Kommunale Wärmeplanung

Das Potenzial von Logistikimmobilien für die Kommunale Wärmeplanung ist hoch

Foto: Fiege

HIR DÜSSELDORF. Die Energiewende steht vor einer ihrer größten Aufgaben – der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Mit Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) am 1. Januar 2024 ist der Rahmen für eine klimafreundliche und zukunftsfähige Kommunale Wärmeplanung (KWP) gesetzt. Damit diese gelingt, ist nicht zuletzt der Immobilienbereich entscheidend, denn etwa ein Fünftel der bundesweiten CO₂-Emissionen geht auf das Heizen und Kühlen von Gebäuden zurück. Logistikimmobilien können zur KWP einen wesentlichen Beitrag leisten – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag der Initiative Logistikimmobilien (Logix).

Deutschland verfolgt das Ziel, seine Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral aufzustellen. Im Zuge der Kommunalen Wärmeplanung sind Städte und Gemeinden in der Pflicht, tragfähige und umsetzbare Lösungen für eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu entwickeln. So müssen Kommunen mit mehr als 100 000 Einwohnern bereits ab Mitte 2026 einen konkreten Wärmeplan vorlegen, kleinere Städte folgen bis Mitte 2028. Diese sollen alle fünf Jahre überprüft werden. Dass der Handlungsdruck hoch ist, zeigt zudem die Zahl von jährlich rund 150 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen, die laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft derzeit noch durch die Beheizung und Kühlung von Gebäuden sowie die Warmwasserversorgung entstehen.

Gemäß der aktuellen Logix-Studie Logistikimmobilien als Pfeiler der Kommunalen Wärmeplanung können Logistikimmobilien einen substanziellen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Die Studie wurde unter der Leitung von Jannick Höper und Benedikt Scholler von List Eco, angefertigt und entstand in Zusammenarbeit mit Fiege sowie Siemens Energy. Betrachtet werden die Gebäude aus verschiedenen Perspektiven – im Fokus steht ihre Doppelfunktion als Erzeuger und als Verbraucher von Energie. Zudem widmen sich die Autoren der Frage, welche Bedeutung Logistikimmobilien innerhalb lokaler Energiegenossenschaften haben und wie sie einen Beitrag zu einer nachhaltigen Verkehrswende leisten können. Auch die Netzinfrastruktur wird in einem eigenen Kapitel behandelt. 

In beiden Funktionen ist das Potenzial von Logistikimmobilien für die KWP hoch. Die weitläufigen Dachflächen großer Logistikimmobilien eignen sich hervorragend für Photovoltaikanlagen, deren lokal erzeugter Strom direkt vor Ort genutzt werden kann. Dies führt zu einem deutlich reduzierten oder sogar neutralen CO₂-Fußabdruck im Betrieb. Geothermie-Anlagen können außerdem Erdwärme für die Beheizung bereitstellen – ganz ohne die Verwendung fossiler Brennstoffe.

Überdies stehen Logistikimmobilien meist verkehrsgünstig an Autobahnen und Zufahrten, die von zahlreichen Verkehrsteilnehmern frequentiert werden, denn eine gute Erreichbarkeit gehört für Nutzer dieser Immobilien zu den wichtigsten Standortfaktoren. Die Gebäude eignen sich daher als Knotenpunkte für Energie und Mobilität. Davon können Kommunen profitieren, indem etwa der auf den Dachflächen erzeugte Solarstrom in lokale Ladeinfrastrukturen für E-Fahrzeuge fließt. Damit würden sie zur kommunalen Mobilitätswende beitragen, für deren Erfolg die Umstellung auf E-Fahrzeuge ein wesentlicher Bestandteil ist.

Eine weitere Option zur Nutzung erneuerbarer Energie besteht in der Verwendung von Wasserstoff als Speicherlösung. So können z. B. Solarenergie-Überschüsse vorgehalten und bei Bedarf direkt vor Ort eingesetzt werden – etwa für den Betrieb von Gabelstaplern oder anderer Lagertechnik innerhalb der Immobilie. Auch eine Weitergabe an Unternehmen aus Industrie und Produktion wäre möglich.

Es gibt noch viele Herausforderungen

„Für die Akteure in der Logistikimmobilien-Branche sind die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz nichts Neues. Im Rahmen der ESG-Kriterien als auch steigender politischer sowie gesellschaftlicher Anforderungen werden die Gebäude immer grüner“, sagt Jannick Höper, geschäftsführender Gesellschafter bei List Eco und Mitautor der Publikation: „Dass gerade hierdurch aber auch Potenziale entstehen, um Kommunen bei der Wärmeplanung zu unterstützen, ist eine neue und wichtige Erkenntnis, die die Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen auch praktisch zugänglich macht.“

Auch als Energieverbraucher können Logistikimmobilien eine wichtige Rolle übernehmen. Durch ihre technische Ausstattung mit Förderanlagen, Flurförderzeugen und IT-Systemen verfügen sie in der Regel über einen hohen Energiebedarf und können große Mengen grüner Energie abnehmen – das trägt zur Entlastung der Stromnetze bei Produktionsspitzen Erneuerbarer Energien bei – eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende.

Bei allen Chancen, die Logistikimmobilien Städten und Gemeinden bei einer nachhaltigen Energie - und Wärmewende bieten, verdeutlichen die Autoren gleichzeitig, dass noch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen sind – sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht. Dazu zählen unter anderem hohe Investitionskosten, unzureichende Traglastreserven auf den Dächern sowie regulatorische Unsicherheiten. Für deren Bewältigung sind kooperative Ansätze in der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Wirtschaft erforderlich.

„Damit die Potenziale von Logistikimmobilien für das Erreichen der Ziele der Energiewende abgerufen werden können, bedarf es einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik“, sagt Malte-Maria Münchow, Sprecher der Initiative Logistikimmobilien (Logix) und Head of Logistics Strategy bei Deka Immobilien Investment: „Gemeinsam gilt es, regulatorische Unsicherheiten abzubauen und die begrenzten Stromnetzkapazitäten auszuweiten. Dafür ist politische Förderung nötig, eine enge Kooperation mit Kommunen, bessere Netzanbindungen und wirtschaftliche Anreize. Auf beiden Seiten müssen noch viele Hürden genommen werden, gemeinschaftlich aber kann es gelingen“, ist der Experte überzeugt.