Die teuersten Einkaufsstraßen der Welt

Eine Bühne für Markeninszenierungen

Die höchsten Mieten werden in der New Bond Street gezahlt. Foto: Cushman & Wakefield

rv DÜSSELDORF. Unbeeindruckt von den geopolitischen Veränderungen haben sich die erstklassigen Einkaufslagen weltweit überdurchschnittlich gut entwickelt, wobei sich europäische Luxuslagen immer besser positionieren. Nachdem 2024 mit der Via Montenapoleone in Mailand erstmals eine europäische Straße den ersten Platz in der Rangliste der teuersten Einkaufsstraßen der Welt belegte, wurde sie in diesem Jahr von der New Bond Street in London abgelöst. Die frühere Nummer eins, die Upper Fifth Avenue in New York, belegt inzwischen den dritten Platz.

Aus Sicht von Robert Travers, Head of EMEA Retail bei Cushman & Wakefield (CuW), haben diese anhaltende Attraktivität der weltweit führenden Einkaufsstraßen und deren Krisenresilienz ihren Grund in der „einzigartigen Kombination aus Tradition, Sichtbarkeit und kulturellem Prestige“. Insbesondere die Einkaufsstraßen in der Luxus-Kategorie, die gemäß der Studie Main Streets Across the World, die der Immobilienberater Cushman & Wakefield nun zum 35. Mal auf den Markt gebracht hat, regelmäßig die vorderen Plätze belegen, sind nach seinen Worten weit mehr als reine Handelsflächen. Denn verkauft wird neben der Ware und der Mode an sich auch sehr viel Erlebnis. Vor diesem Hintergrund würden diese Einkaufslagen als globale Bühnen für „Markeninszenierung, architektonischen Ausdruck und emotionale Kundenbindung“ fungieren, so der Experte: „Einen Platz dort zu ergattern, erfordert kreative Strategien und Innovationskraft“.

Diese Anziehungskraft der Traditionsstraße New Bond Street in London hat dazu geführt, dass bei den Mieten im Jahresvergleich laut CuW ein Preissprung von 22% auf durchschnittlich 20 482 Euro je qm und Jahr in der Spitze zu verzeichnen war. Die Via Montenapoleone in Mailand blieb unverändert bei 20 000 Euro je qm und Jahr und fiel damit auf Platz zwei zurück, vor der Upper Fifth Avenue in New York, deren Spitzenjahresmiete sich mit 18 359 Euro je qm auch nicht verändert hat. Die aktuelle Attraktivität der englischen respektive der Londoner Einkaufslagen wird laut CuW-Studie zudem dadurch unterstrichen, dass auch die Oxford Street und die Regent Street bei den Mieten zweistellige Zuwächse verzeichnen konnten.

Die französische Einkaufsmeile Avenue des Champs Elysée, die ihren festen Platz in der Gruppe der teuersten europäischen Einkaufslagen hat, findet sich mit einer Jahresmiete von 12 519 Euro schon mit gebührendem Abstand zu den Top 3 auf dem fünften Platz der Rangliste. Die unklare politische Lage in Frankreich belasten die Stimmung und die Wirtschaft des Landes. Auf den vierten Platz hat sich mit 13 907 Euro die Hongkonger Einkaufsmeile Tsim Sha Tsui geschoben. Vor nicht allzu langer Zeit hatten sich die New Yorker Fifth Avenue und die Top-Einkauflagen von Hongkong regelmäßig den Spitzenplatz unter den teuersten Einkaufsstraßen der Welt streitig gemacht.

Physische Läden für die emotionale Markenbindung

Auf dem sechsten Platz der Rangliste steht mit der Einkaufslage Ginza in Tokio mit 11 538 Euro Jahresspitzenmiete eine weitere alte Bekannte, die regelmäßig unter den Top 10 zu finden ist. Es folgt die genauso bekannte Bahnhofstraße mit 9 644 Euro im Schweizer Zürich (7), vor der Pitt Street Mall im australischen Sidney (8) mit 7 294 Euro. Mit 5 997 Euro findet sich die Myeongdong im südkoreanischen Seoul auf Platz neun und schließlich der bekannte Wiener Kohlmarkt mit 7 294 Euro auf Platz 10. Die Aufstellung zeigt, dass die aus Sicht der Händler attraktivsten Einzelhandelslagen breit über die ganze Welt verteilt sind.

Wie Andreas Siebert, Head of Retail Germany bei Cushman & Wakefield, erläutert, profitieren Flagship-Standorte von einer Vielzahl positiver Faktoren wie ein robustes Wirtschaftswachstum, sinkende Lebenshaltungskosten und eine wiederkehrende Konsumbereitschaft. Neben diesen makroökonomischen Faktoren kommt die große Bedeutung der „physischen Einzelhandelsflächen“ für die emotionale Markenbindung hinzu. Und der Immobilienberater erwartet, dass sich „dieser Trend mit der Verbesserung der globalen Rahmenbedingungen weiter verstärken wird“.

Dass sich auch in diesem Jahr keine deutsche Stadt unter den Top 10 der teuersten Einkaufsstraßen der Welt befindet, dürfte auch an der föderalen Struktur Deutschlands mit sieben namhaften Metropolen liegen. Hinzu kommt, dass Berlin durch die lange Teilung und die Staatsplanwirtschaft im Ostteil gegenüber Metropolen wie London oder Paris in puncto wirtschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit in der Entwicklung gehemmt war. Insofern gibt es in Deutschland nicht „den einen“ Einzelhandels-Hotspot, bei dem sich alle gegenseitig überbieten müssen. Das Interesse verteilt sich vielmehr auf sieben Hotspots sowie weitere attraktive Schwarmstädte.

Allerdings gibt es mit München einen „Primus inter Pares“, der sich mit einer Jahresspitzenmiete von 3 840 Euro in der Haupteinkaufsmeile Kaufinger/Neuhauser Straße auf Platz 14 und damit unter den Top 20 platziert hat. Im europaweiten Vergleich der Top-Destinationen kann München zudem noch mit seiner Luxus-Lage Maximilianstraße und einer Jahres-Spitzenmiete von 3 360 Euro auf Platz 27 punkten. In Berlin gehört die Tauentzienstraße zur teuersten Adresse, in Frankfurt am Main ist es die Zeil, in Hamburg die Spitalerstraße und in Düsseldorf die Luxus-Lage Königsallee, auch „Kö“ genannt. Gegenüber 2024 hätten sich die Spitzenmieten in diesen Lagen mit etwa 3 000 Euro je qm nicht verändert, so der Immobilienberater. Sie würden in der europäischen Rangliste auf Platz 30 stehen.

Nur München findet sich in den Top 20

Ungeachtet der schlechteren Platzierung der deutschen Städte gilt laut Siebert aber auch hierzulande, dass die Lagen in vielerlei Hinsicht gegenüber konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten resilient sind. Abzulesen ist das an den niedrigen Leerstandquoten und dem großen Interesse der nationalen und internationalen Einzelhändler, zu denen sich auch asiatische Marken wie Uniqlo gesellen. Sie ist inzwischen in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt/M vertreten. Andere Beispiele sind Muji,JD Sports, Rituals, Lululemon und Gastronomiekonzepte wie Pret A Manger oder Five Guys. Der Discounter Lidl geht seine Expansion in Innenstadt-Lagen durch eine strategische Partnerschaft mit dem Warenhausbetreiber Galeria an. Auf der Agenda stehen im ersten Schritt Filialen in Hamburg und Düsseldorf.

Vor dem Hintergrund der günstigen Entwicklung in den Top-Einkaufslagen sind die Mieten laut Report Main Streets Across the World weltweit um durchschnittlich 4,2% gestiegen, wobei die Mehrheit (58%) der untersuchten Märkte Mietwachstum verzeichnete. Besonders stark sind die Mieten im amerikanischen Kontinent mit durchschnittlich +7,9% gestiegen – allerdings angetrieben durch einen Währungseffekte in Südamerika. Dabei verzeichnete die Einkaufslage Oscar Freire Jardins in São Paulo einen Mietanstieg von 65% und eine Verbesserung in der globalen Rangliste um sieben Plätze auf Rang 34. In New York erhöhten sich die Mieten in der Madison Avenue und in SoHo um 8%. Im US-Durchschnitt lag der Mietanstieg bei 2,5%. Nach einem Rückgang im Vorjahr drehte sich die Mietentwicklung im kanadischen Vancouver und stieg wieder um 20%.

In Europa lag der Mietanstieg bei durchschnittlich 4,1%. Hier sind die Mieten seit Anfang 2023 kontinuierlich gestiegen. Besonders hoch fiel der Anstieg auch in Budapest aus. Hier erhöhte sich die Miete in der Fashion Street um 33%. In der Region Asien-Pazifik verlangsamte sich das Wachstum von 2,8% auf 2,1%, wobei die Entwicklung vor allem in Indien und Japan positiv war.