Second Hand zu Weihnachten

Ein Upgrade in Sachen Individualität

Foto: Selpy

HIR DÜSSELDORF.Der Second-Hand-Markt wandelt sich immer mehr vom reinen Gewissensthema für den Klimaschutz zum Lifestyle-Trend. Nach einer aktuellen Umfrage des Second-Hand-Anbieters Sellpy und des Handelsverbands Deutschland (HDE), durchgeführt von Appinio, kann sich mehr als die Hälfte der Befragten (53%) inzwischen vorstellen, zu Weihnachten Second-Hand-Ware zu verschenken. Für die Umfrage wurden bundesweit 1 000 Personen bei repräsentativer demografischer Verteilung befragt.

Dabei ergab die Sellpy/HDE-Umfrage in diesem Jahr – gegenüber dem Vorjahr – eine spannende Entwicklung: Denn während 2024 noch der Wunsch nach Nachhaltigkeit das Hauptmotiv für den Kauf von Second-Hand-Geschenken war, wird die Kaufentscheidung in diesem Jahr vom Schatzsucher-Aspekt – Stichwort: Einzigartigkeit – und den finanziellen Vorteilen dominiert. „Second Hand unter dem Weihnachtsbaum ist damit endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, interpretiert der Handelsverband Deutschland (HDE) die Entwicklung. 39% der Befragten gaben an, dass sie früher schon mal ein Second-Hand-Präsent zu Weihnachten verschenkt haben.

Dass „Einzigartigkeit“ bei diesem Thema heute wichtiger ist als der Nachhaltigkeitsaspekt, zeigt auch der Blick auf die Zahlen. Denn während im Jahr 2024 noch 52% der Befragten angaben, dass für sie Nachhaltigkeit der wichtigste Grund für ein Second-Hand-Geschenk sei, rutschte dieses Thema 2025 mit 45% der Nennungen auf den dritten Platz. Auf dem ersten Platz steht stattdessen mit 47% der Nennungen das Argument, dass diese Geschenke einzigartiger sind als Neuware. Im Jahr 2024 war das erst für gut jeden Dritten (35%) ein Argument. Das kann durchaus als Plädoyer gegen die stereotype Massenware verstanden werden. „Weihnachten wird damit persönlicher: weniger Standard, mehr Charakter, mehr Geschichten“, heißt es in der Mitteilung von Sellpy dazu.

„Wir beobachten eine spannende Emanzipation des Second-Hand-Geschenks“, stellt Nikola Grote, Market Development Managerin bei Sellpy, weiter fest. Hätten die Menschen 2024 noch nachhaltig gekauft, um „das Richtige” für den Planeten zu tun, so sollte bei dem vergangenen Weihnachtsfest die Individualität des Geschenks in den Vordergrund gerückt werden: „Der Vintage-Faktor und die Einzigartigkeit eines pre-loved Artikels sind heute fast genauso wichtig wie der Preis“, so die Expertin weiter: „Second Hand ist kein Verzicht mehr, sondern ein Upgrade in Sachen Individualität.“ Das deutet zudem darauf hin, dass das Vertrauen der Bundesbürger in die Qualität und den Zustand gebrauchter Produkte weiter zunimmt.

Viele Kunden werfen die Scham über Bord

Dennoch kann diese Einstellungsänderung nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Zeiten, in denen alles auf breiter Front immer teurer wird, der Preisdruck für viele Haushalte bleibt und ein Argument für den Einkauf von Second-Hand-Ware ist. So ist laut Studie für 48% der Befragten der „bessere Preis“ der Hauptgrund für die Kaufentscheidung. Ganz generell gilt, dass für die Mehrheit (78%) der Preis beim Kauf von Gebrauchtwaren der wichtigste Treiber ist. „Die pessimistische Verbraucherstimmung und ein hohes Maß an Unsicherheit lassen die Verbraucher noch stärker als sonst bei Second-Hand-Waren zugreifen“, berichtet HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: Die Menschen sind noch preisbewusster als sie das normalerweise sind“.

Allerdings reagieren die Konsumenten laut Studie auf diese schwierige wirtschaftliche Lage eher pragmatisch, wenn sie die Scham über Bord werfen und die Einzigartigkeit des Geschenks in den Vordergrund rücken. „Second Hand zu Weihnachten bedeutet damit längst nicht mehr „Sparen“, sondern „sinnvoll schenken“, heißt es in der Studie. Second-Hand-Geschenke seien für viele Kunden mittlerweile ganz normal – „ohne falsche Scham”, ergänzt auch Stefan Genth. Im Zuge dieser Veränderungen nimmt denn auch die Sorge, als „geizig” zu gelten, weiter ab. Dabei gibt es auch kaum Unterschiede zwischen Männern, von denen 30% und Frauen, von denen 29% etwas Gebrauchtes verschenken.

Unterschiede gibt es aber bei der Wahl der gebrauchten Güter: So greifen Frauen vor allem zu Büchern (56%), während Männer eher Elektronik bevorzugen (50%). Das zeigt schon, dass es auch bei den verschenkten Produktkategorien Verschiebungen gegeben hat: Von Home & Decor mit 67% im Jahr 2024 noch auf Platz eins, zu Büchern und technischen Artikeln.

Die Generation Z treibt den Trend voran

Das Verschenken von gebrauchten Gütern ist, wie die Studie weiter ergab, vor allem auch eine Frage der Generation. So ist die Generation Z, die als „Power-User“ gilt, ein maßgeblicher Treiber der Entwicklung: „Während 2024 noch 73% der 16- bis 24-Jährigen angaben, traditionelle neue Geschenke zu bevorzugen, lebt die Gen Z 2025 Second Hand als Alltagskultur“, wie es heißt: „75% dieser Altersgruppe haben in den vergangenen drei Monaten gebrauchte Artikel gekauft – der Spitzenwert aller Generationen.“

Sellpy und HDE gehen auf Grundlage der Umfrageergebnisse denn auch davon aus, dass der Trend zu Second Hand nicht kurzfristiger Natur ist. Denn auf die Frage, ob gebrauchte Waren in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnen werden, antwortete die überwiegende Mehrheit (83%) der Befragten mit einem klaren „Ja“. Damit offenbarte sich zu Weihnachten, dass sich Second Hand vom Nischenphänomen zum neuen Standard entwickelt. Vermarktet werden Second-Hand-Geschenke besonders häufig über Online-Kanäle, was auch zur Dominanz der jungen Generation bei diesem Thema passt. Gebrauchte Ware wird aber auch im stationären Einzelhandel verkauft.