GRAI - Global Retail Attractiveness Index

Gute Investments bleiben eine Herausforderung

rv DÜSSELDORF. Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Union Investment in Zusammenarbeit mit der GfK, der die Attraktivität der Einzelhandelsmärkte von insgesamt 20 Ländern in Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum abbildet, hat in Europa zuletzt um fünf Punkte auf 108 Zähler nachgegeben. Die verhaltene konjunkturelle Entwicklung und der wachsende Online-Handel zeigen Wirkung im europäischen Einzelhandel. Doch liegt der Index damit immer noch über dem langjährigen Durchschnitt.

Der Durchschnittswert des Global Retail Attractiveness Index (GRAI) spiegelt allerdings kein einheitliches Bild vom europäischen Einzelhandelsmarkt wider, sondern zeigt deutlich auseinanderdriftende Märkte – nicht zuletzt auch deshalb, weil die konjunkturellen Bedingungen und die Stärke der Online-Konkurrenz unterschiedlich ausgeprägt sind. Ins Auge springt die günstige Entwicklung in Frankreich, dem einzigen Land unter den 15 untersuchten europäischen Ländern, in dem sich der Index im vierten Quartal 2019 um sechs Zähler auf 109 Punkte verbessert hat. Auch beim jüngsten Investitionsklima von Union Investment zeigten sich die Franzosen auffallend optimistisch. Der GRAI umfasst in Europa die Daten von Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Irland, Portugal, Polen und Tschechien

Mit einem unveränderten Indexwert von 110 Punkten gehört auch der italienische Einzelhandelsmarkt zu den stabilen Größen in Europa, hinter dem portugiesischen Markt mit 115 Punkten, der seine Spitzenposition nach dem Verlust von 10 Punkten aber zuletzt an die neue Nummer eins, Deutschland, mit 116 Zählern abgeben musste. Doch auch der neue deutsche Wert bedeutet ein Minus von fünf Zählern.

Maßgeblich für den Rückgang des GRAI in Europa war jedoch die verhaltene Entwicklung in Großbritannien, Dänemark und Schweden mit Verlusten von 9 Punkten auf 98, von 8 Punkten auf 97 (Dänemark) und von 8 Punkten auf 96 in Schweden. Vor allem in Großbritannien ist die Skepsis der Investoren gegenüber Retail Assets ausgeprägt, denn hier ist der Online-Anteil im europäischen Vergleich groß. Noch stärkere Verluste als die drei Länder - allerdings bei höheren Indexwerten - verzeichneten auch Tschechien mit -14 Punkten auf 105 Punkte, die Niederlande mit -10 Punkten auf 106 Zähler und Polen mit -12 Punkten auf 109 Zähler.

Den Rückgang des Index einerseits und die immer noch stabile Lage gegenüber den Einzelhandelsmärkten in Nordamerkia und dem asiatisch pazifischen Raum mit Indexwerten von nur 98 respektive nur 96 Zählern, erläutert Henrike Waldburg, Leiterin Investment Management Retail bei Union Investment, mit den gegenläufigen Trends bei wichtigen konjunkturellen Einflussfaktoren. Denn während sich der Arbeitsmarkt und die Verbraucherstimmung im vierten Quartal 2019 als die wesentlichen Stützen in Europa gezeigt hätten, habe sich die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in der Region eher dämpfend auf den Index ausgewirkt.

Durch diese zwiespältige Lage bleibt es aus ihrer Sicht heute eine Herausforderung, „gute Investments mit sicheren Cashflows zu finden, die Wertzuwächse versprechen“. Es sei wichtig, noch umsichtiger zu agieren: „Einzelhändler in kleineren, untergeordneten Objekten in B- oder C-Städten werden zu kämpfen haben“, fürchtet sie. In dieser Situation setzt Union Investment auf dominante Shopping-Standorte mit attraktiven Angeboten, die auf das veränderte Konsumverhalten und die Bedürfnisse der Kunden eingehen, wie das Shopping-Resort Puerto Venecia im spanischen Saragossa, das der Investmentmanager zuletzt in einem Joint Venture mit Generali Real Estate erworben hatte. Eine sehr hohe Frequenz und eine durchschnittliche Verweildauer von drei Stunden, sind aus Waldburgs Sicht eine gute Basis im Wettbewerb mit der Online-Konkurrenz.

Daneben zeigen sich auch Fachmarktzentren mit namhaften Ankermietern aus dem Lebensmittelhandel besonders wettbewerbsfest gegenüber dem Online-Handel. Selbst die kritischen britischen Investoren haben die in Großbritannien als „Retail Parks“ bezeichnete Anlage-Klasse noch auf dem Radar. Aus Waldburgs Sicht hat Deutschland „speziell im Bereich der quartiersbezogenen Nahversorgung noch Aufholbedarf“. Gleichzeitig hält sich der deutsche Lebensmittelhandel zugute, dass er weltweit mit das dichteste Netz aus Lebensmittelmärkten hat.

Zu den für den Global Retail Attractiveness Index untersuchten Indikatoren gehören die Stimmung der Verbraucher, das Verbrauchervertrauen, und die Stimmung der Anbieter, gemessen im „Business Retail Confidence“, also die Stimmung unter den Einzelhändlern, sowie die Veränderung des Verbraucherpreisindex (Inflation) und eben die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes.