Fachmarktzentren

Nachhaltige Wege zur Energieeffizienz

Der Energiebedarf bei Handelsimmobilien ist hoch. Foto: MEC

Der Klimawandel und der immense Druck, Energieverbräuche weiter zu reduzieren, haben die Bedeutung der energetischen Sanierung von Handelsimmobilien immer weiter in den Fokus gerückt. Als relevanter Sektor mit hohem Energiebedarf spielen Handelsimmobilien eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der ökologischen Herausforderungen.

Handelsimmobilien sind oft durch veraltete Technologien, ineffiziente Gebäudestrukturen und unzureichende Isolierung gekennzeichnet. Dies führt zu hohem Energieverbrauch und entsprechend hohen Betriebskosten. Energieintensive Beleuchtungs- und Klimatisierungssysteme sowie Warmwasseraufbereitungen sind typisch für den Handelsimmobiliensektor und belasten die Umwelt mit einem beträchtlichen CO2-Ausstoß. Die Herausforderung besteht darin, nachhaltige und kosteneffiziente Wege zu finden, um den Energieverbrauch in Handelsimmobilien zu reduzieren und ihre Energieeffizienz zu steigern.

Moderne Technologien, darunter auch Lösungen, die künstliche Intelligenz nutzen, spielen deshalb eine entscheidende Rolle bei der energetischen Sanierung in dieser Assetklasse. Gebäudeautomatisierungssysteme ermöglichen eine präzise Steuerung der Gebäudetechnik und optimieren den Energieverbrauch. Intelligente Sensoren und Internet-of-Things- Lösungen (kurz: IoT) bieten Echtzeitdaten zur Analyse des Energieverbrauchs und helfen dabei, Energieverschwendung zu identifizieren und zu reduzieren. Werfen wir einen genaueren Blick darauf: IoT-basierte Sensoren und Geräte ermöglichen eine präzise Echtzeitüberwachung des Energieverbrauchs und anderer wichtiger Daten der Immobilie wie Temperatur, Feuchtigkeit, Belegungszahlen der Räume und Lichtverhältnisse.

Durch die kontinuierliche Erfassung und Analyse dieser Daten erhalten Property- und Facility-Manager wertvolle Einblicke in den Gebäudebetrieb und können ineffiziente Abläufe oder unnötigen Energieverbrauch identifizieren. Diese intelligente Technik überwacht die Handelsimmobilie nicht nur, sie steuert sie auch.

Intelligente Algorithmen und Regelungen passen die Betriebsparameter automatisch an die aktuellen Bedingungen an und sorgen so für eine effizientere Energienutzung. Die Beleuchtung ist ein weiteres Schlüsselelement zur Steigerung der Energieeffizienz von Handelsstandorten. LED-Beleuchtungssysteme, die auf Tageslichtsensorik basieren, bieten eine kosteneffiziente und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Leuchtmitteln. Durch die Integration von Bewegungssensoren und intelligenten Beleuchtungssteuerungen kann der Stromverbrauch deutlich reduziert werden. Sind Handelsimmobilien statisch oder baulich nicht so ausgestattet, dass eine großflächige PV-Anlage zum Einsatz kommen kann, so sollte insbesondere die Warmwasseraufbereitung kritisch betrachtet werden. Durch geringen Aufwand kann eine Abkoppelung der konventionellen Warmwasseraufbereitung durch Solarthermie in den Sommermonaten zu einer Verbesserung der CO2-Bilanz beitragen und damit sinnvoll sein.

Doch nicht nur im Inneren der Handelsimmobilien muss sich etwas tun. Neben der Effizienzsteigerung der ablaufenden Prozesse und der Ertüchtigung der Gebäudetechnik ist auch ein genauer Fokus auf die Gebäudehülle notwendig. Vor allem bei vielen Fachmarktzentren stammt diese noch aus den 1980er-Jahren. Eine effiziente Dämmung ist von entscheidender Bedeutung, um den Wärmeverlust zu minimieren und den Heizbedarf zu senken. Moderne Dämmmaterialien und -technologien wie Wärmedämmverbundsysteme bieten eine effektive Isolierung und helfen, den Energiebedarf zu reduzieren und das Raumklima zu verbessern.

Auch die Betrachtung der Gebäudehülle ist wichtig

Oft sind ältere Türen und Fenster eine zusätzliche Schwachstelle. Tauscht man Letztere durch energieeffiziente Fenster mit Mehrfachverglasung und modernen Dichtungen, kann der Wärmeverlust reduziert und der Komfort im Gebäude signifikant erhöht werden. Bei der baulichen Sanierung der Immobilie sollte die vorhandene Bausubstanz auf mögliche Wärmebrücken überprüft und diese beseitigt werden, um den energetischen Zustand des Gebäudes zu verbessern.

Aber was nützt die beste Effizienz, wenn sie nicht ansprechend verpackt die Kunden anzieht? Der optische Auftritt einer Handelsimmobilie ist ein entscheidender Marketingfaktor für den Erfolg. Was dabei oft vergessen wird: Was schön aussieht, kann  auch energieeffizient sein. Die Wahl der richtigen Fassadenfarbe und -beschichtung kann die Sonnenreflexion optimieren und die Wärmeabsorption minimieren.

Hier kann auch die Natur helfen. Die Integration grüner Fassadenelemente wie Kletterpflanzen oder vertikaler Gärten kann nicht nur die Ästhetik einer Handelsimmobilie verbessern, sondern auch zur Wärmedämmung und Klimatisierung beitragen und die Umgebungstemperatur regulieren. Das Licht, das die Pflanzen an der Fassade zum Wachstum benötigen, würde sonst schnell das Innere des Gebäudes aufheizen.

Sie können dabei helfen, den Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung zu reduzieren und gleichzeitig das Tageslicht im Gebäude zu nutzen. Bei der Gebäudesanierung stehen moderne Formen der Energienutzung im Mittelpunkt. Und auch bei der Sanierung von Handelsimmobilien spielt die Integration erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle. Photovoltaikanlagen auf den oft großen Dachflächen von Fachmarktzentren oder an der Fassade erzeugen sauberen Strom und reduzieren die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Nutzung von Solarenergie kann nicht nur den Energieverbrauch des Gebäudes decken, sondern auch Überschussstrom ins Netz einspeisen und so eine zusätzliche Einnahmequelle für den Eigentümer darstellen. Eine weitere Nutzung mit Mehrwert-Charakter ist die Versorgung der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität auf den Parkplätzen des Centers.

Für ein flexibles Handeln der Eigentümer, im Hinblick auf die Ausrichtung ihrer individuellen PV-Strategie, wäre es wünschenswert, wenn die Gesetzgebung insbesondere aufgrund der Gewerbesteuerproblematik deutliche Signale setzt. Die energetische Sanierung von Handelsimmobilien darf aber nie ein Schnellschuss sein, sondern muss gut und vor allem vorausschauend geplant werden. Eine Lebenszyklus-Analyse ist für einen institutionellen Eigentümer äußerst wichtig, da sie eine ganzheitliche Betrachtung der Sanierungsmaßnahmen ermöglicht und langfristige wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen berücksichtigt.

Für Eigentümer von Handelsimmobilien ist es entscheidend, Investitionen strategisch zu planen und zu entscheiden, welche Maßnahmen die besten Ergebnisse sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit liefern. Welche Punkte sind in diesem Planungsprozess erfolgsrelevant? Es geht natürlich in erster Linie um Kosteneffizienz und Objektstrategie. Eine Lebenszyklus-Analyse ermöglicht es dem Eigentümer, die tatsächlichen Gesamtkosten aller Sanierungsmaßnahmen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes zu betrachten.

Nachhaltige Lösungen steigern den Immobilienwert

Darin sind nicht nur die anfänglichen Investitionskosten, sondern auch alle Betriebs- und Wartungskosten enthalten. Auf dieser Basis kann der Eigentümer fundierte Entscheidungen treffen und die kosteneffizientesten Maßnahmen identifizieren. So kann er unter Berücksichtigung seiner Objektstrategie Maßnahmen auswählen, die den Energieverbrauch langfristig reduzieren und den CO2-Ausstoß minimieren. Die Priorisierung nachhaltiger Lösungen trägt nicht nur zur Umweltverträglichkeit bei, sondern kann auch das Image des Eigentümers stärken und den Wert sowie die Attraktivität der Immobilie erhöhen. Durch die Analyse des gesamten Lebenszyklus des Gebäudes können alle am Prozess beteiligten Disziplinen besser verstehen, wie die Sanierungsmaßnahmen seine langfristige Werterhaltung und Wertsteigerung beeinflussen.

Sie hilft, strategische Finanzpläne zu entwickeln und Budgets für zukünftige Sanierungsmaßnahmen zu erstellen. Mit Blick auf die zu erwartende Lebensdauer und Wartungskosten der verschiedenen Gebäudekomponenten können Investitionen langfristig geplant und finanzielle Risiken minimiert werden. Die Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus bei der energetischen Sanierung sollte dazu beitragen, dass die Immobilie den geltenden Umweltstandards und Energieeffizienzvorschriften entspricht oder darüber hinaus geht, soweit insbesondere Anforderungen von Immobilienzertifizierung das notwendig machen. Dies ist für den institutionellen Eigentümer wichtig, um potenzielle rechtliche Risiken zu vermeiden, mögliche Sanktionen zu verhindern, ein rechtssicheres Reporting zu erstellen und die Immobilie langfristig transaktionssicher zu machen.

*) Der Artikel wurde dem MEC Fachmarktzentren Report 2023 entnommen.