rv DÜSSELDORF. Der Online-Handel, die Corona-Pandemie und das veränderte Kaufverhalten insbesondere der jüngeren Generationen haben in der Einzelhandelslandschaft und damit auch in den Innenstädten bereits sehr viel verändert. Die schwache Konsumkonjunktur im Rahmen des aktuell schwierigen konjunkturellen Umfelds in Deutschland lässt den Handelsverband Deutschland (HDE) befürchten, dass auch 2026 wieder Tausende Geschäfts schließen müssen.
„Die Lage ist bei vielen vor allem mittelständischen Händlern ernst“, stellt HDE-Präsident Alexandervon Preen zusammenfassend fest: „Das Umfeld mit der seit Jahren vor sich hin dümpelnden Konsumlaune ist schwierig.“ Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hat der für die Innenstädte so wichtige Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren 2025 im Vorjahresvergleich einen Umsatzrückgang von real -0,3 und nominal -0,8% hinnehmen müssen, nachdem die Branche nach Feststellung des Handelsverbands Textil, Schuhe, Lederwaren (BTE) das Umsatzvolumen des Vor-Corona-Jahres 2019 noch nicht wieder erreicht hat.
„Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen“, zählt von Preen vor diesem Hintergrund weiter auf und eine Besserung ist nach der Entwicklung der Zahlen des Handelsverbands Deutschland in den vergangenen Jahren vorerst nicht in Sicht ist. So könne und so dürfe es nicht weiter gehen. Denn der Einzelhandel ist das Rückgrat lebendiger Innenstädte, da die Menschen primär zum Einkaufen in die Stadtzentren gehen – auch wenn weitere Nutzungen wie Gastronomie oder einfach nur attraktive öffentliche Treffpunkte an Bedeutung gewinnen.
Um diese schwierige Phase zu überstehen, braucht der innerstädtische Einzelhandel laut von Preen bessere Rahmenbedingungen und dafür sieht er auch die Politik in der Pflicht – vor allem mit Blick auf die hohen Strompreise in dieser energieintensiven Branche und die weiter steigenden Lohnkosten: „Die Stromsteuer muss endlich für alle runter, bei den Lohnnebenkosten braucht es einen Deckel bei 40%“, stellt von Preen dazu fest. Bislang gibt es hierzulande nur für einige energieintensive Industriezweige ermäßigte Strompreise. Eigentlich sollten die Strompreise für alle gesenkt werden, auch für die Verbraucher.
Unter den wirtschaftlich schwierigen Bedingungen erwartet der Handelsverband Deutschland in seiner aktuellen Prognose, dass in diesem Jahr weitere 4 900 Geschäfte verloren gehen werden, sodass die Zahl der Läden auf voraussichtlich 296 600 sinken wird. Vor zehn Jahren lag die Zahl deutschlandweit noch bei 366 800. Doch seither sind jährlich im Schnitt laut HDE 4 500 Geschäfte geschlossen worden. „Besonders bitter waren die Corona-Jahre zwischen 2020 und 2023, da stieg der Wert teilweise auf über 11 000“, stellt der Verband mit Blick auf die vielen Insolvenzen in dieser Phase fest.
Sollte sich an diesem Ladensterben nichts ändern, befürchtet der HDE, dass immer mehr Stadtzentren Kipppunkte erreichen. Bereits heute ergeben Umfragen des IFH Köln, dass ein wesentlicher Teil der befragten Stadtbesucher das Einzelhandelsangebot in vielen Städten als eher langweilig empfinden. Ein weiteres Ausdünnen des Angebots dürfte den Trend verstärken.
Forderung nach umsatzorientierten Mieten
Aber auch an die Adresse der Vermieter richtet der HDE-Präsident einen Appell: Die Immobilieneigentümer müssten sich auch im eigenen Interesse „noch mehr auf umsatzorientierte Mieten einlassen“, findet er. Denn hier fließt die tatsächliche Geschäftsentwicklung des Mieters mit ein. Leerstand als Folge überhöhter Mieten, die ein Einzelhändler am Standort nicht erwirtschaften kann, nutzt auch dem Vermieter nichts. Und die Boomzeiten, in denen Einzelhändler hohe Summen für Schlüsselgeld ausgaben, um sich einen guten Standort zu sichern, sind lange vorbei.
Mit Blick auf die große Bedeutung, die auch die Gestaltung des öffentlichen Raums – wie beispielsweise Ruhezonen – für die Belebung der Innenstädte und damit auch für die Geschäfte des Einzelhandels und der Gastronomie haben, appelliert der HDE auch an das Bundesbauministerium und die Kommunen, noch größere Anstrengungen für die Belebung der Innenstädte zu unternehmen. Beispielsweise auch auf indirektem Wege, indem die Einzelhändler ihre Ausgaben für Investitionen in ein sauberes und attraktives Umfeld besser abschreiben können.
Wie der HDE-Präsident versichert, steht der Einzelhandel bereit, seinen Anteil zur Stadtverbesserung zu leisten, doch derzeit würden die Rahmenbedingungen einfach zu oft nicht stimmen. Da aus seiner Sicht aber auch das öffentliche Geld in Deutschland nicht ausreichen wird, „um alle Städte wieder auf Vordermann zu bringen“, plädiert er dafür, private Investoren mit ins Boot zu holen. Ohne die Kooperation aller innerstädtischer Akteure wird es zweifellos nicht gehen. Denn jeder Leerstand ist einer zu viel.



