Immobilienpreisindex

Differenziertes Bild im zweiten Quartal

Quelle: VdP

rv DÜSSELDORF.Obwohl die Renditen für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bedingt durch die Iran-Krise gestiegen sind und die Bauzinsen die 4-Prozent-Marke nach oben durchbrochen haben, sind die Immobilienpreise im zweiten Quartal 2026 nach den Zahlen des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VdP) gemessen am Vorjahresquartal über alle betrachteten Anlage-Klassen um 1,3% gestiegen. Gemessen am ersten Quartal gingen sie gemäß Immobilienpreisindex aber um 0,1% zurück. Der zweite Blick auf den Index zeigt ein gemischtes Bild.

Die Daten des VdP-Index werden seit 2010 vom Research des Verbands deutscher Pfandbriefbanken erhoben und umfassen die Preisentwicklung auf dem deutschen Markt für Wohn-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Sie basieren – anders als viele andere Preisindizes – auf der Auswertung echter Immobilientransaktionsdaten von mehr als 700 Kreditinstituten, nicht allein auf Angebotspreisen.

Der auf den ersten Blick positive Verlauf des jüngsten VdP-Immobilienpreis-Indexwerts spiegelt allerdings nicht wider, dass sich die Preise in den drei untersuchten Objektklassen im zweiten Quartal 2026 zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder uneinheitlich entwickelt haben, wie VdP-HauptgeschäftsführerJens Tolckmitt berichtet. Denn, während die Preise für Büroimmobilien im zweiten Quartal auf Jahressicht um -1,2% zurückgegangen sind und bei Einzelhandelsimmobilien im Schnitt um -0,2%, sind allein die Preise bei Wohnimmobilien um 1,9% gestiegen, sodass der Abwärtstrend bei Gewerbeimmobilien im Gesamtindex überkompensiert wird.

Wie Hauptgeschäftsführer Tolckmitt allerdings auch einräumt, hat sich der Preisanstieg bei Wohnimmobilien zuletzt weniger dynamisch entwickelte als in den Quartalen zuvor. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich der spürbare Anstieg der Bauzinsen als Folge der geopolitischen Irritationen durch den Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus auch in dieser Asset-Klasse im dritten Quartal stärker auswirken könnte. Bislang wird die Entwicklung bei Wohnimmobilien vor allem durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland und den Nachfrageüberhang auf dem Mietermarkt insbesondere in den Ballungszentren und den großen Städten angetrieben.

Im Kontrast dazu reagiert der Gewerbeimmobilienmarkt laut Tolckmitt „stärker und unmittelbarer als der Wohnimmobilienmarkt“ auf die geopolitischen Entwicklungen und die damit einhergehenden Erwartungen an einen weiteren Anstieg der Inflationsraten und entsprechend auch der Zinsen. Zu Buche schlägt hier zudem die unvermindert verhaltene konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Entsprechend sind die Gewerbeimmobilienpreise auf Jahressicht erstmals nach fünf Quartalen wieder gesunken. Die Mieten wuchsen dagegen bei Büros um 2,7% und bei Einzelhandelsimmobilien um 1,6%. „Basierend auf den Preis- und Mietentwicklungen legten die Renditen, gemessen am VdP-Liegenschaftszinssatzindex, um 4,0% bei Büros und um 1,6 % bei Handelsimmobilien zu“, heißt es dazu.

Positive Impulse für die Konjunktur und den Gewerbeimmobilienmarkt könnten aus Sicht des VdP-Geschäftsführers eine ambitionierte Umsetzung der Reformagenda durch die Bundesregierung bringen und eine Beruhigung der geopolitischen Konflikte. Die ist aber kurzfristig nicht in Sicht.

Der Blick auf die Preisentwicklung bei Wohnimmobilien zeigt, dass sich Eigentumswohnungen mit einem Plus von 2,6% im zweiten Quartal am stärksten verteuerten, vor Eigenheimen mit +2,0% und Mehrfamilienhäusern mit +1,6%. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stiegen die Preise auf vergleichbarem Niveau um 0,5% bei Eigentumswohnungen, um 0,4% bei Eigenheimen und um 0,3% bei Mehrfamilienhäusern. Der Gesamt-Preisanstieg bei Wohnimmobilien lag im Vorquartalsvergleich damit bei 0,3%.

Damit bleibt die Lage auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt laut VdP zwischen April und Juni dieses Jahres unverändert angespannt. Zwar ließ der andauernde Mangel an Wohnungen auch die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern weiter steigen, doch bedeutet ein Mietanstieg von zuletzt 3,2% gemessen am Vorjahresquartal, dass sich der Mietanstieg gegenüber den vergangenen Quartalen verlangsamt hat. Laut Tolckmitt ist es aber wichtig, dass die Bundesregierung die angeschobenen Maßnahmen wie die Beschleunigung der Planungsverfahren und das Abweichen von übertriebenen technischen Anforderungen zügig umsetzt.