Smarte Parkplatzkonzepte in der Stadt

Der Zugang mit dem Pkw ist das Ziel

HIR DÜSSELDORF. Deutschlands Innenstädte stecken in einem Zielkonflikt. Einerseits streben sie nach verkehrsberuhigten Zonen und weniger Autoverkehr in den Stadtzentren. Andererseits sind Besucher aus dem weiteren Umland – außerhalb des ÖPNV-Netzes – auf die Anreise mit dem Pkw angewiesen. Nach einer bundesweit repräsentativen Studie des IFH Köln und des Spezialisten für Parklösungen, Lödige Industries, ist eine gute Erreichbarkeit die Voraussetzung für den Besuch einer Innenstadt – und damit auch für den Erfolg der City.

Dabei stehen Stadtzentren aber unter einem wachsenden Druck, da der verfügbare Raum knapper wird, während die Anforderungen an Mobilität, Aufenthaltsqualität und Nutzung steigen. „Um Flächen für Wohnraum, Begrünung, Aufenthaltsqualität und sichere Mobilität zu schaffen, rückt die effizientere Organisation von Parkraum in den Fokus – ohne dabei die Erreichbarkeit von Innenstädten einzuschränken“, lautet das Ergebnis der neuen Studie des IFH Köln, die zusammen mit Lödige Industries und Bable Smart Cities erstellt wurde. Dafür wurden 1 056 Menschen bevölkerungsrepräsentativ befragt. Laut Umfrage ist für die Mehrheit der Befragten (93%) eine gute Erreichbarkeit essenziell für funktionierende Innenstädte und die Grundvoraussetzung, um dem Stadtzentrum einen Besuch abzustatten.

Im Umkehrschluss gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie die Innenstadt häufiger aufsuchen würden, wenn sie mit dem ÖPNV (68%) oder mit dem Auto (62%) besser erreichbar wäre. Vor diesem Hintergrund stellt Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter am IFH Köln fest, dass die Innenstädte vor dem Zielkonflikt stehen, dass einerseits der Zugang gesichert bleiben muss, während gleichzeitig Flächen in der City neu verteilt werden sollen. Dabei zeigen die Daten aus seiner Sicht, dass es nicht um den Konflikt ‚Auto oder Stadt‘ geht, sondern vielmehr um die Frage, „wie Mobilität und Flächennutzung besser zusammengebracht werden können“.

Denn dass pauschale Ansätze wie die Parole „Autos raus“, die in vielen Städten diskutiert werden, zu kurz greifen, zeigt laut Studie die Realität vieler Menschen: Das Auto bleibt ein zentraler Bestandteil ihres Mobilitätsalltags. Entsprechend ist es auch für den Besuch von Innenstädten das meistgenutzte Verkehrsmittel: 46% der Befragten fahren am häufigsten mit dem Auto in die City und 13% kombinieren den Pkw mit anderen Verkehrsmitteln. 30% nutzen primär den öffentlichen Nahverkehr. Und acht von zehn der Befragten gaben an, gelegentlich das Auto zu nutzen, denn für sehr viele (67%) wird der Innenstadtbesuch sonst schwierig. Zugleich empfinden 49% die Parksituation in Großstädten als schwierig, in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München oder Köln liegt der Anteil mit 61% sogar noch deutlich höher.

Dabei wird Parkraum in der Studie nicht isoliert betrachtet, sondern als sichtbarer Konkurrent um knappe Flächen im öffentlichen Raum. So nehmen 87% der Befragten Flächenkonflikte als allgegenwärtig wahr, 71% messen deren Lösung höchste Priorität bei. Besonders häufig werden Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln (64%) und Parkraum sowie Grünflächen (48%) genannt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Qualität der Innenstädte: Denn 84% der Befragten wünschen sich mehr Platz für Grün- und Verweilflächen und fast genauso viele (81%) würden Innenstädte bei höherer Aufenthaltsqualität häufiger besuchen.

Der Parkraum muss kompakter organisiert werden

Parkraum smarter und kompakter organisieren: Ein zentraler Hebel in diesem Zielkonflikt ist aus Sicht vieler Befragter die Neuorganisation des Parkens. So wären 87% der Befragten, die regelmäßig mit dem Auto in die Innenstadt fahren, bereit, auf öffentliche Stellplätze zu verzichten – vorausgesetzt, es gibt gut erreichbare Alternativen wie Parkhäuser oder Tiefgaragen. Zudem erwarten sie faire Zugangsregelungen (86%) und eine sichtbare Aufwertung der freiwerdenden Flächen, etwa durch Grün- und Aufenthaltsbereiche (78%). Insgesamt befürwortet eine Mehrheit (84%) laut Studie eine Verkehrswende – allerdings nicht über Einschränkungen oder Verbote, sondern über integrierte Lösungen, die alle Verkehrsmittel einbeziehen.

„Wenn Parken kompakter organisiert wird, entsteht Raum für das, was Innenstädte wirklich attraktiv macht, sagt Tobias Wennekamp, Chief Product Officer bei Lödige Industries: „Grün, Aufenthaltsqualität und neue Nutzungen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass weniger Parkplätze im öffentlichen Raum akzeptiert werden – vorausgesetzt, es gibt funktionierende Alternativen und der Mehrwert wird für die Menschen sichtbar. Genau hier liegt der Schlüssel für lebenswertere Innenstädte.“

Vor diesem Hintergrund ist Parken laut Studie nicht länger ein zweitrangiger technischer Vorgang. Auf Grund des Ausmaßes, der Sichtbarkeit der Autos und der regulatorischen Flexibilität, gehört Parken heute vielmehr zu den räumlichen Variablen, die die Innenstädte aktiv reorganisieren können, ohne den physischen Fußabdruck des Parkens zu vergrößern. Es geht um räumliche Effizienz.

Dabei zeigt sich in den untersuchten Städten der generelle Trend, dass sie nicht mehr überall Parkraum für Autos zur Verfügung stellen, sondern den Zugang zu Parkraum mehr strategisch organisieren. So wird der Parkraum weniger auf großen öffentlichen Plätzen geschaffen als vielmehr in Gebäude oder in den Untergrund verlagert, oder in umfassende Mobilitätssysteme integriert. Das Ziel besteht dabei nicht darin, den Zugang zum Stadtzentrum zu begrenzen, sondern den räumlichen Fußabdruck der Autos in den Innenstädten zu verkleinern, um den Zugang für die Autos weiter möglich zu machen. Damit ist die Regulierung des Verkehrs inzwischen untrennbar verbunden mit der Flächenregulierung in einer Innenstadt.

Obwohl die Beispiele in dem Whitepaper auf den Erfahrungen aus Städten wie Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Freiburg, Bruges und Fürstenfeldbruck beruhen, sind die beschriebenen dynamischen Prozesse nicht spezifisch für diese Städte. Vielmehr spiegeln sie in der Breite die europäischen Bedingungen wider, die sich aus der Verdichtung innerhalb von festen Grenzen, wachsendem Druck auf den öffentlichen Raum und den wachsenden Wettbewerb zwischen Mobilität, Klima und den wirtschaftlichen sowie den sozialen Prioritäten ergeben.