Haushaltsverteilung in Deutschland

Große Unterschiede zwischen (Uni)Stadt und ländlichem Raum im Osten

rv DÜSSELDORF. Die verschiedenen Generationen haben ganz unterschiedliche Konsumgewohnheiten und Ansprüche an den Einzelhandel, seine Geschäfte und die Art, wie Online und Offline miteinander verknüpft werden. Darauf müssen sich die Marktakteure einstellen. Wie sich die einzelnen Genrationen bundesweit verteilen und wo Alt und Jung bevorzugt leben, hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen IQ (NIQ), das 2023 die GfK übernommen hat, in der neuen Studie „NIQ Bevölkerungsstrukturdaten 2025“ untersucht.

Dabei zeigt sich auch der demographische Wandel, der in Deutschland sichtbar voranschreitet, wie der Blick auf die Altersstruktur zeigt. Denn die Gruppe der gut 4,6 Mio. Menschen, die unter 30 Jahre alt sind, bildet mit einem Anteil von 11,2% die kleinste Bevölkerungsschicht. Die knapp 6,7 Mio. der 30- bis 40-Jährigen bringen es zusammen auf einen Anteil von 16,21% an der deutschen Bevölkerung und die rund 6,3 Mio. der 40- bis 50-Jährigen kommen auf einen Anteil von 15,06%.

Schon etwas größer ist der Bevölkerungsanteil der gut 8 Mio. Über-50- bis 60-Jährigen mit 19,59%. Die Gruppe der etwa 15,7 Mio. Menschen, die mehr als 60 Jahre alt sind, erreicht laut NIQ Bevölkerungsstrukturdaten 2025 – früher GfK Geomarketing – zusammen einen Anteil von 37,93%. Allerdings sind hier zwei bis drei Generationen zusammengefasst. Aufgeteilt auf zwei Generationen ergibt sich hier ein Anteil von jeweils 18,96%. Rechnet man die Generationen der 30-Jährigen bis zur Gruppe der 59-Jährigen zusammen, dann liegt der Bevölkerungsanteil der Unter-60-Jährigen zusammen bei 50,8%. Unverkennbar ist aber, dass die jüngeren Alterskohorten kleiner sind, was auch daran abzulesen ist, dass im bundesweiten Durchschnitt der Haushaltsvorstand, das ist die Person mit dem höchsten Nettoeinkommen, bei 52,51 Jahren liegt.

Laut Alexandra Deutsch, NIQ-Expertin im Bereich Geomarketing, zeigen die Bevölkerungsstrukturdaten, dass der Haushaltsvorstand in Deutschland immer älter wird, denn seit Jahren sind die Geburtenraten niedrig, während die Lebenserwartungen der Deutschen steigen. Da mit Blick auf die unterschiedlichen Ansprüche und Konsumgewohnheiten der jeweiligen Generationen für Einzelhandel, Immobilienwirtschaft und die kommunale Planung wichtig ist, zu wissen, wo sich ältere und jüngere Leute bevorzugt ansiedeln, hat sich die NIQ-Studie gezielt mit dieser Frage befasst.

Das Ergebnis: Junge Haushalte zieht es bevorzugt in die Universitätsstädte, ältere Haushalte eher aufs Land, wobei der größte Anteil von Senioren-Haushalten in ländlichen Kreisen in Ostdeutschland zu finden sind (siehe Grafik). Mit Blick auf die abnehmende Mobilität älterer Menschen und die schlechte Versorgung in ländlichen Gemeinden, was den Einzelhandel, Apotheken, Post und Ärzte anbelangt, ist das zweifellos eine Herausforderung für die Kommunen und die Bundesländer.

Im Gegensatz dazu zieht es die jungen Haushalte in die deutschen Universitätsstädte. So zeigt laut NIQ-Studie der Blick auf die Top 10 der deutschen Stadt- und Landkreise mit jungen Haushalten, „dass vor allem Städte mit großen Universitäten bei den jungen Haushalten dominieren“. Dabei würden diese Städte nicht nur von den Studierenden selbst profitieren, sondern auch von jungen Berufstätigen in ihrer frühen Karrierephase, die ihren ersten eigenen Haushalt gründen. Wie groß der Unterschied zum oben erwähnten Bundesdurchschnitt von 11,21% junger Haushalte unter 30 Jahren an der Bevölkerung ist, zeigt der Blick auf die Studentenstadt Heidelberg. Hier liegt der Anteil der jungen Haushalte mit 23,76% doppelt so hoch.

Heidelberg ist Spitzenreiter bei jungen Haushalten

Damit steht Heidelberg (162 960 Einwohner) in der Liste der Top 10 auch auf dem ersten Platz und mit einem Index von 212,0 um 112 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von 100. Auf Rang zwei folgt die alte Universitätsstadt Regensburg, die sich mit ihrem hohen Anteil junger Haushalte (zuletzt 22,46%) und einem Index von 200,3 schon seit Jahren in der Spitzengruppe befindet. Auf dem dritten Rang steht – nicht unerwartet – die beliebte Universitätsstadt Freiburg im Breisgau mit einem Anteil von 19,27% und einem Index von 171,8. In allen Städten der Top 10 würden die Anteile der jungen Haushalte mindestens um 57% über dem Bundesdurchschnitt liegen, heißt es in der Studie weiter. Den zehnten Platz belegt Karlsruhe mit einem Anteil junger Haushalte von 17,69% und einem Index von 157,8. Die wenigsten jungen Haushalte finden sich entsprechend in ländlichen Regionen, allen voran im Landkreis Spree-Neiße mit einem Anteil von nur 4,92%. Das sagt sehr viel über die ungleiche regionale Entwicklung in Deutschland aus.

Im Umkehrschluss verzeichnen laut Studie 281 von 400 Kreisen einen überdurchschnittlichen Anteil an Seniorenhaushalten. So finden sich die Haushalte, in denen der Haushaltsvorstand 60 Jahre oder älter ist, vor allem in den ländlichen Regionen und im Osten Deutschlands – „nicht zuletzt, weil jüngere Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt in wirtschaftlich stärkere Ballungszentren abgewandert sind“, wie es in der Studie heißt. Dabei steht der oben erwähnte Landkreis Spree‑Neiße, der den geringsten Anteil an jungen Haushalten hat, in der Rangliste der Seniorenhaushalte mit einem Bevölkerungsanteil von 50,14% an der Spitze, vor dem Erzgebirgskreis mit 50,04%.

Hier ist damit in jedem zweiten Haushalt die Person mit dem höchsten Nettoeinkommen älter als 59 Jahre, genauso wie im zweitplatzierten Erzgebirgskreis. „Beide Kreise liegen damit rund 29% über dem Bundesdurchschnitt“, schreiben die Experten von NIQ Geomarketing. Der Blick auf die Liste der Top 10 Stadt- und Landkreise mit dem höchsten Anteil an Seniorenhaushalten zeigt, dass sich alle zehn in den neuen Bundesländern befinden.