Bekleidungshandel

Die Branche braucht klare Öffnungsschritte

Warten auf die Öffnung der Geschäfte. Foto: R. Vierbuchen

rv DÜSSELDORF.Die „Lockerung light“ im März und das Einkaufen mit negativem Corona-Test oder mit Termin sowie Click & Collect sind für den von den Zwangsmaßnahmen gebeutelten Bekleidungshandel kein Ausgleich für sein normales Geschäft. Das zeigen die ersten Hochrechnungen des Handelsverbands Textil (BTE) für die ersten vier Monate dieses Jahres.

Denn der andauernde Lockdown, der über das hinaus geht, was in anderen Ländern üblich ist, hat dem stationären Modehandel mit seinen Boutiquen, Filialisten und Bekleidungshäusern nach den Hochrechnungen des Handelsverbands Textil (BTE) in den ersten vier Monaten „einen historischen Umsatzeinbruch“ beschert. Gegenüber 2020 verlor die Branche 40 bis 50% an Umsatz. Vergleicht man die Erlöse mit dem Vor-Corona-Jahr 2019, dann geht der Verband laut BTE-Sprecher Axel Augustin von Einbußen in der Größenordnung von etwa 60% aus: „Allein im April liegen die Umsatzverluste gegenüber 2019 bei 70 bis 80%.“

In absoluten Zahlen ist dies im ersten Tertial 2021 - gegenüber 2020, als die Geschäfte von Mitte März bis Mitte April auch geschlossen waren - ein Umsatzverlust von etwa 4 Mrd. Euro. Gemessen an 2019 liegt der Rückgang bei 6 Mrd. Euro. Damit wird klar, dass die kurze Öffnungsphase im März sowie das Einkaufen mit Termin oder Click & Collect die Einbußen „nicht mal annähernd ausgleichen“, wie Augustin feststellt.

Ein großes Problem für den stationären Modehandel sind laut BTE die wachsenden Warenmengen. Denn neben der unverkauften Frühjahrsmode wartet auch immer mehr Sommerware auf den Verkauf. „Der stationäre Modehandel braucht schnellstens substanzielle Öffnungsschritte“, so Augustin. Ansonsten würden tausende Modegeschäfte nicht mehr öffnen. Das werde zehntausende Arbeitsplätze kosten.

Der gesamte von den Zwangsmaßnahmen betroffene Nicht-Lebensmittelhandel verliert lnach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) in der Zeit von Januar bis Mai gemessen am Vor-Corona-Jahr 2019 einen Umsatz in Höhe von 40 Mrd. Euro. Nach einer aktuellen Verbands-Umfrage unter etwas mehr als 1 000 Einzelhändlern sieht gut die Hälfte (53%) der Bekleidungshändler ohne weitere staatliche Hilfen im Jahresverlauf die Existenz gefährdet, im Schuh- und Lederwarenhandel sind es knapp 60%. Deshalb fordert der HDE weitere Anpassungen und mehr Tempo bei den staatlichen Hilfen.

„So wertvoll Signale wie eine Öffnung der Geschäfte mit Testpflicht oder Terminvereinbarung für die Stimmung sind, wirtschaftlich ist das für viele Geschäfte nicht“, bestätigt auch der Handelsverband Deutschland die Aussage des Textil-Verbands: „So sprechen die Händler, die mit Testpflicht geöffnet sind, in der HDE-Umfrage im Durchschnitt von Umsatzverlusten von beinahe 60%, beim Shoppen mit Terminvereinbarung liegen die Verluste bei knapp 50%. Und auch das Einkaufen mit Begrenzung der Kundenzahl beschert den befragten Händlern mehr als ein Drittel weniger Umsatz als vor der Krise.“

Weil die Lage im Nonfood-Einzelhandel vielerorts sehr schlecht sei, müssten die Corona-Hilfen jetzt „schnellstmöglich komplett ausgezahlt werden“, fordert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE: Bisher haben laut Verbands-Umfrage fast drei Viertel der betroffenen Einzelhändler seit Beginn der Krise staatliche Unterstützung bekommen. 60% warten aber noch auf ausstehende Zahlungen und 60% der Empfänger von Abschlagszahlungen erhielten bislang weniger als die Hälfte der Auszahlungssumme.

Des Weiteren kritisiert der HDE, dass selbstständige Einzelhändler, die aus ihren Einnahmen den Lebensunterhalt bestreiten müssen, zum Ausgleich für die Zwangsschließungen keinen Unternehmerlohn bekommen, sondern gezwungen wären, zum Sozialamt zu gehen. Für größere Unternehmen fordert der HDE zudem, dass auch sie Unterstützung erhalten. „Größere Händler mit vielen Filialen haben höhere Fixkosten und brauchen mehr Unterstützung“, so Genth. Starre und viel zu niedrig angesetzte Höchstgrenzen für die Auszahlung von Corona-Hilfen pro Unternehmen sorgten im Ergebnis dafür, dass viele Handelsunternehmen keine Chance mehr hätten, die Krise zu überstehen.