rv DÜSSELDORF. Die im Verband der Pfandbriefbanken (VdP) zusammengeschlossenen Institute haben im ersten Halbjahr 2026 Immobiliendarlehen in Höhe von 80,4 Mrd. Euro ausgereicht. Damit ist das Neugeschäft gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,5% gestiegen. Die Gewerbeimmobilienfinanzierung wurde vor allem von Handelsimmobilien angetrieben. Im zweiten Halbjahr wird aber nur noch ein leichter Anstieg beim Neugeschäft erwartet.
Denn die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten, die Konjunkturschwäche hierzulande und die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt dürfte sich nach den Worten von Jens Tolckmitt, Geschäftsführer des Verbands der Pfandbriefbanken (VdP), auch dämpfend auf die Immobilienfinanzierung auswirken.
Treiber des Neugeschäfts bei den Pfandbriefbanken waren die Darlehen für Wohnimmobilien, die in den ersten sechs Monaten um 5,3% auf 50,1 Mrd. Euro gestiegen sind und die mit einem Anteil von 62,3% am Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung den mit Abstand größten Anteil ausmachten. Im Vorjahreszeitraum hatte das Neugeschäft bei 47,6 Mrd. Euro gelegen. Wie Tolckmitt allerdings einräumen muss, liegt die Darlehensvergabe „weiterhin deutlich unterhalb der Volumina, die vor der Zinswende erreicht worden sind“. Daran dürfte sich allerdings auch nichts ändern, da die Inflation angesichts der zahlreichen Krisen und kriegsbedingten Lieferengpässen auf den Weltmärkten auf absehbare Zeit nicht verschwinden wird. Hinzu kommt die mit mehr als 40 Billionen Euro außerordentlich hohe Verschuldung der Vereinigten Staaten, die dazu beiträgt, dass die Zinsen für Staatsanleihen weltweit steigen.
Im Einzelnen bildeten beim Neugeschäft auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt im ersten Halbjahr die Darlehen für Ein- und Zweifamilienhäuser mit einem Plus von 4% auf 23,2 Mrd. Euro den Schwerpunkt des Neugeschäfts, gefolgt von Mehrfamilienhäusern mit einem Wachstum von 7,3% auf 13,2 Mrd. Euro und Eigentumswohnungen mit einem Zuwachs von 6,7% auf 11,2 Mrd. Euro. Für sonstige wohnwirtschaftliche Objekte, wozu beispielsweise Bauland gerechnet wird, wurden Darlehen in Höhe von 2,5 Mrd. Euro ausgereicht.
VdP spricht sich für mehr Wohneigentum aus
Mit Blick auf die permanent diskutierte angespannte Lage auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt appellierte Tolckmitt an die Politik, die Bildung von Wohneigentum hierzulande stärker zu fördern, da die eigenen vier Wände nach wie vor die beste Altersvorsorge sei. Der im weltweiten Vergleich hohe Mieteranteil – in den deutschen Ballungszentren wohnen im Schnitt 80% der Menschen zur Miete – zeigt aus seiner Sicht, welch großes Potenzial in Deutschland noch in der Wohneigentumsförderung liegt. Einen wichtigen Anreiz zur Eigentumsbildung könnte aus seiner Sicht die Senkung der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer bilden.
Als die frühere Bundesbauministerin Klara Geywitz diesen Vorschlag seinerzeit zur Senkung der Baukosten unterbreitet hatte, teilte etwa das Bundesland Nordrhein-Westfalen, das den Spitzensatz von 6,5% erhebt, umgehend mit, dass eine Senkung der Grunderwerbssteuer nicht in Frage komme. Laut Tolckmitt würde die Senkung der Steuer den Fremdkapitalbedarf aber senken, sodass der Immobilienerwerb deutlich erschwinglicher werde. Dadurch würde aus seiner Sicht auch der Mietwohnungsmarkt entlastet.
Mit einer stattlichen Wachstumsrate von 14,3% beim Neugeschäft auf 30,3 Mrd. Euro – nach 26,5 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum – ist der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt sogar noch dynamischer ins erste Halbjahr 2026 gestartet als der Wohnimmobilienmarkt. Einen wesentlichen Anteil an der Belebung hatte die Finanzierung von Handelsimmobilien. Hier legte das Neugeschäft um 40,6% auf 9,0 Mrd. Euro zu. Die Immobilienfinanzierungen bei Büroimmobilien erhöhten sich um 9,6% auf 14,8 Mrd. Euro und bei Hotels um 9,1% auf 2,4 Mrd. Euro. Bei Industriegebäuden ging das Neufinanzierungsgeschäft um 16,5% auf moderate 0,5 Mrd. Euro zurück und bei sonstigen gewerblich genutzten Objekten um -5,3% auf 3,6 Mrd. Euro.
In diesem Umfeld entwickelten sich die Darlehensbestände bei Wohnimmobilien einerseits und bei Gewerbeimmobilien andererseits laut VdP gegenläufig. So führten die neu ausgereichten Wohnimmobiliendarlehen zum Stichtag 30. Juni zu einem Zuwachs des Bestands um 1,3% auf 762,9 Mrd. Euro. Der Bestand an Gewerbeimmobilienfinanzierungen sank dagegen um 3,5% auf 278,4 Mrd. Euro. Wie der Verband dazu feststellt, reichte das Neugeschäft im ersten Halbjahr 2026 damit weiterhin nicht aus, „um die Tilgungen zu kompensieren“. Mit 1.041,3 Mrd. Euro blieb der Bestand an Immobiliendarlehen damit auf Vorjahresniveau.



