BTE-Verbraucherumfrage

Das Gros der Kunden trägt seine Bekleidung mehrfach

Foto: R. Vierbuchen

HIR DÜSSELDORF. Die Textil- und Modebranche sieht sich wegen ihres Ressourcenverbrauchs und vereinzelt auch wegen problematischer Produktionsbedingungen immer wieder in der Kritik. Hinzu kommt der Trend zu „Fast Fashion“, die – nur wenige Male getragen – schnell im Müll landet und oft nicht recycelt werden kann. Mit dem Vorwurf von Kritikern, dass in Deutschland rund ein Fünftel der neuen Bekleidung nie oder nur selten getragen werde, setzte sich der Handelsverband Textil, Schuhe, Lederwaren (BTE) auseinander und befragte die Verbraucher selbst.

Wie Axel Augustin, Geschäftsführer des HandelsverbandsTextil Schuhe Lederwaren (BTE), vorausschickt, schätzen Marktexperten bei diesem strittigen Thema, dass „nur“ etwa ein Zehntel der Bekleidung (fast) nie getragen werde. Um diese weit verbreiteten Ansichten über die tatsächliche Bekleidungsnutzung der Bundesbürger zu überprüfen, hat der Branchenverband eine repräsentative YouGov-Verbraucherbefragung in Auftrag gegeben. Basis dieser repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren durchgeführte Umfrage waren Online Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels zwischen dem 8. und 10. Oktober. Befragt wurden 2019 Personen, wobei die Erhebung nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet wurden.

Im Zentrum stand dabei die Frage an die Verbraucher, ob sie schon einmal Bekleidung (inkl. Schuhe und Unterwäsche, aber ohne Second Hand Ware) gekauft haben, die sie nie oder nur ein einziges Mal getragen haben oder tragen werden. Dabei wurde die Antwort „keine Angabe“ nicht berücksichtigt: Dass sie alle gekauften Bekleidungsstücke mehrmals tragen, gaben im Rahmen des Interviews 41,9% an. Und 45,9% teilten mit, sie würden allenfalls weniger als 10% aller Bekleidungsstücke (fast) nie tragen. Nur eine relativ kleine Gruppe von 9,3% trägt bis zu einem Drittel ihrer gekauften Bekleidung (fast) nie. Die Gruppe der Befragten, die mehr als ein Drittel ihrer Modekäufe fast nie trägt, umfasst lediglich 3,0%.

Eine Antwort auf die Frage, warum die gekaufte Bekleidung nicht oder kaum getragen wird, gab die Umfrage allerdings nicht. Deshalb hat der BTE per YouGov-Umfrage auch die Gründe für die Nicht-Nutzung ermittelt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Dabei gaben 47% der Befragten an, dass die Bekleidung nur für einen einmaligen Anlass wie zum Beispiel die Hochzeit erworben wurde. Ein anderer Grund, auf den 43% der Nennungen entfiel, war, dass die Kleidung doch nicht gefiel oder nicht passte, aber nicht zurückgegeben werden konnte wie zum Beispiel bei Online-Käufen im Ausland.

Andere (29% der Nennungen) gaben laut BTE an, dass sich ihre Kleider- bzw. Schuhgröße seit dem Kauf verändert habe, so dass die Bekleidung nicht mehr passte. Ein Grund kann allerdings auch sein, dass Größen je nach Marke und Schnitt unterschiedlich ausfallen. Nur eine kleine Gruppe (4% der Nennungen) gab andere Gründe an, ohne sie näher zu spezifizieren.

Aus diesen Befragungsergebnissen schlussfolgert der BTE, dass neu gekaufte Bekleidung und Schuhe in über 90% der Fälle auch mehrmals getragen werden. Und wenn sie die neu gekauften Bekleidungsstücke tatsächlich nicht tragen würden, dann seien die genannten Gründe auch nachvollziehbar. Etwa bei Anlass-bezogener Bekleidung, die selten getragen werde, könne es leicht vorkommen, dass sie bei der nächsten Tragegelegenheit nicht mehr passt, wie Augustin anmerkt.

Als problematisch bewertet der Verband allerdings, dass solche ungetragene „Fehlkäufe“ laut Umfrage nicht zurückgegeben werden könnten. „Denn für Online-Käufe gibt es in der EU ein 14-tägiges Rückgaberecht“, erläutert Augustin und verweist zusätzlich darauf, dass sich die meisten stationären Modegeschäfte beim Umtausch nicht genutzter Kleidungsstücke meist kulant zeigen. Denn die meisten Händler möchten, dass der Kunde wieder kommt.

Mit Blick auf die über asiatische Plattformen bestellte Billigmode stellt der BTE-Geschäftsführer fest, dass die Erwartungen der Kunden an die bestellte Ware immer wieder enttäuscht würden, die Ware aber oftmals nicht zurückgeschickt werden könne, obwohl sie vielfach nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen erfüllen würde. „Wir gehen davon aus, dass vor allem solche Artikel ungetragen in den Kleidercontainern landen“, vermutet Augustin und richtet vor diesem Hintergrund an die Politik den dringenden Appell, „endlich wirksame Maßnahmen gegen die unkontrollierte Flut von minderwertiger Mode nach Deutschland und die EU durchzusetzen“. Mit dieser Forderung steht er nicht allein.