rv DÜSSELDORF: Der Blick auf den Vermietungsmarkt für Logistikimmobilien zeigt, dass zumindest in einigen Regionen die Nachfrage nach Flächen stark ansteigt und die vorübergehende Zurückhaltung beim spekulativen Neubau Folgen hat. In diesem Umfeld erweisen sich der Groß- und Einzelhandel sowie der E-Commerce als Treiber und Stabilisator des Neubaugeschäfts.
Von den 3,4 Mio. qm Neubauvolumen auf dem deutschen Logistikimmobilienmarkt im vergangenen Jahr entfiel nach den Zahlen des Immobiliendienstleisters Logivest mit 640 000 qm der größte Teil auf den Groß- und Einzelhandel respektive den E-Commerce. Dazu gehörten auch die beiden größten Neubauprojekte: So stand auf dem Spitzenplatz mit 63 000 qm der neue Logistikstandort der Winkler Unternehmensgruppe, der von der Dietz AG in Langenau umgesetzt wurde. Winkler ist ein technischer Händler und Ausrüster, der Nutzfahrzeughalter, Werkstätten und Agrarbetriebe mit Ersatzteilen beliefert. Auf dem zweiten Platz steht das built-to-suit Projekt der Logad GmbH für den Schweizer Online-Händler Galaxus mit rund 65 000 qm in Neuenburg.
Und auch für die nächsten Jahre hat das Handelssegment laut Logivest Research etwa 1,3 Mio. qm Neubaufläche projektiert. Neben dem erwähnten Groß- und Einzelhandel spielen dabei auch asiatische/chinesische Akteure aus dem E-Commerce, die bereits im vergangenen Jahr und auch im ersten Quartal vermehrt als Nutzer im Markt aufgetreten sind, eine zunehmende Rolle. Zudem zeigt der US-Internet-Riese Amazon wieder mehr Engagement.
Laut Logivest plant der Onlinehändler für die nächsten Jahre mehrere Projekte. Zu nennen ist hier etwa das neue 52 000 qm große Logistikzentrum in Könnern in der Logistikregion Leipzig/Halle. Hier haben die Bauarbeiten im April dieses Jahres bereits begonnen. Noch größer ist mit 82 000 qm das geplante Logistikzentrum des Drogerie-Einzelhändlers Rossmann. Hier soll mit dem Bau im Herbst begonnen werden. Wie Logivest berichtet, hat die Gemeinde Lünen bereits grünes Licht für das Brownfield-Projekt gegeben.
Die Industriebranche verzeichnete im vergangenen Jahr beim Neubauvolumen zwar eine beeindruckende Steigerung von mehr als 60%, wie Logivest berichtet. Mit rund 460 000 qm Neubaufläche blieb sie jedoch deutlich hinter dem Handel zurück. Noch schlechter schneiden die Logistikdienstleister und die Automotive-Branche ab. Hier ist das Neubauvolumen im vergangenen Jahr dagegen gesunken – wie nach Feststellung des Immobiliendienstleisters bei vielen anderen Sektoren auch: Bei Logistikdienstleistern lag das Neubauvolumen bei rund 430 000 qm und beim Automobils-Sektor bei knapp 215 000 qm Neubaufläche.
Auch bei der für 2026/2027 projektierten Neubaufläche liegt der Industrie-Sektor mit seinen etwa 525 000 qm weit hinter dem Handel zurück. Damit diese Projekte in den nächsten Jahren auch erfolgreich umgesetzt werden können, sind laut Logivest vor allem wirtschaftliche Impulse notwendig. Denn schon jetzt zeigt sich, wie sehr etwa der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft belastet.



