ESG im europäischen Kontext

Die Datenverfügbarkeit bleibt die größte Herausforderung

Foto: SES Spar

Nachhaltigkeit ist trotz gegenläufiger politischer Entwicklungen weiterhin ein zentraler Treiber im europäischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Die Branche setzt entschlossen auf innovative Konzepte, um ökologische Zielsetzungen und wirtschaftliche Anforderungen miteinander zu verbinden. Asset Manager wie GRR, die ein breites Portfolio von Handelsimmobilien verantworten, stehen vor der Aufgabe, die anspruchsvollen ESG-Vorgaben der europäischen und nationalen Regulatoren umzusetzen. Dabei wird deutlich: Die Suche nach belastbaren Nachhaltigkeitsdaten und der Umgang mit neuartigen Technologien erweisen sich als zentrale Weichensteller für die Zukunft der Branche.

Im LEH liegt der Stromverbrauch mit bis zu 300 kWh/qm deutlich über jenen im Non-Food-Bereich und macht den Großteil des Gesamtenergieverbrauchs aus. Kühlung, Klimaanlagen und Backtechnik laufen rund um die Uhr, konkrete Verbrauchsdaten sind für den Asset Manager jedoch meist nicht verfügbar. Die Mehrheit der Märkte sind Single-Tenant-Immobilien, bei denen Mieter selten Verbrauchswerte offenlegen.

GRRGarbe Retail und Building-Minds arbeiten daher mit fortschrittlichen Schätzmethoden, die Energieausweise, Portfolio-Daten und Branchenstatistiken kombinieren, um realistische Verbrauchswerte zu erhalten. Um den CO2-Fußabdruck korrekt zu bewerten und Maßnahmen abzuleiten, sind die Schätzungen essenziell.

Selbst mit guten Verbrauchsdaten bleibt die Vergleichbarkeit jedoch komplex. CRREM Dekarbonisierungspfade unterscheiden bislang nicht zwischen Einzelhandel allgemein und Lebensmittelhandel mit hohem Kühlbedarf. Dadurch schneiden LEH-Immobilien in Benchmarks oft schlechter ab – eine strukturelle Verzerrung. Für ESG-Fonds mit Artikel 8 oder 9 sollte daher überlegt werden, inwieweit sich CRREM als Nachhaltigkeitsreferenz eignet.

Große Dächer von Supermärkten bieten ein erhebliches Potenzial für Photovoltaik (PV)-Anlagen. Ein typischer Supermarkt kann etwa 45–50% seines Strombedarfs durch Dachanlagen decken. Eigenverbrauchsquoten können insbesondere beim Einsatz von Batteriespeichern bei über 70% liegen. Die Strategie und das Tempo beim Ausbau von PV im Lebensmitteleinzelhandel werden maßgeblich von den jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen und Marktmechanismen geprägt. In Ländern mit hohen Strompreisen wie Deutschland, Italien oder Spanien amortisieren sich PV-Investitionen besonders über operative Kosteneinsparungen. In Schweden kommt – auch klimabedingt – die Rendite dagegen vor allem über staatliche Förderprogramme, und unkomplizierte Genehmigungsverfahren erleichtern die Installation zusätzlich.

Ungarn wiederum setzt gezielt hohe Zuschüsse als Investitionsanreiz, wodurch sich der Markteintritt beschleunigt und PV für Handelsunternehmen besonders lohnend wird. Die konkrete Ausgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen umfasst neben steuerlichen Aspekten (z. B. eine Steuerbefreiung für Anlagen bis 100 kWp in Deutschland) aber auch detaillierte technische Anforderungen. So fordert das im Februar 2025 eingeführte Solarspitzengesetz bei Anlagen ab 7 kWp eine intelligente Steuerung, um Netzüberlastungen zu vermeiden.

Die EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien (RED) setzt einen verbindlichen Rahmen für die Mitgliedsstaaten, die den Anteil erneuerbarer Energien und die Nutzung von Eigenstrom deutlich erhöhen sollen. LEH-Immobilien dürften aufgrund des beschriebenen PV-Potenzials im Fokus der nationalen Umsetzung der RED stehen und jedes Mitgliedsland wird versuchen, mit einem eigenen Mix aus finanziellen Anreizen und Anforderungen die individuellen Ziele zu erreichen.

Gebäude mit installierter PV dürften infolge dieser Entwicklung in puncto Vermietung und Investment bevorzugt werden. Wie sich dieser Trend konkret in einzelnen Ländern manifestiert, hängt allerdings von der landesspezifischen Umsetzung und den jeweiligen Förderbedingungen ab.

Fazit: Der europäische Lebensmitteleinzelhandel steht vor einer ESG-Transformation, die durch die RED, klimatische Unterschiede und diverse Fördersysteme geprägt ist. Supermärkte mit PV sind gefragter denn je – sie profitieren von regulatorischen Vorteilen, steigender Wirtschaftlichkeit und zukunftsorientierter Vermarktung.

Die größte Herausforderung bleibt die Datenverfügbarkeit. Mit modernen Schätzmethoden und technologischen Lösungen zeigen Asset Manager wie GRR Garbe Retail, wie der Weg zu klimaneutralen Portfolios aussehen kann – datenorientiert, pragmatisch und zukunftsgerichtet.

*) Der Artikel wurde dem GRR Basic Retail Report 2025 entnommen