HIR DÜSSELDORF. Die Berichte über die angespannte Lage im deutschen Wohnimmobilienmarkt sind Legion. Als Lösung des Problems wird immer wieder der Neubau von Wohnungen ins Spiel gebracht. Doch welche Probleme damit verknüpft sind, zeigt auch der Blick auf den Markt für Bauelemente und die Entwicklung der einzelnen Vertriebswege, den das IFH Köln in seinem neuen „Branchenbericht Bauelemente“ unter die Lupe genommen hat.
Demnach verzeichnete der Markt für Bauelemente mit einem Umsatzvolumen von knapp 26,5 Mrd. Euro zu Endverbraucherpreisen 2024 ein nominales Minus in Höhe von fast 6% im Vergleich zum Jahr 2023, wobei die inflationsbereinigte, reale Entwicklung einen noch größeren Umsatzrückgang offenbaren würde, wie es im Branchenbericht Bauelemente des IFH Köln heißt.
Da der Markt für Baustoffe maßgeblich von den professionellen Verarbeitern der Produkte – sprich: von den Handwerkerinnen und Handwerkern – geprägt wird, schlägt sich das aktuell schwierige bauwirtschaftliche Umfeld laut IFH-Branchenbericht auch auf die Marktentwicklung in der gesamten Branche nieder. Dabei hatten sich Bauelemente in der Vergangenheit als verlässlicher Wachstumstreiber erwiesen. Neben der generellen Baukonjunktur und der Wohnbaukonjunktur im Speziellen, wirkte vor allem das Thema „energetische Sanierung“ als wichtiger Umsatz-Treiber in der Branche.
Angetrieben wurde dieser Bauboom bekanntlich von der langjährigen Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank, bis er nicht zuletzt auf Grund der Zinswende im Sommer 2022 ausgebremst wurde und viele Unternehmen – vor allem Entwickler – in große Schwierigkeiten gerieten. Im folgenden Jahr breiteten sich die Schwierigkeiten in der gesamten deutschen Bauwirtschaft aus, von deren Folgen sich der Markt noch immer nicht wieder erholt hat.
Zusätzlich verschärft wurden die Probleme durch den Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, was zu enormen Preissteigerungen in der Bauelemente-Branche führte, die in der Breite auch zum Anstieg der Inflation in Europa und damit zur Wende in der Zinspolitik führte. So wirken sich die Sanktionen gegen Russland, das immerhin der fünftgrößte Stahlproduzent der Welt ist, beispielsweise auch auf die Stahlpreise aus.
Vor diesem Hintergrund bleibt die Lage in der Baubranche für die Marktakteure erst einmal ungewiss. So setzt sich laut Ifo Geschäftsklima-Index im Bauhauptgewerbe die Aufwärtsbewegung beim Geschäftsklima zwar fort, was daran abzulesen ist, dass die Erwartungen auf den höchsten Wert seit Februar 2022 gestiegen sind. Doch überwiegt beim Blick in die Zukunft immer noch die Skepsis. Und auch im Markt für Bauelemente macht Christian Lerch (Foto), Senior Consultant am IFH Köln, nach wie vor die hohe Unsicherheit bei den Anlegern und Privatpersonen mit Blick auf Neubau- und Modernisierungsmaßnahmen für die aktuelle Negativentwicklung verantwortlich: „Bauprojekte werden nicht durchgeführt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.“
Bei der Distribution respektive dem Vertrieb vieler Warengruppen im Baustoffsegment dominiert unvermindert das Handwerk „im Rahmen des dreistufigen Vertriebs“ an die Endkunden, wie es in der IFH-Studie heißt: „Diese geht Hand in Hand mit der Installationsleistung und dem Einbau durch das Gewerk, denn die meisten Verbraucher und Verbraucherinnen sind auf professionelle Hilfe beim Einbau von Fenstern, Außentüren oder Rollläden angewiesen.“ Vor diesem Hintergrund hat sich die Bedeutung des Handwerks für den Vertrieb seit dem Jahr 2015 insgesamt um 2,6 Prozentpunkte erhöht und liegt als einziger Vertriebsweg im positiven Bereich (siehe Grafik). Andere Vertriebswege wie Bau- und Heimwerkermärkte spielen in diesem Segment eine untergeordnete Rolle.



