Münchener City-Befragung

Ein klarer Arbeitsauftrag für die Innenstadtakteure

Quelle: BBE

rv DÜSSELDORF. In Deutschland gilt München als Einkaufsstadt Nummer eins, was schon daran abzulesen ist, dass hier bundesweit die höchsten Einzelhandelsmieten gezahlt werden. Verkaufsflächen sind gefragt und knapp. Doch dass es auch in der Bayernmetropole Luft nach oben gibt, zeigen die Ergebnisse der zweiten Münchener City Befragung von gut 1 000 Besuchern und 84 Handelsunternehmen.

„Im intensiven Standortwettbewerb und als Gegenpol zu Online-Welten müssen heutzutage Umfeld, Aufenthaltsqualität und die Erreichbarkeit stimmen, damit die Menschen aus der Stadt und der Region auch künftig nicht nur gerne in Münchens ,gute Stube‘ kommen, sondern auch gerne hier verweilen“, bringt Nina Hugendubel, Geschäftsführerin der Hugendubel GmbH & Co. KG und Vorsitzende der City Partner e.V. das Anliegen auf den Punkt, das die Auftraggeber mit der City-Befragung verfolgen: Herausfinden, wo es noch hakt und was verbessert werden muss. Zu den Initiatoren gehören neben City Partner München auch die Landeshauptstadt München und das Referat für Arbeit und Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Handelsverband Bayern (HBE) und der Rid Stiftung. Durchgeführt wurde die Befragung von der BBE Handelsberatung.

Um es gleich vorwegzunehmen: 79% der 1 016 befragten Besucher der Münchener Innenstadt gaben im vergangenen November an, dass sie mit den Innenstadt-typischen Einzelhandelsangeboten „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ sind. Das Gros (57%) kommt mindestens ein Mal wöchentlich in die City. Allerdings: Bei der im Jahr 2022 nach der gleichen Methode durchgeführten Befragung lag die Zahl der Zufriedenen mit 85% noch etwas höher. Auch der Anteil der Befragten, der mit dem letzten Innenstadtbesuch zufrieden oder sehr zufrieden war, ist von 89% der Nennungen im Jahr 2022 auf nunmehr 83% gesunken. Das sind immer noch sehr gute Werte, aber der leichte Abwärtstrend könnte als erste Warnung verstanden werden.

Positiv fällt dagegen die Entwicklung bei den jungen Leuten bis 24 Jahre aus. Sie kommen gegenüber 2022 deutlich häufiger in die Innenstadt, denn der Anteil ist von damals 43% auf 58% gestiegen. Ins Auge springen auch die Gründe für den Innenstadtbesuch und wie sich der Trend in den vergangenen drei Jahren verändert hat. So kommt das Gros der Besucher (55%) zum Einkaufen in die City, 2022 lag der Anteil mit 47% noch deutlich niedriger. Auch das Bedürfnis, Freunde zu treffen, ist von 37% auf 41% gestiegen. Wichtiger ist auch der Gastronomie-Besuch geworden, wie der Anstieg von 24% auf 37% zeigt. Auch der Stadtbummel (37%) ist inzwischen beliebter als 2022 mit 27% der Nennungen.

Dabei schätzen die Kunden und Kundinnen an der Bayernmetropole vor allem die gebotenen Einkaufsmöglichkeiten, Atmosphäre und Flair der Innenstadt, die Architektur und die historischen Gebäude sowie das Gastronomieangebot, sodass viele mit dem Gesamtangebot der Stadt zufrieden sind. Es gibt aber auch die Gruppe, die angab, dass sie seltener in die Innenstadt fährt. Davon finden 58% die Innenstadt weniger attraktiv – 2022 waren das nur 44%. Und der Anteil der häufiger online einkauft ist von 41% auf 48% gestiegen. Genauso wie der Anteil der Befragten, der im Homeoffice arbeitet von 16% (2022) auf 21% gestiegen ist.

Die mangelnde Sauberkeit kommt nicht gut an

Auf die Frage, was sie an der Stadt stört, nannten die Befragten vor allem die Menschenmassen, die sich durch die Einkaufsstraßen drängen, gefolgt von der Klage über mangelnde Sauberkeit, die Bettler und Obdachlosen im Straßenbild, dass die Vielfalt in der Stadt abgenommen hat und die hohen Preise. Vor diesem Hintergrund zeigt denn auch der Soll-Ist-Vergleich bei wichtigen Anliegen der Befragten, dass noch viel Luft nach oben ist (siehe Grafik).

Beim Thema Sauberkeit, das mit 97% der Nennungen ganz oben auf der Präferenzliste steht, sahen die Befragten den Anspruch nur zu 58% erfüllt. Bei Grünflächen/Bepflanzungen (92%) lag der Erfüllungsgrad nur bei 48%, bei der Forderung nach Plätzen und Aufenthaltsbereichen (92%), lag der Erfüllungsgrad immerhin bei 60% und bei Sitzgelegenheiten (89%) lag der Erfüllungsgrad bei 49%. Besondres schlecht sind Anspruch und Wirklichkeit beim Thema öffentliche Toiletten (88%). Der Erfüllungsgrad wird hier nur bei 26% gesehen. Diese Auflistung zeigt: Die Menschen wollen nicht nur zielgerichtet einkaufen, sondern sich auch jenseits des kommerziellen Angebots in Ruhezonen aufhalten.

Vom innerstädtischen Einzelhandel wünschen sich die Kunden vor allem flexiblere Öffnungszeiten, vor dem Wunsch nach vielen Fachgeschäften, deren Zahl aber tatsächlich immer geringer wird – auch weil oft ein Nachfolger fehlt. Die Befragung ergab aber auch, dass vielen Innenstadtbesuchern Kauf- und Warenhäuser wichtig sind, sie außerdem nachhaltige Angebote schätzen und Shopping-Nächte sowie mehr offene Sonntage. Die Ergebnisse zeigen, dass der Erlebnisfaktor zum wichtigen Rahmenprogramm für das Einkaufen geworden ist.

Die 84 befragten Einzelhändler, die quer über die Münchener Altstadt verteilt sind und sich im Schnitt bereits seit 61 Jahren an ihren Standorten befinden – das älteste Geschäft seit 1495 – kommen mehrheitlich (74) aus dem Fachhandel und nur jeweils fünf sind Filialisten oder Kauf- und Warenhäuser. Die Größen reichen von 50 qm bis über 5 000 qm und nur ein kleiner Teil von 6% ist noch nicht im Internet aktiv. Aus dem Kreis der Befragten wollen 10% ihren Standort in den nächsten beiden Jahren aufgeben – entweder, weil sie die City verlassen wollen, aus Altersgründen oder weil der Mietvertrag ausläuft.

Ins Auge springt dabei, dass der Anteil der Befragten, der mit seinem Standort zufrieden oder sehr zufrieden ist, seit 2023 deutlich von 76% auf 56% gesunken ist. Auch der Blick auf die fünf wichtigsten Zufriedenheitsfaktoren zeigt, dass die Werte 2023 noch etwas besser waren. Etwa beim Themen Sicherheit und Ordnung ist der Wert von 78% auf 66% gesunken, bei der Passantenfrequenz von 69% auf 66%, bei der Kundenfrequenz von 65 auf 60%, bei der Aufenthaltsqualität von 72% auf 57% sowie beim Geschäfts- und Gastronomieumfeld von 63% auf 52%.

Händler beklagen schlechte Erreichbarkeit mit Pkw

Bei den Unzufriedenheitsfaktoren bewegen sich die Antworten der Einzelhändler und der Innenstadtbesucher mehr oder weniger in die gleiche Richtung. So ist der Anteil der Händler, der das Straßenbild in München unattraktiv findet, von 54% (2023) auf 65% gestiegen, 61% vermissen Sitzgelegenheiten in der Innenstadt und die mangelnde Sauberkeit beklagen inzwischen 57%, nach 45% vor drei Jahren. Mit dem Gastro- und Geschäftsumfeld sind 48% unzufrieden – nach 37% vor drei Jahren – und der Anteil der Unzufriedenen ist von 28% auf 43% gestiegen.

Während die Innenstadt aus Sicht der befragen Händler zu Fuß, per Fahrrad und per ÖPNV gut zu erreichen ist, beklagen sie das Fehlen eigener Parkplätze (84%), die schlechte Erreichbarkeit mit dem Pkw (77%) und dass es nicht möglich ist, in der Nähe zu parken (75%). Zwar schätzen sie grundsätzlich die zentrale Lage ihrer Geschäfte, doch beklagen viele Händler die vielen Baustellen und Sperrungen in der Stadt. Deshalb fordern sie eine Reduktion der Baustellen und eine bessere Baustellenkoordination.

Als Hauptherausforderungen sehen die Händler in den nächsten drei Jahren den Erhalt der Frequenz, die städtische Verkehrspolitik, die Erreichbarkeit, die Personalqualität und die Erhaltung des Standortumfelds. Gemäß ihrer Kritik fordern sie von der Stadt mehr Sauberkeit im Stadtbild, mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, eine bessere Erreichbarkeit mit dem Pkw, erweiterte Öffnungszeiten auch sonntags, kostenlosen oder zumindest günstigen ÖPNV und eine bessere Verkehrspolitik.

Christian Scharpf, Referentfür Arbeit und Wirtschaft der LH München, versteht die Umfrage-Ergebnisse als „klaren Arbeitsauftrag, die Innenstadt als lebendigen Stadtraum und gut erreichbaren Wirtschaftsstandort gemeinsam weiterzuentwickeln“. Aus Sicht Von Johannes Berentzen, geschäftsführender Gesellschafter der BBE Handelsberatung, muss die Stadt München für die richtigen Rahmenbedingungen bei Sauberkeit, Sicherheit und Aufenthaltsqualität sorgen und der Einzelhandel für Einkaufserlebnisse und innovative Konzepte.