Ceconomy AG: JD.com-Beteiligung

Hoffnung auf mehr Wachstumsdynamik

Ein großes Filialnetz in elf europäischen Ländern. Foto: Media Markt

rv DÜSSELDORF: Im Nahhinein wirkt es wie ein Ohmen für eine größere Veränderung im Unternehmen, als der frühere Vorstandsvorsitzende der Ceconomy AG, Karsten Wildberger, im Mai unerwartet als CDU-Minister für Digitales und Staatsmodernisierung ins Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz wechselte. Der geplante Einstieg des weltweit führenden chinesischen Anbieters von Technologie und Dienstleistungen in der Supply Chain und Markenplattform, JD.com, könnte Wildbergers Entscheidungsprozess beschleunigt haben.

Mit dem Einstieg von JD.com, die bei Bekanntgabe der geplanten Beteiligung an der Ceconomy AG mit den beiden Ketten Media Markt und Saturn (Foto: Media Markt Saturn) verbindliche Zusagen für rund 32% des Aktienkapitals hatte, verabschieden sich langjährige Anteilseigner wie das Duisburger Familienunternehmen Franz Haniel & Cie, bislang mit 16,7% beteiligt, die Beisheim Stiftung des früheren Metro-Gründers Otto Beisheim und sowie Freenet.

Die Beteiligungsgesellschaft Convergenta, die die Interessen der Familienmitglieder von Erich Kellerhals, dem inzwischen verstorbenen Gründer der Fachmarkt-Kette Media Markt, gibt nur einen kleinen Anteil von 3,81% ihres Gesamtpakets von 29,2% ab und bleibt mit 25,4% ein maßgeblicher Anteilseigner. Der Angebotspreis lag bei 4,60 Euro je Aktie.

Dass die Entscheidung unter den genannten Beteiligten offenbar ziemlich einvernehmlich gefallen ist, lässt sich daran ablesen, dass die Ankeraktionäre und die Gründerfamilie, der Aufsichtsrat und der Vorstand von Ceconomy sich einig sind, dass JD.com ein finanzstarker und vertrauenswürdiger Partner ist, der für eine hervorragende Kundenerfahrung und branchenführende Service-Standards im Bereich eCommerce-Logistik bekannt ist“, wie das Unternehmen bei Bekanntgabe der Transaktion in seiner Mitteilung am 30. Juli schreibt. Allerdings sind nicht alle mit von der Partie. Die Meridian Stiftung, die 11,1% des Ceconomy-Kapitals hält, will sich das Angebot in Ruhe anschauen, und dann entscheiden, wie die FAZ berichtete.

Die Ceconomy AG, die mit ihren beiden Fachmarkt-Ketten Media Markt und Saturn in den vergangenen Jahren bereits eine langwierige Phase der Umstrukturierung durchlaufen hat und dabei auf die Straffung unternehmerischer Prozesse und vor allem der Logistik setzte, erhofft sich laut Pressemitteilung von der Partnerschaft, dass JD-com „seine fortschrittliche Technologie, seine führende Omnichannel-Handelsexpertise sowie seine internationalen Lieferketten-, Logistik- und Lagerkapazitäten (…) einbringt“.

Eine Vereinfachung erhofft man sich zudem bei der Eigentümerstruktur, sodass Europas größte Elektrofachmarkt-Kette mit über 1 000 Filialen und einem Jahresumsatz von etwa 22 Mrd. Euro darauf hofft, Wachstumschancen künftig schneller und besser nutzen zu können. Oder den laufenden Wachstumskurs zu forcieren, wie der aktuelle Ceconomy-CEO Kai-Ulrich Deissner ergänzt. Er erhofft sich von dem neuen Partner, der sich laut ntv bereits eine Mehrheitsbeteiligung gesichert haben soll, dass es Ceconomy in Zukunft gelingen wird, den Wandel im europäischen Einzelhandel anzuführen.

Ceconomy soll den Wandel in Europa anführen

Zu den zentralen Themen wird gehören, Ceconomy dabei zu unterstützen, die Digitalisierung des Kerngeschäfts voranzutreiben und seine Technologieplattform weiterzuentwickeln, die Logistiknetzwerke und das Lieferkettenmanagement zu verbessern und das Wachstum im digitalen Bereich voranzutreiben. Vor allem das Thema Verbesserung der Logistik und des Lieferkettenmanagements ist für Media-Markt und Saturn deshalb von großer Bedeutung, weil unter Ägide der Muttergesellschaft Metro früher jeder einzelne Markt eine rechtlich selbstständige Gesellschaft war, an der auch der Filialleiter anteilig beteiligt war. Die Konsequenz war lange Jahre eine dezentrale Beschaffungsstruktur, die sich beispielsweise beim Online-Vertrieb als sehr nachteilig erwies.

Beim Blick in die gemeinsame Zukunft verspricht Sandy Xu, CEO von JD.com, dass die „Partnerschaft mit Ceconomy Europas führende Plattform der nächsten Generation für Unterhaltungselektronik schaffen wird.“ JD.com, die zuletzt einen Umsatz von 159 Mrd. $ erzielte, erlangt mit dieser Beteiligung Zugang zum europäischen Markt und zu einem der größten Online-Shops für Elektroartikel in Europa. Zusammen mit dem Netz aus über 1 000 etablierten Media-Markt- und Saturn-Filialen hat das Unternehmen damit auch direkten Zugang zum Endkunden.

Wie ntv berichtet, wollen die Chinesen mit diesem Schritt auf den europäischen Kontinent unabhängiger vom Heimatmarkt werden. Mit seinen eigenen Lieferketten sei JD.com eines der größten privatwirtschaftlichen Unternehmen in der Volksrepublik und seit gut zehn Jahren an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Wie es weiter heißt, hatten die Chinesen zuvor ihre Fühler auch auf dem britischen Markt ausgestreckt, der für viele internationale Unternehmen meist der Ausgangspunkt für den Einstieg in den europäischen Markt darstellt. Gespräche mit dem Elektronikhändler Currys hätten aber zu keinen Ergebnissen geführt. Interesse weckte in Großbritannien vor allem das Filialnetz und das Lagerhausnetzwerk für die weitere Expansion nach Europa. Mit den mehr als 1 000 eingeführten Filialen in elf Ländern bietet Ceconomy dafür gute Voraussetzungen. Das spart viel Zeit und Geld. Beides ist notwendig, um ein eigenes starkes Vertriebs- und Logistiknetz aufzubauen.

Als Zugabe bekommt JD.com mit der Ceconomy-Übernahme auch den Fuß in die Tür zum französischen Markt, über die französische Elektronikhandelskette Fnac Darty, an der Ceconomy mit gut 23% der Aktien beteiligt ist. „Der Anteil an Fnac Darty bleibt", bekräftigt Ceconomy-Chef Deissner: „Wir betrachten ihn als langfristige strategische Option, an der wir festhalten.“