rv DÜSSELDORF. Den ersten Insolvenzantrag in Eigenverwaltung hatte die expansionsfreudige Handelskette für Wohnaccessoires, Depot, respektive ihre Muttergesellschaft, die Gries Deco Company GDC, am 15. Juli 2024 beim Amtsgericht Aschaffenburg gestellt. Nach einem Sanierungsverfahren, das am Ende sehr viel umfangreicher ausfiel als zunächst geplant, stellte die Handelskette knapp zwei Jahre später, Mitte Mai, erneut einen Insolvenzantrag.
Im ersten Insolvenzverfahren hatte sich die Handelskette Depot, die in ihren besten Zeiten mehr als 600 Filialen betrieben hat, wie bei der Zeitschrift Unternehmer Blatt nachzulesen ist, unter dem Inhaber Christian Gries (Foto: Depot), der die Geschäftsführung nach Ausbruch der Krise wieder übernommen hatte, und den Restrukturierungsexperten Sven Tischendorf sowie Alexander Höpfner das Ziel gesetzt, die Geschäftsstruktur langfristig zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen. Im Kern ging es darum, jede der 302 im Jahr 2024 noch bestehenden Filialen in puncto Rentabilität auf den Prüfstand zu stellen und Standorte ohne Gewinnperspektive zu schließen.
Im ersten Schritt wurden 17 Läden sofort geschlossen. Am Ende des Prozesses waren es aber mehr als 100 Filialen und es zeichnete sich schon ab, dass zum Schluss nur noch 150 bis 180 Filialen weitergeführt werden sollten. Und auch die Belegschaft wurde von 3 300 Arbeitsplätzen auf etwa 2 000 reduziert. Zudem wurde die Betreibergesellschaft Gries Deco Company GmbH im Rahmen des Insolvenzverfahrens abgewickelt und durch die Auffanggesellschaft GDC Deutschland GmbH ersetzt. Gleichzeitig wurden der Online-Vertrieb und die digitale Verfügbarkeit gestärkt, um moderner und näher an den Kunden zu sein.
Grund für die erste Schieflage von Depot waren zum einen – wie bei den meisten innerstädtischen Nonfood-Händlern – die Schwierigkeiten und Verluste durch die Pandemie-bedingten Zwangsschließungen, die weltweiten Lieferketten-Probleme, die das Unternehmen stark trafen und der härter werdende Wettbewerb durch Online-Konkurrenten wie Temu aber auch durch stationäre Konkurrenten wie Action.
Als Gründe für die erneute Insolvenz in diesem Mai nannte Geschäftsführer Christian Gries nach einem Bericht von „Der Spiegel“ neben der unvermindert harten Online-Konkurrenz durch asiatische Billig-Plattformen noch die Zölle und die starke Kaufzurückhaltung der Deutschen, die der gesamte deutsche Einzelhandel derzeit als großes Problem erlebt. Gleichzeitig versichert er: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und möglichst viele Filialen erhalten.“
Wie er weiter einräumt, ist die Zeit für den Einzelhandel derzeit schwierig, da viele Kunden stark auf die Preise schauen würden. Doch Preisreduzierungen sind aus seiner Sicht auf Dauer kein Mittel, um ein rentables Geschäft zu führen. Der GDC-Geschäftsführer rechnet mit weiteren Filialschließungen, will sich aber noch nicht auf eine genaue Zahl festlegen. Alles soll erneut auf den Prüfstand gestellt werden. Dazu gehören auch Gespräche mit den Vermietern.
Als vorläufiger Sachwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Thomas Rittmeister eingesetzt, der die Interessen der Gläubiger überwacht. Als Verfahrensbevollmächtigter der Schuldnerin fungiert Alexander Höpfner von der Kanzlei ACT Tischendorf, der Depot bereits im vorherigen Schutzschirmverfahren begleitete.



