rv DÜSSELDORF. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gewinnt der Preis beim Einkaufen immer mehr an Bedeutung – und Rabatt-Aktionen wie am „Black Friday“, der traditionell am Freitag nach dem US-amerikanischen Thanksgiving-Fest stattfindet, sind in diesem Kontext wichtig. Mit dem „schwarzen Freitag“ und dem folgenden „Cyber Monday“ beginnt die „Black Week“, in der viele Einzelhändler mit besonderen Rabatten und Angeboten locken. Nach einer Umfrage von PwC kann sich hierzulande auch in diesem Jahr die überwiegende Mehrheit (84%) dem Zauber der Preisaktionen nicht entziehen.
„Viele Menschen planen im Vorfeld genau, was sie zu diesem Anlass kaufen wollen und haben konkrete Vorstellungen, wie viel Geld sie wofür ausgeben werden“, berichtet Christian Wulff, Consumer Markets Leader bei PwC Deutschland und EMEA, mit Blick auf die Tatsache, dass der Black Friday im deutschen Einzelhandel längst eine Tradition ist. Vor dem Hintergrund, dass die Konsumlaune der Bundesbürger seit Jahren eher schwach ist, bieten die Aktionstage für den Einzelhandel eine gute Gelegenheit, den Verkauf anzukurbeln.
Allerdings ist es wichtig, nicht alles runterzusetzen, sonst besteht die Gefahr, dass die Kunden schon alle Weihnachtseinkäufe zu Schnäppchenpreisen erledigen. Das schlägt auf den Gewinn. Für ihre Studie hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland bundesweit 2 000 volljährige Deutsche nach Alter und Geschlecht repräsentativ zu ihren Einkaufsplänen befragt.
Die gute Nachricht für den Einzelhandel: Im Durchschnitt betrachtet will das Gros der Befragten (62%) rund um den Black Friday und den Cyber Monday mit 265 Euro pro Kopf in etwa genauso viel Geld ausgeben wie im vergangenen Jahr mit 264 Euro. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Frauen, die 221 Euro pro Kopf ausgeben wollen und Männern, die mit durchschnittlich 308 Euro deutlich größer planen. Bleibt der Anteil der Befragten, der sich in diesem Jahr einschränken will: Hier gibt es die Gruppe (46%), die angesichts der schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland insgesamt vorsichtiger beim Geldausgeben sein will, und die Gruppe, die schlicht weniger Budget zur Verfügung hat.
Kunden bevorzugen in der Black Week besondere Sortimente
Dabei ergab die Befragung laut Christian Wulf ganz generell, dass vor allem die älteren Menschen „nicht jedem Schnäppchen hinterherjagen, sondern reflektiert einkaufen“. Denn in der Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen gaben 46% der Befragten an, dass sie nur das einkaufen wollen, was sie wirklich benötigen, über alle Altersgruppen hinweg planten das 38%. Besonders erfreulich für Zusteller und Unternehmen ist, dass etwa jeder Dritte versucht, Retouren und Impulskäufe zu reduzieren.
Knapp jeder Vierte (24%) achtet auf den Preis und zieht Qualität der Quantität vor. Und dann gibt es noch die 18% der Befragten, die „bewusst einen Bogen um Fast Fashion“ machen, wie es im PwC-Bericht dazu heißt. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist das eine gute Entscheidung.
Damit stellt sich die Frage, ob die Bundesbürger in der Black Week quer über alle Sortimente hinweg einkaufen, oder ob es Produkte gibt, die bevorzugt werden. Die Antwort fällt relativ eindeutig aus (Grafik unten): Auf Platz eins rangieren – wie in den Jahren zuvor – Elektrogeräte und Technik, die 43% der Befragten gezielt einkaufen wollen, wobei hier vor allem Männer (55%) zuschlagen wollen. Dagegen planen nur 32% der Frauen den Kauf von Elektrogeräten. Auf Platz zwei der gefragtesten Sortimente folgen laut Studie Kleidung, Schuhe und Accessoires, die etwa ein Drittel der Befragten bevorzugt einkaufen wollen. Und dass der Black Friday sowie der Cyber Monday für gut ein Viertel der Befragten als Startschuss für den Weihnachts-Einkauf gilt, kommt nicht überraschend.
Doch auch wenn viele der Befragten sich fest vornehmen, in diesem Jahr nur das zu kaufen, was sie wirklich brauchen, so zeigen die Erfahrungswerte aus früheren Jahren laut Umfrage, dass sich der eine oder andere doch von Rabatten zu Impulskäufen verleiten lässt: „Wir beobachten Jahr für Jahr, dass Konsumenten und Konsumentinnen sich trotz Vorbereitung von guten Angeboten locken lassen“, weiß Wulf zu berichten: Im Vorjahr habe jeder Fünfte zur Black Week mindestens einen Artikel aus einem Impuls heraus gekauft und bei 13% seien es sogar zwei oder mehr Artikel gewesen.
Das hat bei einigen der Betroffenen zu Unmut geführt. So äußerten 15% der Befragten, sie hätten im vergangenen Jahr das Gefühl gehabt, dass sie dazu verleitet wurden, zu viel oder auch unnötige Dinge zu kaufen und 14% störten sich generell an der vielen Werbung im Vorfeld der Preisaktionen. Deshalb warnt der Experte die Marktakteure: „Mit zu aggressiver Werbung sollten sich die Händler zurückhalten, insbesondere wenn die Lager schnell leer sind.“ Denn 17% der Befragten ärgerten sich, wenn die beworbenen Produkte zu schnell vergriffen waren und 27% waren sich am Ende nicht sicher, ob sie tatsächlich einen guten Deal gemacht oder doch zu viel Geld gezahlt haben.
Nur wenige Retouren bei Black-Friday-Schnäppchen
Bleibt die wichtige Frage, welcher Handels-Kanal oder welche Handelskanäle für die Käufer besonders interessant sind. Die Antwort fällt eindeutig aus: Die Befragten planen das Gros ihres Budgets (61%) für Online-Käufe mit Lieferung nach Hause ein. Allerdings zeichnet sich eine Wende ab: Im vergangenen Jahr war es noch 68% des Budgets. Bei ihrer Kaufvorbereitung nutzen die Kunden als erste Anlaufstelle für ihre Recherche vor allem die Websites der Händler, aber auch Suchmaschinen und Deals-Webseiten. Dass sich die Retouren bei Black-Friday-Schnäppchen in Grenzen halten, ist ein positiver Effekt. So gaben 35% der Befragten an, dass sie noch nie einen Black-Deal-Artikel zurückgeschickt haben und 16% gaben an, dass sie im Umfeld der Black Week weniger Artikel zurücksenden als sonst.
Daneben fällt laut Studie aber auch dem stationären Einzelhandel in der Black Week eine wichtige Rolle zu: Denn die Befragten wollen für knapp 40% ihrer Black-Week-Ausgaben den stationären Handel aufsuchen: einerseits um hier ihre Einkäufe zu erledigen (26%), andererseits, um online bestellte Produkte via Click & Collect im Laden abzuholen (13%). Dabei ist laut Studie sowohl bei den Online- als auch bei den Offline-Kunden die Markentreue sehr hoch. Denn drei Viertel der Befragten, wollen wieder bei derselben Marke einkaufen wie im Vorjahr.
Gefragt hat PwC in diesem Jahr auch, ob die Künstliche Intelligenz (KI) bereits eine Rolle als Helfer bei der Recherche spielt. Die Antwort: 11% nutzen bereits KI oder einen KI-Agenten, um nach guten Angeboten zu suchen. Dass eine ganze Reihe der Befragten ihre Käufe zu Black Friday frühzeitig plant, zeigt der Blick auf die Zahlen: Demnach beginnen 18% bereits im Oktober mit ihrer Einkaufsplanung und 28% befassen sich in den ersten drei Novemberwochen damit.



