Neubauvolumen Logistik

Rückgang auf Vor-Corona-Niveau

HIR DÜSSELDORF.Nachdem die Zahlen für das Neubauvolumen im Jahr 2024 noch nicht auf eine Flaute hindeuteten, zeigt das erste Halbjahr 2025 ein eher ernüchterndes Bild. Mit rund 1,7 Mio. qm wurde das schwächste Halbjahres-Ergebnis der vergangenen fünf Jahre registriert, wie der Logistikimmobilienberater Logivest nach Auswertung seines Zahlenmaterials feststellen musste. Basis der Datenerhebung ist dabei stets der Zeitpunkt des ersten Spatenstichs.

Nach einem schwachen Jahr 2023 und der beeindruckenden Stabilisierung des Neubauvolumens im Logistikimmobilienmarkt im Vorjahr hatte Kuno Neumeier, CEO der Logivest, in seinem Ausblick auf das laufende Jahr aber bereits Chancen und Herausforderungen gleichermaßen gesehen, war aber davon ausgegangen, dass die Projektpipeline nicht schrumpft.

Doch mit etwa 850 000 qm im ersten Quartal und knapp 830 000 qm im zweiten Quartal setzte sich die positive Entwicklung von 2024 Anfang dieses Jahres nicht fort: „Bei einem Grauen Markt von rund 3 Mio. qm und Leerständen im Bereich Bestandsimmobilien von über 8 Mio. qm, stehen die Neubauentwicklungen unter einem massiven Wettbewerbsdruck“, fasst der Logivest-CEO die Lage zusammen. In den vergangenen Jahren hatten die Halbjahreszahlen zum Teil deutlich über der Zwei-Mrd.-Euro-Marke gelegen.

Von einem Markteinbruch beim Neubauvolumen will Kuno Neumeier mit Blick auf das in der Branche in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt auf Grund des Booms während der Corona-Pandemie – erreichte hohe Niveau dennoch nicht sprechen: „Betrachtet man die Zahlen der vergangenen zehn Jahre, sieht man, dass wir schlicht auf ein Vor-Corona-Niveau gesunken sind. 2019 hatten wir ein ähnliches Ergebnis – in den Jahren zuvor lagen wir teils sogar noch deutlich darunter.“

Eine Überraschung erbrachten die Logivest-Zahlen im ersten Halbjahr auch bei den Top-Logistikregionen in Deutschland. Denn die Region Schwaben, die sich bislang im unteren Drittel der Rangliste bewegte, setzte sich mit einem Neubauvolumen von etwa 210 000 qm direkt an die Spitze. Damit konnte die Region ihr Ergebnis aus dem Jahr 2024 schon im ersten Halbjahr mehr als verdoppeln, wie der Logistikimmobilienberater berichtet.

Ausschlaggebend für diesen Sprung an die Sputze ist vor allem ein Projekt der Dietz AG in Langenau. Mit rund 63 000 qm ist die Built-to-suit-Immobilie für die Winkler Unternehmensgruppe bundesweit die drittgrößte Entwicklung des ersten Halbjahres 2025. Hinzu kommt die spekulative Entwicklung von Frasers Property Industrial in Günzburg, die mit ihren rund 50 000 qm, verteilt auf mehrere Hallen, gleichfalls zu der Spitzenplatzierung der Region Schwaben beigetragen hat.

Platz zwei belegt die Logistikregion Berlin, die mit 190 000 qm Neubaufläche ihr Jahresergebnis aus dem Jahr 2024 gleichfalls knapp verdoppelt hat. Das größte Projekt in der Region ist der Panattoni Park Berlin Ost II in Grünheide mit rund 55 000 qm, gefolgt von der spekulativen Entwicklung der MLP Group in Spreenhagen mit knapp 35 000 qm. Auf dem dritten Platz folgt mit Duisburg/Niederrhein laut Logivest eine der absoluten Top-Regionen, die mit rund 175 000 qm ein solides Halbjahresergebnis erreichen konnte. Mit knapp 72 000 qm ist der MLP Business Park Schalke nicht nur die größte Entwicklung in der Region, sondern auch bundesweit.

Die beiden Regionen München und Mitte D mit ihren Zentren Kassel und Bad Hersfeld schafften es dagegen nicht mehr in die Liste der Top Ten. Dass die Region Oberrhein es dagegen auch im ersten Halbjahr 2025 ins obere Drittel schaffte, ist dem zweitgrößten Projekt des ersten Halbjahres zu verdanken. Dabei handelt es sich um die rund 65 000 qm große Entwicklung der Logad GmbH für Galaxus in Neuenburg. Damit erweitert der Schweizer Online-Händler seinen Standort auf etwa 90 000 qm.

Eine positive Perspektive sieht der Immobilienberater Logivest für den Light Industrial Markt, der mit seinen rund 310 000 qm bereits eine deutliche Steigerung zum Vorjahresergebnis aufweisen kann. Dabei bezieht sich der Wert ausschließlich auf Light Industrial Immobilien und ist nicht in den 1,7 Mio. qm Neubauvolumen enthalten. Größtes Projekt in diesem Segment ist eine rund 50 000 qm große Eigenentwicklung von Körber Technologies in Hamburg. Die Kategorie Light Industrial Immobilien wurde 2024 erstmals von Logivest ausgewiesen, um dem größer werdenden Markt Rechnung zu tragen.

Aus Sicht von Neumeier zeigt die wachsende Zahl an Light-Industrial-Projekten, dass der Produktionsstandort Deutschland weiterhin attraktiv ist. Und auch bei den Logistikimmobilien sei die Projektpipeline  noch gut gefüllt: „Nun hängt es davon ab, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt und wie die Politik in Deutschland, aber vor allem in Europa, agiert“, stellt der Logivest-CEO fest.