ECE Marketplaces

Die Shopping-Center müssen vermietet bleiben

In den Sommermonaten 2020 belebte sich das Geschäft schnell wieder. Foto: ECE

rv DÜSSELDORF: Während der Lebensmittelhandel auch in Corona-Zeiten bestens läuft, haben viele Shopping-Center mit ihrem hohen Anteil an Mietern aus dem Nonfood-/Modehandel mit dem Shutdown zu kämpfen. Mit der Frage, vor welchen „Chancen, Risiken und Herausforderungen“ Einkaufszentren in Corona-Zeiten stehen, befasste sich Joana Fisher, CEO des Bereichs Marketplaces in der ECE Group, beim diesjährigen virtuellen Handelsimmobilien Kongress.

Bei dem Betreiber und Vermarkter von europaweit etwa 200 Shopping-Centern mit – in normalen Zeiten - 4 Mio. Besuchern täglich, haben die Zwangsschließungen in den diversen Ländern deutliche Spuren hinterlassen. Nach den Worten von Joana Fisher (Foto: ECE), CEO der ECE Marketplaces, ist die Frequenz im ersten Corona-Jahr 2020 im Schnitt um etwa 30% zurückgegangen. Der Umsatz der Mieter sank um knapp 20%. Den Jahresumsatz der ECE-Mieter beziffert sie mit 22,7 Mrd. Euro.

Nachdem viele Einzelhändler nach der erneuten Zwangsschließung in Deutschland seit 16. Dezember 2020 klagen, dass die von Bundeswirtschaftsminister und Bundesfinanzminister versprochenen Hilfszahlungen nur schleppend fließen, hat die ECE zusammen mit den Eigentümern der von ihr gemanagten Shopping-Center, die sie zum Teil auch selbst entwickelt hat, zum Jahreswechsel einen erneuten Mietnachlass für die Mieter angestoßen. Mit 90% der Partner sei eine Vereinbarung getroffen worden, berichtet Fisher.

Wie nach dem ersten Shutdown im Frühjahr wurde Mitte Dezember vereinbart, die Kaltmiete um die Hälfte zu reduzieren und die Bedingungen auch auf die Zwangsschließungen im Jahr 2021 auszuweiten. Bei einem Lockdown von einem Monat bedeutet dies nach Mitteilung der ECE einen Mietverzicht von bis zu 50 Mio. Euro in Deutschland. Des Weiteren werden die Werbebeiträge für das erste Quartal 2021 sowie mögliche Sonderwerbebeiträge erlassen. Das sind weitere 25 Mio. Euro. „Wir wollten die ausbleibenden Hilfen bei den Händlern überbrücken“, sagt Fisher.

Gleichzeitig geht es der ECE und den jeweiligen Eigentümern darum, in den aktuell nicht einfachen Zeiten, den Vermietungsstand der Einkaufszentren zu sichern. Deshalb wurde im Gegenzug zur Mietsenkung die Mietvertragslaufzeit verlängert. Die Objekte müssten vermietet bleiben, sagt Fischer. Im vergangenen Jahr lag die Vermietungsleistung der ECE im Bereich Shopping-Places, sprich: Einzelhandelsimmobilien, bei 600 000 qm. Um in Corona-Zeiten neue Impulse zu setzen, entwickelt das Unternehmen auch Pop-up-Konzepte und setzt auf zusätzliche Service-Angebote.

Nachdem sich die Geschäfte nach dem ersten Shutdown im Frühjahr 2020 im Laufe der Sommermonate schnell wieder erholt hatten, wobei die Standorte mit Schwerpunkt Nahversorgung besser liefen, hofft Fisher 2021 auf eine Belebung, sobald für die Mieter wieder Normalität eintritt. Derzeit ist der Druck aber deutlich spürbar. Knapp 5% der Mieter seien von Insolvenz betroffen, berichtet Fisher und die Tendenz sei stark steigend. Deshalb begrüßt sie auch das Engagement der Handelsverbände und fordert von der Politik einen klaren Plan für Wiedereröffnungen.

Ob das Geschäft im Jahr 2022 schon wieder das Niveau von 2019 erreichen wird, vermag Fisher mit Blick auf die aktuelle Ungewissheit noch nicht zu sagen. Klar ist aber, dass der Schub in Richtung Omnichannel-Strategie im stationären Einzelhandel und damit auch in den Shopping-Centern durch die Zwangsschließungen sehr groß geworden ist. Projekte der ECE wie die Digital Mall und der Ausbau der Shopping-Center als Omnichannel-Plattform und Logistik-Hub mit der Zustellung von online bestellter Ware an die Kunden oder Click & Collect, wurden schon vor Ausbruch der Corona-Krise aufgesetzt und zahlen sich heute aus.

Nachdem die Flächenexpansion des stationären Handel durch die wachsende Konkurrenz des Online-Handels in den vergangenen Jahren gestoppt wurde, suchen sich auch Betreiber wie die ECE Marketplaces im Zuge der Weiterentwicklung der Einkaufszentren weitere Mieter aus anderen Nutzungen. Themen sind laut Fischer Wohnen, Büros, Work & Life, Co-Working und Hotels. Aus Vermietersicht bieten sich im Bereich Handel weitere Ergänzungen wie der Ausbau des Food-Segments, Themen wie Freizeit & Unterhaltung, E-Sports & Gaming sowie Service & Gesundheit. Dieser Wandel ist auch für die Shopping-Center sehr herausfordernd.