstrategie von Decathlon in Deutschland, um die noch verbliebenen weißen Flecken auf der Landkarte schneller zu erschließen. Bislang gibt es hierzulande 105 Decathlon-Standorte. Zunächst war das Unternehmen auf Fachmarktlagen fokussiert, hat sich – nicht zuletzt auch wegen des rigiden deutschen Planungsrechts in diesen Einzelhandelslagen auf der grünen Wiese – auch verstärkt mit Innenstadt-Lagen und eben auch Shopping-Centern angefreundet. Auch das ist Teil der Wandlungsfähigkeit im stationären Einzelhandel.
Neben der Expansion mit eigenen Filialen setzt Decathlon nun auch noch auf Partnerschaften mit etablierten Händlern, um den Wachstumskurs in Deutschland zu forcieren. Dazu gehört auch die Vereinbarung mit dem Warenhaus-Betreiber Galeria. Bis Ende 2027 soll die Zahl der Stores auf mindestens 150 steigen.



