Global Retail Attractivness Index (GRAI)

Der Einzelhandel hat die Trendumkehr nach der Pandemie geschafft

Quelle: Union Investment / GfK

rv DÜSSELDORF. Zeigte der Global Retail Attractiveness Index (GRAI), der die Attraktivität der globalen Einzelhandelsmärkte misst, im ersten Halbjahr des Jahres 2023 mit einem Wert von 113 in Europa spürbar nach oben, so hat sich der Aufwärtstrend weiter verfestigt. Vor allem die Aufhellung der Verbraucherstimmung hat dazu beigetragen, dass sich der Indikator mit einem Wert von 114 Punkten auf hohem Niveau stabilisiert hat.

Das Besondere: „Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher ist in allen 15 Märkten gegenüber dem Vorjahr gestiegen, überwiegend sogar zweistellig und besonders signifikant in PolenUK und den südeuropäischen Märkten“, konstatiert Markus DiersLeiter Asset Management Retail bei Union Investment, die den Global Retail Attractiveness Index (GRAI) zusammen mit der GfK erstellt. In den EU-15-Index fließen die Indizes der EU-Länder Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Niederlande, Belgien, Irland, Portugal, Polen und Tschechien sowie von Großbritannien ein.

Konkret verbesserte sich die Verbraucherstimmung gegenüber dem ersten Quartal 2023 – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus kommend – um 12 auf 91 Punkte, was allerdings auch zeigt, dass die Stimmung damit immer noch unter dem Gleichgewichtswert von 100 bleibt. Unterstützt wird der positive Trend bei der Verbraucherstimmung laut Diers durch eine positive Entwicklung bei den europäischen Einzelhandelsumsätzen, die sich um 5 auf 138 Punkte verbesserte, sodass der EU-15-Index im ersten Quartal 2024 – gemessen am Jahr 2018 – nach seinen Worten einen neuen Höchststand erreicht hat.

Der Blick auf die Indikatoren in den einzelnen EU-15-Ländern zeigt auch, dass die Entwicklung in Europa an Breite gewonnen hat. Denn der Indikator legte binnen Jahresfrist in 9 der 15 Länder zu. Besonders stark wuchs er in Polen mit 10 Punkten auf den europäischen Spitzenwert von 137 Punkten. In Großbritannien stieg er gleichfalls um 10 Punkte auf einen Wert von 112. Auch Dänemark legte um 10 Punkte zu, blieb mit 96 Zählern aber noch unter der 100-Punkte-Marke, genauso wie Schweden, das mit einem Plus von 8 Punkten nur einen Gesamtwert von 92 Zählern erreichte. Aufwärts ging es auch in Portugal um 2 Zähler auf 118 Punkte, in Spanien um 6 Zähler auf 116 Punkte, in Italien um 2 Punkte auf 115 Zähler, in Irland um 5 Punkte auf 110 Zähler und in den Niederlanden um 2 Zähler auf 109 Punkte.

Leicht rückläufig war der Retail Attractivness Index in Tschechien mit -4 Punkten aber auf einen immer noch hohen Wert von 117, in Deutschland um -3 Punkte auf 112, in Finnland um minus einen Punkt auf 102 und in Österreich um -2 Zähler auf 93. Nur in Frankreich blieb der Index mit 114 Punkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum unverändert. In Deutschland führte laut Union Investment das schwache Retail Sentiment dazu, dass sich der Aufwärtstrend nicht fortgesetzt hat. Insgesamt zeigen die EU-15-Länder allerdings einen überwiegend positiven Trend, wobei aber auch deutlich wird, dass die betrachteten Länder in Mittel- und Osteuropa sowie in Südeuropa die Spitzengruppe dominieren. Dazu hat auch beigetragen, dass die ausgabenfreudigen ausländischen Touristen vor allem in die südeuropäischen Metropolen zurückgekehrt sind.

Für Andreas LöcherLeiter Investment Management Operational bei Union Investment ist „die positive Entwicklung des GRAI ein weiterer Hinweis darauf, dass der Einzelhandel die Trendumkehr nach der Pandemie geschafft hat“. Gleichzeitig registriert er eine spürbare Polarisierung des Einzelhandelsmarktes in den Convenience-Bereich, der von dem wachstumsstarken Nahversorgungssegment repräsentiert wird, und dem Experience-Bereich, der nach seinen Worten vor allem von Einkaufs-Destinationen „in exzellenten Mikrolagen, die unter anderem auch vom Tourismus profitieren, wie zum Beispiel das Alexa in Berlin oder das Palladium in Prag aus unserem Portfolio“, repräsentiert werden. Löcher geht davon aus, dass solche Objekte im Fokus von Investoren stehen dürften: „Außerhalb dieser beiden krisenresilienten Teilsegmente wird es hingegen zu erhöhten Transformationsanstrengungen kommen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, ist er überzeugt.

Keine Impulse kamen im ersten Quartal 2024 dagegen vom GRAI-Teilindikator Händlerstimmung, die ungeachtet der positiven Entwicklung bei den europäischen Einzelhandelsumsätze unverändert bei dem unterdurchschnittlichen Wert von 95 verharrte. Offensichtlich sorgt unter Europas Einzelhändlern die schwierige geopolitische Lage für Unsicherheit. Auch der Arbeitsmarktindikator blieb hier zunächst auf Vorjahresniveau, mit 137 Punkten allerdings auf einem überdurchschnittlichen Niveau.