Multi-Level-Logistik

Noch sind die Meinungen geteilt

Multi-Level-Objekt von Four Parx. Foto: Four Parx

rv DÜSSELDORF: Grundstücke sind in Deutschland knapp und teuer und die Konkurrenz um Bauland ist groß. Vor diesem Hintergrund will die Initiative Logistikimmobilien (Logix) in einer zweiteiligen Studie die Potenziale von Multi-Level-Logistik- und Gewerbeimmobilien in Deutschland und Europa untersuchen, die Hemmnisse ermitteln und die Wege aufzeigen, wie diese beseitigt werden können.

Eine erste Online-Umfrage unter mehr als 100 Fachleuten aus den Bereichen Projektentwicklung, Bau, Fachplanung, Mieter und Investoren hat nach Mitteilung der Initiative Logistikimmobilien (Logix) denn auch die Relevanz des Themas für die Branche bestätigt. Konkret haben sich demnach bereits mehr als 80% der Befragten mit Multi-Level-Logistik-Konzepten beschäftigt. Und mehr als 100 solcher Projekte könnten laut Logix hierzulande bis 2035 realisiert werden. „Treibende Faktoren sind die Flächenknappheit, hohe Grundstückspreise, der wachsende Bedarf an Last-Mile-Standorten sowie die steigende Bedeutung nachhaltiger Bauweise“, teilt die Initiative mit. Die Befragten erwarten, dass Multi-Level-Objekte vor allem bei Vertretern aus den Bereichen E-Commerce, Kontraktlogistik, Pharmalogistik, (Fach-)Großhandel sowie Produktion und Handwerk gefragt sein werden.

Allerdings treffen die mehrgeschossigen Logistikimmobilien nicht auf ungeteilte Zustimmung, wie Logix feststellt. Denn während Projektentwickler und Bauunternehmen den Projekten mehrheitlich positiv gegenüberstehen – der Entwickler Four Parx aus Dreieich hat mit Mach 2 (Foto) das erste Objekt dieser Art in Deutschland entwickelt – nehmen die Bauaufsichtsbehörden, Investoren und Finanzierer unter den Befragten eine skeptische oder ablehnende Haltung ein.

Dabei sehen die Skeptiker die größten Hemmnisse in den hohen Kosten und der geringen Rentabilität der Objekte, in der Unsicherheit, was die Drittverwendbarkeit anbelangt, den fehlenden Erfahrungen bei der Umsetzung der Projekte und dem bislang eher geringen Interesse und den Vorbehalten von Seiten der Investoren und der potenziellen Mieter. Die erste Studie unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr.-Ing. Roland Busch vom Lehrstuhl Ökonomie des Planens und Bauens an der Bergischen Universität Wuppertal, soll unter dem Titel „Multi-Level-Logistik. Flächeneffiziente Logistiklösungen im urbanen Raum“ im Oktober 2026 zur Immobilienmesse Expo Real vorgelegt werden.

Die Zurückhaltung bei einem Teil der Marktakteure erklärt Roland Busch auch damit, dass Multi-Level-Logistik zwar einige Potenziale bietet, hierzulande aber noch eine Ausnahmeerscheinung ist: „Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass die Vorteile durchaus wahrgenommen werden, decken aber auch Vorbehalte auf.“ Dazu gehören das Fehlen einheitlicher Baustandards und von klaren Richtlinien für Genehmigungsverfahren. In der ersten Studie geht es deshalb darum, diese Hemmnisse zu analysieren und Lösungswege zu erarbeiten, die dann in die Studie einfließen werden.

Die zweite Studie befasst sich u.a. mit der Erstellung einer Typisierung für Multi-Level-Logistik, der Kartierung von Objekten in Europa und der Durchführung von Best-Practice-Fallstudien zu Projekten sowie kommunalen Planungs- und Genehmigungsansätzen. Sie soll im Herbst 2028 vorgelegt werden.