Rewe Group

Hohe Investitionen in die Zukunft

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rv DÜSSELDORF. Das Jahr 2025 war für die Kölner Rewe Group ein denkwürdiges Jahr. Zwei Jahre vor dem 100. Geburtstag hat Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler beim Gesamtaußenumsatz, der auch die Erlöse der selbstständigen Rewe-Kaufleute umfasst, die 100 Mrd.-Euro-Marke erreicht. Dass der Ertrag dennoch spürbar unter dem Wert des Jahres 2024 lag, begründet die genossenschaftliche Rewe Group mit beachtlichen Investitionen in die Zukunft des Unternehmens.

Konkret erhöhte sich der Außenumsatz der Kölner Rewe Group im vergangenen Jahr – trotz der sehr herausfordernden Rahmenbedingungen auch für den deutschen Lebensmittelhandel – um 4,0% auf 100,4 Mrd. Euro. Nach den Worten von Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group, hat das Unternehmen in allen Geschäftsfeldern sehr hart für diesen Erfolg gearbeitet, um die besten Angebote und Services zu bieten. Im deutschen Lebensmittelhandel mit Tausenden von Supermärkten und einigen Großflächen erzielte das Unternehmen ein Wachstum von 3% und die Discount-Kette Penny, die sich angesichts der deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten im Preiskampf behaupten musste, legte noch um 0,7% zu.

Der Bereich Rewe Handel International, der die Lebensmittelmärkte (Vollsortimenter) der Marken Billa, Bipa und ADEG in Österreich, die Vollsortimenter der Marken Billa und IKI in einigen mittel- und osteuropäischen Ländern sowie Penny International umfasst, konnte seine Erlöse im vergangenen Jahr sogar um 4,8% steigern. Die absoluten Zahlen wurden noch nicht genannt, dürften mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2025 im Sommer aber vorliegen. Der Konzern-Umsatz stieg um 3,7% auf 91,1 Mrd. Euro.

Die bereits erwähnten 1 620 selbstständigen Rewe-Kaufleute der Genossenschaft konnten ihre Erlöse nach Unternehmensangaben sogar um 7,2% auf 20,4 Mrd. Euro steigern. Der Erfolg dieser Kaufleute liegt darin, dass die Läden von engagierten Unternehmern vor Ort mit großer Nähe zur Kundschaft geführt werden, die aber gleichzeitig davon profitieren, dass sie ihre Ware über die riesige Rewe Group mit ihren günstigen Einkaufskonditionen beziehen können. Damit ist es ihnen möglich, sich im harten deutschen Preiswettbewerb zu behaupten. Innerhalb der Genossenschaft bilden die selbstständigen Kaufleute eine wichtige Säule des Erfolgs.

Im Rahmen der Wachstumsstrategie soll dieses Modell deshalb auch weiter gestärkt und ausgebaut werden. Daneben werden die anderen Rewe- und Penny- Märkte von der Zentrale aus als Regie-Betriebe mit Filialleitern betrieben. Der genossenschaftliche Hamburger Edeka Verbund ist ähnlich konzipiert, beschränkt sich bei seinem Engagement aber vornehmlich auf den deutschen Markt und ist hier größer als die Rewe Group. In Deutschland erzielte der Verbund 2025 einen Umsatz von 77,3 Mrd. Euro (+2,7%). Die 3 200 selbstständigen Edeka-Kaufleute erzielten im Vorjahr Erlöse in Höhe von 42,7 Mrd. Euro.

Ein wichtiges Standbein jenseits des Lebensmittelhandels ist bei Rewe noch die Tourismus-SparteDERTour Group, die im vergangenen Jahr um 18% auf 10,8 Mrd. Euro wachsen konnte. Allein in Deutschland erhöhte sich die Zahl der Gäste um 4,5%. Getragen wird das Wachstum laut Souque von zwei Trends: Einerseits wünschen sich die Gäste erschwinglichen Luxus als Ausgleich für den stressigen Alltag, andererseits gewinnen vor allem bei jüngeren Zielgruppen individuelle Erlebnisse – gegenüber dem materiellen Konsum – an Bedeutung. Dazu gehören Nischensegmente wie maßgeschneiderte Sport- oder Fernreiseerlebnisse.

Einführung eines eigenen Kundenvorteilprogramms

Dass das Ergebnis von Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebit) trotz des erfolgreichen Geschäftsverlaufs mit gut 1,5 Mrd. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von knapp 2 Mrd. Euro blieb, begründet Telerik Schischmanow, Finanzvorstand der Rewe Group, damit, dass der Lebensmittelhändler im Vorjahr – wie geplant – u.a. mit der Einführung seiner eigenen Kunden-Vorteilsprogramme in Deutschland seine Zukunftsfähigkeit sichern und in die Absicherung eines langfristig profitablen Wachstums investieren wollte. Zu den Highlights dieses Mehrwerts gehören der „Rewe Bonus“ in der „Rewe App“ und die „Penny App“, die nach Unternehmensangaben vom Start weg die Erwartungen übertroffen haben. Inzwischen sind über 11 Mio. Menschen Nutzer des Rewe Bonus und weitere 7 Mio. Kunden sind bei Penny registriert. Der Rewe App wurde 2025 noch eine Zahl-Funktion beigefügt.

So blieben die Investitionen im Vorjahr mit 2,5 Mrd. Euro auf einem unvermindert hohen Niveau. Zu den weiteren Investitionsschwerpunkten gehörten die Digitalisierung, KI-Einsatz und Automatisierung, der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur (IT, Lager, Logistik), die weitere Erhöhung des Immobilien-Eigentums und schließlich das wichtige Store-Modernisierungsprogramm in allen Geschäftsfeldern. Darüber hinaus haben sich auch das volatile wirtschaftliche Umfeld, die laufenden Kostensteigerungen bei Personal und allen wesentlichen Sachkosten sowie der harte Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel mindernd auf die Ergebnisentwicklung ausgewirkt.

Kurz vor Bekanntgabe der Jahreszahlen hatte Rewe mitgeteilt, dass der Vorstand mit der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) einen Vertrag über die mögliche Übernahme von bis zu 40 Tegut-Märkten unterzeichnet hat. Neben dem Hamburger Edeka-Verbund, der wesentliche Teile des Tegut-Netzes übernehmen will, tritt Rewe damit als zweiter Interessent auf. Wie der Handelsimmobilien Report Anfang April berichtete, will sich die Schweizer Migros aus dem deutschen Markt zurückziehen und die deutsche Tochter Tegut verkaufen. Es war den Schweizern nach der Übernahme 2013 nicht gelungen, die deutsche Tochter dauerhaft in die Gewinnzone zu bringen. Für den hart umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt war Tegut mit 350 Filialen zu klein. Wie Rewe mitteilt, ist geplant, den Großteil der Standorte in das Vertriebsnetz von Rewe zu integrieren. Die übrigen sollen von Penny betrieben werden.

Im Einzelnen sollen die Tegut-Märkte modernisiert und in die Sortiments- und Logistiksysteme von Rewe eingebunden werden. Die zeichnen sich durch ihre Warenverfügbarkeit, die klaren Sortimente, ein starkes Eigenmarkenportfolio und ein stabiles Preisniveau aus. Wie Rewe versichert, soll die Nähe zu regionalen Produzenten erhalten bleiben, genauso wie die Versorgung mit Bio- und hochwertigen regionalen Produkten, die für Tegut so charakteristisch sind. Den Tegut-Beschäftigten soll ein Jobangebot unterbreitet werden. Die Übernahme steht aber – genauso wie bei Edeka – noch unter dem Vorbehalt, dass das Bundeskartellamt zustimmt. Mit Blick auf die starke Marktposition von Edeka und Rewe ist davon auszugehen, dass die Wettbewerbshüter genau prüfen werden. Immerhin ist die Konzentration im Lebensmittelhandel mit Edeka, Rewe, Aldi und Schwarz-Gruppe (Kaufland und Lidl) sehr hoch.