Douglas Group

Der Markt pendelt sich neu ein

Foto: Douglas

rv DÜSSELDORF. Traditionell sind hochpreisige Konsumgüter krisenresilienter als die Güter des Massenkonsums. Doch auch bei Europas führendem Einzelhändler für „Premium Beauty“, der Douglas Group mit Sitz in Düsseldorf, haben sich die geopolitischen Unsicherheiten, die wachsende Inflation – vor allem bei den Energiekosten – und die „schwächste Konsumentenstimmung im Euroraum seit Ende 2022“ auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt. Dem will die Geschäftsführung mit einer wachstumsfördernden Strategie entgegenwirken.

„Der europäische Markt für Premium Beauty pendelt sich neu ein, weshalb wir die Umsetzung unserer Strategie entsprechend beschleunigen und unsere operativen Prioritäten auf diese neue Realität ausrichten“, analysiert Sander van der Laan, (Foto) CEO der Douglas Group, die aktuelle Marktlage bei Vorlage der Bilanzzahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 (30.9.). Konkret will das Unternehmen den Fokus stärker auf seine Omnichannel- und E-Commerce-Aktivitäten richten sowie auf die erfolgreichen Cross-Channel Services wie Click & Collect Express und die zugrunde liegenden Technologien sowie auf den zeitgemäßen Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI).

Dazu gehören etwa der Einsatz von AI Beauty Advisor Chatbots im Online-Shop und in der App mit dem Ziel, die Zufriedenheit der Kunden zu steigern. Der AI Beauty Advisor soll in den nächsten Monaten und Jahren durch kontinuierliche Funktions-Updates, CRM-Integration und zusätzliche Features stetig weiterentwickelt und im Laufe der Zeit auch international eingesetzt werden. Wirtschaftliches Ziel ist es, die Conversion Rate zu erhöhen sowie den Warenwert zu steigern und die Größe der Warenkörbe zu erhöhen.

Als wichtige Säule des kanalübergreifenden Einkaufserlebnisses entwickelt sich nach Unternehmensangaben die Beauty Card seit ihrem Relaunch vor einem Jahr. Es handelt sich hier um eines der führenden Treueprogramme Europas, dessen Mitgliederzahl inzwischen bei einer Kundschaft von über 64 Mio. Menschen liegt. Dabei steht die Stammkundschaft in verschiedenen Märkten für etwa 80% des Umsatzes. Nach Unternehmensangaben wurde das neue Programm inzwischen in neun Ländern eingeführt und deckt mehr als zwei Drittel der Kundschaft ab. Die Einführung in weiteren Märkten ist geplant.

Die Geschäftsführung sieht das Omnichannel-Modell der Douglas Group mit ihren insgesamt 1 970 Filialen (inkl. Franchise-Partner) in 22 Ländern (Stande 31.3.) in Kombination mit ihren „erstklassigen Online-Shops, mobilen Apps und weiteren digitalen Angeboten“ immer mehr als strategischen Vorteil im Premium-Beauty-Einzelhandel. Ablesen lässt sich das auch an der Tatsache, dass diese kanalübergreifenden Serviceangebote wie das bereits oben erwähnte Click & Collect Express im zweiten Quartal um 29,8% gewachsen sind und inzwischen einen Umsatzanteil von etwa 5% erreichen. Deshalb sind auch weitere internationale Rollouts und Funktionsverbesserungen geplant.

Ergänzt wird diese Multi-/Cross-Channel-Strategie durch die Erweiterung des Sortiments um eine einmalige Auswahl an Exklusiv-, Selektiv- und Eigenmarken, die das Angebot gegenüber der Konkurrenz unverwechselbar machen sollen. Das eröffnet auch mehr Spielraum bei der Preisgestaltung, da die Wettbewerber die Produkte nicht anbieten und deshalb auch nicht in einen Preiswettbewerb treten können. Ziel ist es, die Position als Europas führender Händler für Premium Beauty weiter auszubauen.

Exklusive Marken machen den Unterschied im Sortiment

Exklusive Marken trugen im Geschäftsjahr 2025/26 bislang mehr als zwei Drittel zum gesamten Umsatzzuwachs bei – bei höheren Margen im Vergleich zum übrigen Geschäft –, was ihre Rolle als wichtiger Treiber für Wertzuwachs und Performance unterstreicht. Zu den bedeutendsten Markteinführungen im bisherigen Kalenderjahr 2026 zählen die Make-up-Marke „about-face“ der Sängerin Halsey, die Parfümmarke „Orebella“ des Models Bella Hadid und die Haarpflegemarke „Lolavie“ der Schauspielerin Jennifer Aniston. Alle Exklusiv- und Eigenmarken der Douglas Group machten im zweiten Quartal fast 15% des Konzernumsatzes aus.

Nach den Worten von Douglas-CEO Sander van der Laan sind die Maßnahmen „keine kurzfristigen Reaktionen auf Marktschwankungen, sondern bewusste Entscheidungen, um unser Fundament in einem sich wandelnden Umfeld zu stärken“. Hinzu kommen ein striktes Kostenmanagement und die Konzentration auf die strategischen Schwerpunkte, ein „unvergleichliches Einkaufserlebnis in der Premium-Beauty-Welt“ und ein „hocheffizientes Geschäftsmodell“, um die Basis für ein nachhaltiges und profitables Wachstum zu schaffen.

Allein im zweiten Quartal, das von Anfang Januar 2026 bis Ende März reicht, erzielte die Douglas Group einen Umsatz von 949,7 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahresumsatz von 939 Mio. Euro einem Wachstum von 1,1% entspricht. In den Filialen erhöhten sich die Erlöse um 0,5% auf 629,2 Mio. Euro, während das E-Commerce- und dass Cross-Channel-Geschäft zusammen um 2,4% von 312,9 Mio. auf 320,5 Mio. Euro zulegte. Der Bereich E-Commerce erhöhte seinen Anteil am Umsatz damit leicht von 33,3 auf 33,7%.

Zusammengerechnet mit dem ersten Quartal, das in den Monaten Oktober bis Dezember 2025 mit dem Weihnachtsgeschäft zusammenfällt, erhöhten sich die Erlöse im ersten Halbjahr um 1,5% von 2,585 Mrd. Euro auf 2,623 Mrd. Euro. Die Filialen legten in diesem Zeitraum nur leicht um 0,4% von 1,727 Mrd. Euro auf rund 1,735 Mrd. Euro zu, während die Erlöse im E-Commerce – bei kleinerer Basis – um 3,4% von 858,2 Mio. auf 888,6 Mio. Euro zulegten. Der Anteil am Gesamtumsatz lag Ende des ersten Halbjahres bei 33,9%.

Dass trotz des Umsatzwachstums in einem schwierigen Umfeld im zweiten Quartal ein Nettoverlust in Höhe von 124,6 Mio. Euro anfiel, begründet die Geschäftsführung in erster Linie mit Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 99 Mio. Euro im Zusammenhang mit dem französischen Geschäft (Nocibé) sowie Parfumdreams (als Teil des Segments Parfumdreams / Niche Beauty) und mit weiteren Wertminderungen auf Vermögenswerte, die mit rund 14,5 Mio. Euro beziffert werden.

Das bereinigte Nettoergebnis betrug -10,0 Mio. Euro nach -12,2 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Zudem belastete die Verunsicherung und Preissensibilität der Kundschaft die Profitabilität nach Unternehmensangaben auch im zweiten Quartal. Abzulesen ist das am Rückgang des bereinigten Ebitda um 5,1% auf 116,1 Mio. Euro und des bereinigten Ebit von 32,1 Mio. Euro auf 19,1 Mio. Euro.

Im ersten Halbjahr ging das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 298,4 Mio. Euro auf 256,4 Mio. Euro zurück (-14,1%). Das bereinigte Nettoergebnis sank um 13,3% von 157,8 Mio. Euro auf 136,8 Mio. Euro. Für das Geschäftsjahr 2025/26, das am 30. September endet, erwartet die Geschäftsführung einen Umsatz in der Größenordnung von 4,65 Mrd. Euro.