Bundeskartellamt: Entscheidung zu Real

Edeka darf nur 51 Standorte übernehmen

Foto: Bundeskartellamt

rv DÜSSELDORF.Die Pläne des Edeka-Verbunds, von der SCP Retail S.a.r.l., dem neuen Eigentümer der Real GmbH, 72 Standorte zu übernehmen, sind nicht ganz aufgegangen. Nach gründlicher Prüfung der regionalen Märkte hat das Bundeskartellamt nur die Übernahme von 45 Märkten ohne Auflagen erlaubt. Bei 21 Standorten gab es wettbewerbsrechtliche Bedenken und bei sechs Märkten müssten Teilflächen an Wettbewerber abgegeben werden. Hier hat Edeka aber schon angekündigt, an diesen Standorten stattdessen die eigenen Filialen zu schließen. Damit kann Edeka insgesamt 51-Real-Märkte übernehmen.

Aus Sicht von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, musste die Behörde sicherstellen, dass die Bewohner der jeweiligen Regionen auch künftig die Wahl zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern haben, um den Wettbewerbsdruck unter den Lebensmittelanbietern zu erhalten. Dadurch sollen die Auswahl und die Qualität des Angebots sowie marktgerechte Preise sichergestellt werden. An einigen Standorten bestand nach Einschätzung der Wettbewerbshüter die Gefahr, „dass Edeka mit der Übernahme in den jeweiligen regionalen Märkten zu stark würde“.

Bei einem Marktanteil der Edeka-Gruppe inklusive der Real-Standorte in einem regionalen Absatzmarkt von 35 bis 40% oder mehr hatte die Behörde eine noch genauere Prüfung der Wettbewerbsverhältnisse vor Ort vorgenommen. Dabei wurde bei 27 Standorten „eine drohende erhebliche Behinderung des wirksamen Wettbewerbs“ durch die Übernahme des Real-Standorts festgestellt und bei 21 Standorten die Übernahme gleich ganz untersagt.

Bei den weiteren sechs Standorten hat Edeka verbindlich angekündigt, andere Standorte dafür schließen zu wollen. Offenbar ist der Real-Standort in diesen Teilmärkten besser als der bisherige Edeka-Standort. Insgesamt verzichtet Edeka laut Kartellamt durch diese Zusagen auf ein Absatzvolumen von ca. 580 Mio. Euro.

Diese Einschränkung kommt nicht überraschend, da der Edeka-Verbund der führende Anbieter im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist. Dazu gehören neben der Edeka-Zentrale der Discounter Netto, die sieben Regionalgesellschaften mit Regiebetrieben sowie die selbstständigen Einzelhändler, die den neun regionalen Edeka-Genossenschaften angehören.

Damit verfügt der Edeka-Verbund deutschlandweit über ein Vertriebsnetz mit zusammen etwa 11 200 Lebensmittelmärkten. Die Edeka-Gruppe erzielte 2019 einen Umsatz von 55,7 Mrd. Euro, davon 51,7 Mrd. Euro mit dem Lebensmittelhandel. Ungeachtet der genossenschaftlichen Struktur mit vielen selbstständigen Kaufleuten stuft das Bundeskartellamt den Edeka-Verbund als wirtschaftliche Einheit und als verbundene Unternehmen an.

Auch auf der Beschaffungsseite gab es Bedenken, da der Verbund mit einem Anteil von über 75% des Gesamtabsatzes mit großem Abstand der wichtigste Absatzkanal der Hersteller ist. Mehr als 85% dieses Anteiles entfallen laut Bundeskartellamt auf die vier führenden Handelsketten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi. Der Beschaffungsanteil von Real lag bei unter 5%.

Dass die Wettbewerbsbehörde dennoch eine bedingte Freigabe erteilt hat, obwohl die Edeka-Gruppe durch die Übernahme ihre starke Position beim Einkauf ausbauen kann, war laut Mundt letztlich möglich, weil sich die Verkäuferin SCP Retail S.àr.l., wie schon bei der Entscheidung über die Übernahmepläne von Kaufland, dazu verpflichtet hat, Real-Standorte mit einem Food-Beschaffungsvolumen von mindestens 200 Mio. Euro an mittelständische Lebensmittelhändler zu veräußern.

„Dies entspricht einem Absatzvolumen der Supermärkte von ca. 430 Mio. Euro“, sagt der Kartellamtspräsident: „Wir sorgen damit für eine Stärkung des Mittelstandes als wichtige Absatzalternative für die Hersteller und Lieferanten von Lebensmitteln in Deutschland.“ Diese wären ohne die Bedingungen des Bundeskartellamts sonst nicht zum Zuge gekommen. Außerdem muss aus Sicht der Wettbewerbshüter angesichts der hohen Konzentration auf dem Beschaffungsmarkt berücksichtigt werden, dass zwischen den vier führenden Handelsketten im Einkauf ein starker Wettbewerb besteht. Der Preiswettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel ist erheblich.