Textil- und Modehandel

Die Lage der Branche bleibt volatil

Die Filialen von Gerry Weber wurden im Rahmen der Insolvenz geschlossen. Foto: Gerry Weber

Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Lederwaren konnte 2025 nicht vom Weihnachtsgeschäft profitieren und verbuchte allein im Dezember einen Umsatzrückgang von nominal -1,3%. Im Gesamtjahr blieb unter dem Strich ein Umsatzrückgang von -0,3%. Geprägt wird die Geschäftsentwicklung jedoch nicht nur von der Kaufzurückhaltung der Deutschen, sondern auch von den Verschiebungen zwischen den Vertriebskanälen „Online“ und „Offline“ sowie den Folgen der Pandemie.

„Die verhaltene Nachfrage im November und Dezember hat dazu geführt, dass die Mehrheit der Textil- und Modehändler das Jahr 2025 mit einem einstelligen Umsatzminus abgeschlossen hat“, berichtet der Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE), in einem ersten Rückblick: Da die Kosten jedoch gleichzeitig stabil geblieben seien oder sogar noch zugelegt hätten, dürften zahlreiche Unternehmen im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht sein. Vor diesem Hintergrund ergibt die Umfrage des Verbands vom Januar, dass das Gros der Modehändler (71% der Nennungen) für sich die Notwendigkeit sieht, die Kostenentwicklung besonders intensiv zu überprüfen und zu senken und die Warensteuerung (72% der Nennungen) so zu verbessern, dass die Abschriften vermindert werden – sprich: weniger Ware am Ende der Saison zu reduzierten Preisen verkauft werden muss.

In diesem Kontext will laut BTE rund die Hälfte der befragten Unternehmen, die Motivation seiner Mitarbeiter stärken und in die Schulung des Personals investieren. Denn im Wettbewerb mit dem Online-Handel kann der stationäre Einzelhandel gerade mit guter Beratung punkten. Weitere Investitionsschwerpunkte sind laut Umfrage die Themen Einkaufserlebnisse schaffen und Events (45%) anbieten, verstärkt auf digitales Marketing und CRM (40%) setzen, die Nutzung von KI (35%) sowie die Investition in die Optik des Ladens und in die Warenpräsentation (29%) vorantreiben. All dies sind Maßnahmen, um sich von der virtuellen Internet-Welt abzugrenzen und hier Boden gut zu machen. 

Dass dies notwendig ist, zeigt der Blick auf die Zahlen. Im Jahr 2024 – jüngere Zahlen liegen noch nicht vor – erreichte der Einzelhandel mit Bekleidung (ohne Schuhe) sowie Haus- und Heimtextilien laut BTE mit einem Umsatz von rund 67,5 Mrd. Euro zwar wieder das Niveau des Vorjahres, doch verzeichnete der Versand- und Online-Handel einen Zuwachs von 1,6% auf 19,1 Mrd. Euro. Das Umsatzplus entfiel dabei nach Feststellung des Analyseunternehmens Bulwiengesa fast ausschließlich auf die Internet Pure Player. Dagegen ging der Umsatz im stationären Einzelhandel um -0,9% auf 36,0 Mrd. Euro zurück. Damit entfallen etwa 60% des Umsatzes auf den stationären Handel und rund 40% auf den Online- und Versandhandel. Dessen Umsatzanteil hat sich dadurch um 1,0% oder 0,4 Prozentpunkte erhöht.

Ganz massiv haben sich auch die Zwangsschließungenzur Corona-Bekämpfung auf die deutsche Bekleidungs- und Textilindustrie ausgewirkt. Abzulesen ist das an den zahlreichen Insolvenzen in den vergangenen Jahren. So berichtete das Analyseunternehmen Bulwiengesa in der 20. Ausgabe des Hahn Retail Real Estate Report 2025/2026 von 153 Modeanbieter-Insolvenzen und 33 Großinsolvenzen im Nach-Corona-Jahr 2023. Laut Textilwirtschaft seien das dreimal so viele Insolvenzen wir im Jahr zuvor gewesen. Viele der von den Zwangsschließungen betroffenen Unternehmen gerieten erst nach Abflauen der Pandemie in Schieflage, etwa weil sie die Staatshilfen zurückzahlen mussten, die Ertrags- und Umsatzeinbrüche in der Pandemie aber noch nicht ausgleichen konnten. Im Jahr 2024 verzeichnete der Modehandel zwar eine Stabilisierung bei den Insolvenzen, laut Bulwiengesa aber auf einem kritischen Niveau.

Die Insolvenzwelle bleibt auf einem kritischen Niveau

„Die Insolvenzwelle verlor zwar an Intensität, blieb jedoch in der gesamten Modebranche einschließlich Handel und Herstellern deutlich über dem langjährigen Durchschnitt“, schreibt Joseph Frechen, Niederlassungsleiter bei der Bulwiengesa GmbH, im Hahn Report: „Das Jahr 2024 war geprägt von mehreren Insolvenzfällen etablierter Marktakteure.“

Zu den Namen gehört etwa der Herrenausstatter Wormland, der 2024 zunächst erfolgreich saniert und nach Abschluss des Verfahrens im August nach Übernahme durch Lengermann & Trieschmann weitergeführt wurde. Nach der zweiten Insolvenz im vergangenen November werden alle Filialen geschlossen. Einer der Gründe für das endgültige Aus soll die mangelnde Kompromissbereitschaft der Vermieter gewesen sein.

Zu den Insolvenzen, die erfolgreich abgeschlossen werden konnten, gehört die komplette Übernahme der Luxus-Kaufhaus-Kette KaDeWe-Group im Rahmen der Signa-Insolvenz durch den thailändischen Warenhaus-Betreiber Central Group.Galeria Karstadt Kaufhof konnte ihr drittes Insolvenzverfahren innerhalb von vier Jahren am 31. Juli 2024 erfolgreich mit den neuen Eigentümern, dem Unternehmer Bernd Beetz und der NRDC Equity Partners abschließen. Der Anbieter von Designermode Sör meldete im März 2024 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an und beendete es im April 2025.

Die Mode-Kaufhaus-Kette Sinn stellte im August 2024 den vierten Insolvenzantrag und konnte das Verfahren erfolgreich und etwas verschlankt zum 31. Juli 2025 beenden. „Auch im Jahr 2025 bleibt die Situation im Modehandel volatil“, stellt Frechen weiter fest. So kamen neue Insolvenzanträge im August 2025 von der Modemarke Closed hinzu, nachdem schon der Textil-Discounter Pepco Deutschland im Juli Insolvenz beantrag hatte und zahlreiche Filialen schließen und Personal abbauen musste. Die Ex-Deichmann-Tochter Onygo musste im April 2025 Insolvenz anmelden und schließlich ihr Geschäft einstellen, weil sich kein Investor für sie fand.

Die Modemarke Gerry Weber war im März 2025 erneut in Insolvenz gegangen. Inzwischen sind alle Filialen geschlossen und die Namensrechte wurden an den spanischen Modehersteller Victrix verkauft. Der österreichische Wäschehersteller Palmers musste im Februar 2025 Insolvenz anmelden, genauso wie der Skateboard-Händler Titus, der die Insolvenz in Eigenverantwortung laut Hahn Report aber im Juli 2025 erfolgreich beenden konnte.

Vor dem Hintergrund dieser weiteren Insolvenzen im Jahr 2025 erwartete der BTE keine durchgreifende Verbesserung der Marktlage: „Die Branche steht vor anhaltenden strukturellen Herausforderungen, resultierend aus stagnierenden bis leicht rückläufigen Erlösen bei gleichzeitig kontinuierlich steigenden Betriebskosten“, stellt Frechen fest: „Während Luxus- und Billiganbieter in den vergangenen drei Jahren Wachstum verzeichneten, befindet sich das mittlere Preissegment in einem intensiven Verdrängungswettbewerb.“

Laut Branchenverband BTE setzt sich die Marktkonsolidierung vor allem bei den mittelständischen Händlern fort, die mit Standardsortimenten unter erheblichem Anpassungsdruck stehen. Abzulesen ist das laut Frechen auch daran, dass sich die Marktkonzentration weiter verstärkt. Der Anteil der Großunternehmen mit einem Jahresumsatz ab 100 Mio. Euro erreichte 2024 einen Marktanteil von 64,7%, während kleine und mittlere Fachgeschäfte – oft lautlos – vom Markt verschwinden.

Das Preisbewusstsein spielt eine wichtige Rolle

In diesem schwierigen Umfeld zeichnete sich nach Beobachtung von Joseph Frechen bereits 2024 beim Einkauf von Modeartikeln „eine höhere Bedarfsorientierung ab“, die auch im ersten Halbjahr 2025 zu beobachten war. Als Antwort darauf haben die Bekleidungshersteller und auch der Modeeinzelhandel ihren „Ready to Wear“-Ansatz verstärkt. Das bedeutet, dass die Mode dann in den Geschäften zu finden sein soll, wenn die Saison beginnt oder das passende Wetter da ist. Gleichzeitig nimmt nach Frechens Beobachtung die Lust auf den Einkauf von Mode weiter ab. So sei der Anteil der Menschen, der kein Interesse an Mode hat, im ersten Halbjahr 2025 nochmals gewachsen. Allerdings schlägt diese Einkaufsverweigerung nach seiner Feststellung stärker auf den Online-Handel als auf den stationären Modehandel durch.

Des Weiteren registrierte er 2025 gegenüber 2024 bei Mode ein gemischtes Ausgabeverhalten: „Während die Konsumenten grundsätzlich preissensibel bleiben, hat die gefühlte Belastung durch Inflation allmählich nachgelassen“, wie er feststellt: „Dies führte im Verlauf des ersten Halbjahres 2025 zu selektiv erhöhten Einkaufsaktivitäten, wobei die Verbraucher verstärkt auf Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnisse achten.“ Und das Verhalten während der Corona-Zeit, sämtliche Modekäufe möglichst auf ein Geschäft zu konzentrieren, wurde wieder abgelöst von dem differenzierten Mode-Shopping-Trip, bei dem gezielt verschiedene Geschäfte aufgesucht und im Rahmen eines strategischen Einkaufs Einzelstücke gekauft werden.

Wenig veränderte sich dabei aber am Preisbewusstsein der Deutschen, das laut Frechen weiterhin eine Rolle spielt, so dass Sonderangebote oder der verstärkte Kauf von Eigenmarken im Mittelpunkt stehen. Dieses Verhalten wird seit Ausbruch der Inflation 2021/2022 auch im Lebensmittelhandel beobachtet. „Da sich besonders der Online-Kanal über den günstigen Preis definiert, zeichnet sich im ersten Halbjahr 2025 trotz der allgemeinen Zurückhaltung beim Mode-Shopping eine stabile bis leicht positive Umsatzperformance im Online-Einzelhandel mit Mode ab“, stellt der Experte fest und spricht vom hybriden Einkaufen. Tatsächlich erzielte der Internet- und Versandhandel nach den vorläufigen Zahlen des BTE 2025 bei Bekleidung einen Umsatzanstieg von 15,67 Mrd. auf 16,29 Mrd. Euro.