Klimagerechte Innenstädte

Mehr Grün gegen Besucherschwund

Foto: R. Vierbuchen

HIR DÜSSELDORF. Die Wetterbedingungen spielen bei der Umsatzentwicklung insbesondere im Modehandel eine entscheiden Rolle. Zu viel Regen im Hochsommer belastet den Verkauf von Sommerware. Zu viel Sonne und Wärme – sprich: zu viel Hochsommer – ist auch wieder nicht gut fürs Sommergeschäft. Überhaupt zieht es an heißen und schwülen Tagen kaum jemanden in die Innenstädte.

Einer der Gründe dafür ist, dass die Deutschen in ihrer grenzenlosen Ordnungsliebe Versiegelungsweltmeister sind. Denn damit alles „seine Ordnung hat“ werden große innerstädtische Plätze mit Steinplatten oder Beton versiegelt. Es soll möglichst alles „wie geleckt“ aussehen, ohne Baum und ohne Strauch. Mit den häufiger werdenden Hitzeperioden in einigen Sommern heizen sich die Stadtzentren dann noch stärker auf, was die Frequenz spürbar sinken lässt, die aus Sicht des stationären Einzelhandels in den vergangenen beiden Jahren ohnehin nicht berauschend war. Nach einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) verzeichnete fast die Hälfte (49%) der Befragten aus 600 Handelsunternehmen in diesem Zeitraum „sinkende Frequenzen“ und 28% sogar „deutlich sinkende“ Frequenzen. Immerhin 16% verzeichneten „keine“ Veränderung und 6% „steigende“ Frequenzen.

Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden wie in diesem Jahr spricht sich der HDE für eine stärkere Ausrichtung der Stadtentwicklung auf die sichtbaren Folgen des Klimawandels aus und fordert mehr Grünflächen in den Innenstädten, schattenspendende Bäume und Wasserangebote, um die Aufenthaltsqualität auch bei hohen Temperaturen zu verbessern. In diesem Kontext müssten Flächen vermehrt auch wieder entsiegelt werden – auch um die Versickerung von Regenwasser zu gewährleisten. Stichwort: Schwammstadt.

„Innenstädte müssen auch an heißen Tagen attraktive Aufenthaltsorte bleiben und dürfen nicht zu den wärmsten Bereichen einer Stadt gehören“, begründet HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth die Forderung. Nach Beobachtung des Verbands führen Hitzephasen in den Stadtzentren regelmäßig zu sinkenden Besucherzahlen. Das gilt vor allem wenn schattige und begrünte Bereiche fehlen. Dabei sieht Genth die Städte vor dem Spagat, einerseits die klimaangepasste Innenstadt mit grüner und blauer Infrastruktur zu schaffen und gleichzeitig eine „optimale Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln“ sicher zu stellen, also auch mit Autos. Des Weiteren fordert er im Sinne der Nachhaltigkeit, dass ressourcenschonend gebaut und stärker auf erneuerbare Energien gesetzt wird.

Wie der HDE berichtet, liegen bereits viele Ansätze für einen klimagerechten Umbau von Innenstädten vor. Als Mitglied des Beirats Innenstadt und der Autorengruppe zur Innenstadtstrategie des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat sich der Verband an der Entwicklung entsprechender Ziele und Instrumente zum Umbau der Cities beteiligt. Zwar hat das Umdenken bei den Kommunen längst eingesetzt, allein, vielerorts fehlen die personellen und finanziellen Ressourcen für einen solchen mehrschichtigen Prozess. Hier sieht Genth aber auch die örtliche Kaufmannschaft in der Pflicht. Deshalb sind aus seiner Sicht innovative Konzepte und passende Förderprogramme gefragt.