Baukultur bei Fachmärkten

Kauflands attraktive „Standortinszenierung“

Ein weitläufiger Foodcourt schafft Ambiente. Foto: Kaufland

rv DÜSSELDORF. Nach Jahrzehnten des Kampfes um den günstigsten Preis hat sich der deutsche Lebensmittelhandel darauf besonnen, dass auch der Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs heute mit Erlebnis, Qualität und Freizeit verbunden sein muss. Das berücksichtigt auch der Lebensmittelhändler Kaufland mit seinem neuen Konzept in Bergkamen-Rünthe, das jüngst mit dem Fachmarkt Star prämiert wurde.

Den Flachmännern auf der „grünen Wiese“ – darunter versteht der Insider SB-Warenhäuser und große Verbrauchermärkte – konzedierten Investoren Anfang der 2000er-Jahre keine Lebensdauer von 30 Jahren. Entsprechend gering war ihr Interesse an den in schlichter Bauweise schnell hochgezogenen Flachdachhallen auf der grünen Wiese. Seit der Finanzmarktkrise 2008/09 und der Corona-Pandemie ist aber klar, welche elementare Bedeutung die Mieter dieser Fachmärkte als Versorger mit Gütern des täglichen Bedarfs haben – und damit auch diese Immobilien.

Mit der qualitativen Aufwertung ihrer Sortimente investierten Deutschlands Lebensmittelhändler in den vergangenen Jahren auch verstärkt in die Verkaufsräume und die Immobilieneigentümer in die Aufwertung der äußeren Optik und der Architektur. Um diese Entwicklung zu unterstützen und einen neuen Anreiz zu schaffen, wurde vor fünf Jahren mit dem „Fachmarkt Star“ im Kontext des jährlichen Fachmarktimmobilien-Kongresses, den die dfv Conference Group in Kooperation mit Heuer Dialog veranstaltet, ein neuer Preis für die Branche konzipiert.

Wie Johannes Blank, Geschäftsführer von Blank Real Estate sowie Juror und Mit-Initiator des Preises, in diesem Kontext verdeutlicht, gewinnt Baukultur in der Fachmarktbranche an Bedeutung: „Eine anspruchsvolle Architektur und eine bedachte Konzeption können einen Fachmarktstandort zu einer Marke machen und damit den nachhaltigen Erfolg aller Beteiligten sichern“, so seine Überzeugung. Damit wird auch für Investoren die Wertigkeit dieser Anlage-Klasse, die inzwischen zur Core-Kategorie gezählt wird, nochmals unterstrichen. Der Branchenpreis soll Unternehmen auszeichnen, die auf einem gesättigten Markt für Einzelhandelsimmobilien erfolgreich neue Wege gehen und die sich als erfolgreiche Trendsetter erweisen.

Ein Beispiel für diese Baukultur und ein zukunftsweisendes Filialkonzept ist der neue 5 000 qm große Kaufland-Markt in Bergkamen-Rünthe, der im vergangenen Jahr den „Fachmarkt Star“ in der Kategorie „Neubau“ erhalten hatte, den der Expansionsleiter Deutschland Christian Zehnpfenning entgegennehmen durfte. Hier würdigte die Jury vor allem „die attraktive Standortinszenierung“.

Offene Architektur und weitläufiger Foodcourt

Dazu zählt die offene Architektur, die großzügige Gestaltung der Fachabteilungen, das neue weitläufige Foodcourt-Konzept und der Sitzbereich für soziale Kontakte sowie die Gestaltung der angeschlossenen Fachgeschäfte. Durch diese Elemente würde den Besuchern beim Lebensmitteleinkauf ein „echtes Einkaufserlebnis“ geboten, urteilten die Juroren.

Eine klare Inszenierung der Verkaufsfläche sei im Zeitalter der Digitalisierung „das Pflichtprogramm eines Händlers“, bestätigt auch Angelus Bernreuther, Leiter der Zentralbereiche Investor Relations und Marketing bei Kaufland: Breite Gänge und niedrige Regale sollten den Einkauf möglichst komfortabel gestalten. Dabei fungieren der Foodcourt und die Zone der Konzessionäre als soziale Treffpunkte.

Der Kaufland-Markt war 2019 in Bergkamen-Rünthe eröffnet worden und bietet nach Unternehmensangaben auf den 5 000 qm eine vielfältige Auswahl von 30 000 Artikeln. Wie Bernreuther erläutert, erkennt der Kunde die jeweiligen Fachabteilungen intuitiv über farbige, großflächige Wandgestaltungen mit entsprechender Beschriftung, so dass die große Auswahl greifbarer werde. Besonders inszeniert werden die Frischebereiche mit Obst- und Gemüse, der Backshop und die Frischetheken einschließlich des Angebots an Meeresfrüchten.

Diese Kernelemente werden laut Bernreuther heute bei allen Kaufland-Neubauten eingesetzt, aber auch ein Großteil der Bestandsmärkte – auch in Europa – wurde in den vergangenen Jahren schon in ähnlicher Weise umgerüstet und weitere sollen folgen. Dabei wird die Bedeutung der Gastronomie und weiterer Erlebniskomponenten für alle Handelsimmobilien und Handelsimmobilienlagen zunehmen. Deshalb seien moderne Foodcourt-Konzepte (Foto: Kaufland) an den Standorten, an denen es möglich sei, integraler Bestandteil bei der Fortentwicklung der Bestandsfilialen und natürlich auch bei Neubauten, so Bernreuther weiter.

Foodcourt- und auch Konzessionärskonzepte in Anlehnung an Bergkamen-Rünthe gibt es europaweit inzwischen in mehr als 100 Kaufland-Märkten. Jüngste Beispiele in Deutschland finden sich in den Kaufland-Märkten in Esslingen und in Bremen-Vegesack. In Europa gilt das für den Markt in Iasi-Pacurari in Rumänien, in Povaska-Bystrica in der Slowakei oder bei Kaufland in Sofia-Banishora in Bulgarien.

Die Bedeutung der Gastronomie wird zunehmen

Bei der Strategie der Modernisierung und Aufwertung will Kaufland aber seinen Grundsätzen, eine große Auswahl zu günstigen Preisen zu bieten, treu bleiben. Man könne sicherlich von einem Trading-up sprechen, stellt Bernreuther fest, dabei lege das Unternehmen aber sehr viel Wert auf Schlichtheit und Funktionalität, die zu dieser Kernpositionierung passe. Das würden auch die Kunden erwarten.

In punkto Standort bietet Kaufland sein Konzept im modernen Stand-Alone-Supermarkt, im Fachmarkt- und im Einkaufszentrum bis hin zur Innenstadt mit Größen ab 2 500 qm Verkaufsfläche an. Aber auch für Mischobjekte mit weiteren Nutzungen wie Büros, Wohnen oder auch Hotels ist das Unternehmen offen. „Die Foodcourt- und Konzessionärskonzepte passen wir dabei immer den örtlichen Gegebenheiten von der Nutzungsstruktur, aber natürlich auch von der möglichen Dimensionierung her an“, so Bernreuther.