Genossenschaft Migros Zürich verkauft Tegut

Rückzug aus dem deutschen Markt

Foto: Tegut

rv DÜSSELDORF. Am Ende ist es der Genossenschaft Migros Zürich, Teil des namhaften Schweizer Migros-Genossenschafts-Bunds nicht gereicht, die 2013 übernommene deutsche Tochter Tegut in eine sichere Zukunft zu führen. Im Rahmen ihrer neuen verstärkten Ausrichtung auf den Schweizer Heimatmarkt haben die Eidgenossen mit der deutschen Edeka vertraglich die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe vereinbart.

Wie der Pressemitteilung des Unternehmens zu entnehmen ist, hat sich die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) mit Blick auf die oligopolistische Struktur auf dem deutschen Lebensmittelhandelsmarkt und die hohen Marktanteile der großen Player Edeka, Rewe, Aldi und Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) zunächst versucht, einen nicht-deutschen Käufer für Tegut mit ihren etwa 350 Lebensmittel-Filialen und 7 400 Beschäftigtem zu finden. Doch der deutsche Markt gilt im weltweiten Vergleich als sehr preis- und wettbewerbsintensiv und namhafte ausländische Unternehmen wie der französische SB-Warenhausbetreiber Promodès, der vor Jahren selbst vom Wettbewerber Carrefour übernommen wurde, haben sich nach kurzer, glückloser Zeit wieder zurückgezogen. Und selbst der größte Handels-Konzern der Welt, Wal-Mart, gab sein Deutschlandgeschäft nach verlustreichen Jahren wieder auf und verkaufte das Filialnetz an den SB-Warenhausbetreiber Real.

Da das Bundeskartellamt dem Hamburger Edeka Verbund bereits bei seiner Übernahme von Real-Standorten im Jahr 2021 enge Grenzen gesetzt hatte – Edeka wollte 72 Real-Märkte, durfte aber nur 51 übernehmen – ist die GMZ nach eigenen Angaben auch noch mit weiteren bekannten deutschen Marktteilnehmern in „fortgeschrittenen Verhandlungen“ über den Verkauf von Tegut-Standorten. „Der Fokus aller Verhandlungen liegt darauf, nachhaltige Lösungen für die Mitarbeitenden, die Kundschaft und die Standorte zu finden“, teilt die Migros-Genossenschaft mit.

Wie das EHI berichtet, will Edeka 200 Tegut-Filialen übernehmen. Zudem ist die Übernahme des Logistikzentrums in Michelsrombach, der Herzberger-Bäckerei und der Smart Retail Solutions, die die Teo Smart Stores betreibt, geplant. Und wie das Bundeskartellamt die weitere Vergrößerung von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka letztlich beurteilt, wird sich zeigen müssen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Wettbewerbsbehörde den Fall mit Blick auf die Marktkonzentration sehr genau prüfen wird.

Die Hessenschau berichtet zudem, dass die Genossenschaft Migros Zürich, die als eine der zehn Genossenschaften eine Beteiligung von 32,3% an der Dachgesellschaft Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) hält, im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen bereits 2024 insgesamt 30 Tegut-Filialen verkauft und 120 Stellen abgebaut hat. Und auch im vergangenen Jahr fiel nach dem Bericht ein erneuter Verlust von 26 Mio. Schweizer Franken, respektive 30 Mio. Euro, an. Seit der Übernahme im Jahr 2013 soll sich der Gesamtverlust demnach auf 600 Mio. Euro summieren.

Die Kosteneinsparungen haben nicht gereicht

Wie die GMZ ausführt, ist es im vergangenen Jahr zwar gelungen, durch massive Kosteneinsparungen die operativen Verluste der Tegut-Gruppe um über die Hälfte zu verringern, doch habe sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft, so dass die Umsätze weiter gesunken sind. „Die umfassende Analyse der Situation hat deutlich gemacht, dass Tegut unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist“, begründet die Züricher Genossenschaft ihre Verkaufsentscheidung, die dem Unternehmen nach eigenen Angaben – auch mit Blick auf das große Engagement der Mitarbeiter – sehr schwergefallen ist.

Bei den eher höherwertigen Tegut-Supermärkten liegt der Schwerpunkt bei Bio- und Regionalprodukten. In der aktuell angespannten Wirtschaftslage greift das Gros der Deutschen aber häufiger nach preisgünstigeren Handelsmarken und Sonderangeboten oder geht gleich zum Lebensmittel-Discounter. Gemessen an den Wettbewerbern im deutschen Markt mit Tausenden von Filialen, die auch verstärkt auf „bio“ und „regional“ setzen, kann Tegut mit seinen 350 Filialen gegenüber den Herstellern bei den Preisverhandlungen zu wenig Gewicht in die Waagschale werfen und dürfte deshalb auch Preisnachteile haben.

Das Gewicht des gesamten Schweizer Migros-Verbunds scheint diesen Nachteil beim Einkauf nicht ausgleichen zu können. Das dürfte im Edeka-Verbund anders sein. Laut EHI Retail Institute Newsletter will Edeka im Zuge der Integration in die Märkte investieren, eine breitere Sortimentsvielfalt und wettbewerbsfähigere Preise bieten. Auch die Perspektiven für die regionalen und lokalen Lieferanten sollen verbessert werden. Als Vorbild soll dabei die Übernahme und Integration der Filialen von Tengelmann und der Schwester Kaiser’s Kaffee Geschäft dienen. Dabei seien die Arbeitsplätze nicht nur gesichert, sondern es seien weitere Stellen geschaffen worden.

Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender der Edeka-Zentrale in Hamburg, ist überzeugt, dass mit der aktuellen Einigung mit der GMZ für die Tegut-Märkte eine klare Zukunftsperspektive geschaffen wird. Dabei bietet aus seiner Sicht das genossenschaftliche Edeka-Modell mit seinen rund 3 200 selbstständigen Kaufleuten die besten Voraussetzungen. Die Geschäftsleitung der Migros Zürich geht beim Blick auf den Geschäftsabschluss davon aus, dass die finanziellen Auswirkungen der Transaktion auch im Jahresabschluss 2025 sichtbar sein werden. „Die Gesamtabwicklung führt zu außerordentlichen Aufwänden, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der Migros-Gruppe belasten werden“, teilt das Unternehmen mit.