Kommunale Energieparks und Energiewende

Die Logistikimmobilie als Kraftwerk

Quelle: Logivest

Bis 2030 sollen rund 80% des Stroms mit grünen Energieträgern erzeugt werden, so das Ausbauziel der Bundesregierung, das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert ist. Parallel dazu wird sich der Stromverbrauch durch E-Mobilität, Wärmepumpen, Wasserstoff & Co laut aktuellen Prognosen um rund 40% erhöhen. Auch das ist von der Bundesregierung gewünscht und in ihren Strategiepapieren festgeschrieben, denn die Elektrifizierung der Sektoren ist Teil der Klimawende. Das erfordert intelligente Lösungen.

Das Schlüsselwort ist hier „Digitalisierung“, und die wachsende Zahl an Rechenzentren werden zum prognostizierten Mehrbedarf beitragen. Immer mehr Unternehmen verfolgen eine Dekarbonisierungs-Strategie – und setzen auf ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit durch regenerative Energien mit ganzheitlichen Konzepten, von der Erzeugung bis hin zum Verbrauch an der Ladesäule. Wenn wir hier weiter und größer denken, sind wir bei der Vision des Kommunalen Energieparks – ein logischer Schritt sowohl in puncto Energieversorgung als auch in Bezug auf die Ladeinfrastruktur für die Verkehrswende.

Logistikimmobilien können dabei eine wichtige Rolle spielen: Auf den rund 30 Millionen Quadratmetern Photovoltaik-geeigneter Dachfläche, die in den vergangenen zehn Jahren auf Logistikobjekten entstanden sind, wäre eine Stromproduktion von bis zu 2,9 Terawattstunden möglich. Für eine vergleichbare Leistung – ausreichend für die Versorgung von rund 830 000 Haushalten – müssten rund neun Tonnen Braunkohle verbrannt werden.

Mittlerweile werden die meisten Logistikneubauten mit einer PV-Aufdachanlage bestückt oder zumindest „PV Ready“ errichtet. Dennoch sind über 80% der Dachflächen von Logistik- und Gewerbeimmobilien noch nicht mit Solarmodulen belegt, wie eine Erhebung des Fraunhofer IIS in Projektpartnerschaft mit der Initiative Power of Logistics des Themenkreises Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik e.V. sowie anderen Unternehmen ergab*).

Natürlich ist die Nachrüstung bei Bestandsimmobilien hinsichtlich Statik und Dachzustand oftmals herausfordernd und auch nicht immer wirtschaftlich, doch die Achillesferse der Energiewende sind die Stromnetze. Ursprünglich für wenige große Kraftwerke errichtet, sind die Verteilernetze mit den zahlreichen dezentralen Solaranlagen des Öfteren überlastet. Zwar hatte die Stromerzeugung durch die Sonne im vergangenen Jahr um mehr als 10% zugelegt und machte rund 14% am gesamten Strommix aus. Die fehlenden Netzkapazitäten, das lange Warten auf Netzanschlüsse, langwierige Genehmigungsverfahren sowie komplexe Regelungen bremsen jedoch den Ausbau der Sonnenenergie aus.

So wird oft nur so viel PV auf dem Dach installiert, wie im Gebäude verbraucht werden kann, weil vielerorts die überschüssige Energie nicht eingespeist werden kann. Dabei ließe sich noch deutlich mehr grüne Energie erzeugen: Etwa über Solarfassaden, die meistens auch optisch attraktiv sind, oder über vertikale Solarzäune. Und die Entwicklung für solare Energieerzeugung schreitet rasant voran: So stellte ZEISS Anfang des Jahres das Solar Window vor – eine Fensterscheibe, die kraft neuer Technologien Strom erzeugt.

Vernetzung von Energieerzeugung und -nutzung

Die Sonne ist nur einer der grünen Energieträger – das Potenzial, das in der Windkraft liegt, ist riesig. Schon jetzt gilt Windkraft als wichtigster Energieträger. So stammten 2024 über 31% des erzeugten Stroms in Deutschland aus On- und Offshore-Anlagen. Dennoch sind Windräder in der Logistik bis dato kaum im Einsatz,  was sicher auch den strengen Restriktionen und schwierigen Genehmigungsverfahren für das Aufstellen großer Windräder geschuldet ist. Dabei geht es beispielsweise um Abstandsflächen zu benachbarten Gebäuden, aber auch um Regelungen zum Schall- und Umweltschutz. Denn die Rotorblätter verursachen eine nicht geringe Lärmentwicklung. Hinzu kommen das veränderte Landschaftsbild und der Schlagschatten, den die Anlagen ob ihrer Größe bilden, und der zu einer Verschattung der Umgebung führen kann.

Durch diese Vorgaben ist eine Integration der großen Windkrafträder innerhalb einer Logistikfläche oft nicht realisierbar. Anders sieht es bei neuen Gewerbegebieten oder großflächigen Logistikansiedlungen aus. Wenn hier von Beginn an sogenannte Energie- und Windparks in die Städtebauplanung integriert werden, machen wir einen großen Schritt hin zu einem energieautarken Gewerbegebiet und letzten Endes zu einem Kommunalen Energiepark, der auch die benachbarte Gemeinde mit der überschüssigen Energie versorgen kann. Darüber hinaus bietet sich auch der Einsatz von Windturbinen als Ergänzung zu den Photovoltaik-Anlagen auf Dach oder Fassade an – hier testet gerade BMW auf seinem MINI-Werk in Oxford das neue Windenergie-Konzept.

Es ist die Kombination aus vielen Maßnahmen, die zum Erfolg führt. Photovoltaik und Windturbinen auf Dächern und Fassaden, Windräder auf dem Gelände, dazu Geothermie, der Einsatz von Wärmepumpen und die Nutzung von Abwärme aus Produktionsbetrieben, Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken – hier steckt jede Menge Potenzial. Hinzu kommt, dass sich Batteriespeicher mittlerweile rechnen und dafür sorgen, dass die grün erzeugte Energie auch dann verfügbar ist, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, und damit für ein höchstmögliches Maß an Autarkie sorgen.

Durch den Einsatz regenerativer Energien wird die Logistikimmobilie zum Kraftwerk. Einst mit dem Image des Straßenverstopfers behaftet, wandelt sich dieses Bild hin zum Energieversorger. Eine Win-win-Situation für Logistik und Gemeinde. Bereits ein einzelnes Unternehmen kann hier einiges bewerkstelligen, aber interessant wird es vor allem, wenn sich mehrere Unternehmen und somit potenzielle Kraftwerke ansiedeln, die intelligent miteinander vernetzt sind.

Zusätzlich ausgestattet mit einem Ladepark für die E-Lkw kann damit auch der dringend benötigte Ausbau der Ladeinfrastruktur vorangetrieben werden, damit auch der Warentransport über die Straße dekarbonisiert wird. Dann kommen wir zu der Vision des Kommunalen Energieparks, in dem mehrere Immobilien in Kombination mit Windkraftparks, Blockheizkraftwerken etc. nicht nur energieautark sind, sondern grüne Energie für die benachbarten Gemeinden produzieren.

Wenn die Vision eines Kommunalen Energieparks Wirklichkeit wird, sind wir der Energiewende einen großen Schritt näher. Doch dafür braucht es den Schulterschluss von Politik, Wirtschaft und Unternehmen. Hier fehlt auf Bundesebene eine klare Linie. Planungssicherheit ist das Schlüsselwort – die häufigen Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die damit verbundenen Förderanpassungen waren in der Vergangenheit kontraproduktiv. Hier braucht es mehr Rechtssicherheit und Kontinuität von der Politik.

*)https://www.bvl.de/logistikimmobilien/news/pressemeldung-power-of-logistics-2