rv DÜSSELDORF.Im Jahr 2025, das der Handelsverband Deutschland als verlorenes Jahr für den privaten Konsum einstuft, hat die Branche im Weihnachtsgeschäft aber immerhin die Prognose von 1,5% Umsatzwachstum auf 126,2 Mrd. Euro erfüllt. Auch wenn damit real nur das Vorjahresniveau erreicht werden konnte. In einem herausfordernden Umfeld prognostiziert der Verband für 2026 ein Umsatzwachstum von nominal 2,0% – nach 3,0% im Jahr zuvor. Die Inflationsrate lag zuletzt bei 2,2%.
Nachdem der Handelsverband Deutschland (HDE) in seiner Jahrespressekonferenz davon ausgeht, dass der private Konsum mit 0,5% in diesem Jahr schwächer wachsen wird als 2025 mit nominal 1,4% und davon viel Geld in die Bereiche Gesundheit und Mobilität fließen wird, sieht Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, für den deutschen Einzelhandel auch 2026 wenig Spielraum für Wachstum. Zumal Entlastungen wie etwa die ursprünglich geplante Absenkung der hohen Energiepreise auf ein tragfähiges europäisches Niveau für alle Verbraucher nicht in Sicht sind. Und für große Anschaffungen sind die Deutschen laut Genth – nicht zuletzt auf Grund der vielen Krisen – zu sehr verunsichert.
Das zeigt auch der Blick auf das HDE-Konsumbarometer, das im Februar zwar eine leichte Stimmungsaufhellung anzeigt, der Index aber insgesamt auf einem niedrigen Niveau bleibt. Laut Genth ist die Stimmung noch nicht wieder auf das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 zurückgekehrt. Das spürt auch der Einzelhandel, wie eine Umfrage des HDE unter knapp 600 Unternehmen ergab. So rechnet nur gut ein Fünftel der Befragten (23%) mit einer Umsatzentwicklung, die „deutlich“ oder „leicht“ über dem Vorjahresniveau liegt, wie Alexander von Preen, Präsident des HDE, berichtet. Mit einem Umsatz, der „leicht“ oder „deutlich“ unter Vorjahresniveau liegt, rechnen mit 49% mehr als doppelt so viele. Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen laut von Preen nur 14% als „gut“ und 37% als „schlecht“. Als „befriedigend“ bezeichnet aber fast die Hälfte (49%) der Befragten ihre Lage.
Vor diesem Hintergrund prognostiziert der HDE-Präsident für 2026 für die Branche ein Umsatzwachstum von nominal 2% auf 697,4 Mrd. Euro, wobei der stationäre Einzelhandel (siehe Grafik) nominal um 1,6% (real: 0,0%) auf 601,1 Mrd. Euro wachsen soll und der Online-Handel um nominal 4,4% (real: 3,5%) auf 96,3 Mrd. Euro. Potenzial erwächst dem Internet-Handel nach seinen Worten durch die älteren Verbraucher, die sich mit diesem Vertriebsweg zunehmend anfreunden.
Die größten Sorgen (81% der Nennungen) bereitet dem Einzelhandel laut HDE-Umfrage 2026 die Kaufzurückhaltung der Bundesbürger, die ein substanzielles Umsatzwachstum verhindern dürfte, gefolgt von den Belastungen des Mittelstands und die Bürokratie (59%) sowie die Preisentwicklung (46%). Deshalb fordert die Mehrheit der Befragten (75% der Nennungen) von der Politik 2026 einen spürbaren Abbau der Bürokratie, eine Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge bzw. ihre Begrenzung auf 40% sowie Steuerentlastungen für die Unternehmen und eine Senkung der Stromsteuer bzw. der Energiekosten, damit die Unternehmen bei moderater Umsatzentwicklung die Kosten im Griff behalten. Ein weiterer Anstieg der Arbeitskosten hätte aus Sicht der Mehrheit (77%) negative Effekte für die Beschäftigung.



